Warum denn nicht mit Dreierkette?

Mittwoch, 23.10.2013 | 16:00 Uhr
Jan Kirchhoff (l.) könnte gegen Pilsen in der Startelf stehen
© getty
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Jerome Boateng ist gesperrt, Dante und Holger Badstuber sind verletzt. Gegen Viktoria Pilsen (Mi., ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) bleiben noch Daniel van Buyten und Jan Kirchhoff als gelernte Innenverteidiger. Oder probiert Trainer Pep Guardiola wieder etwas ganz anderes?

Daniel van Buyten war nicht gesprächig am Samstag. Ohne Kommentar verließ der Belgier die Allianz Arena nach dem Spiel gegen Mainz 05. Erst zwei Spiele hat van Buyten in dieser Saison absolvieren dürfen. Als sich Dante gegen Mainz verletzte, rechneten viele mit der Einwechslung van Buytens, oder zumindest mit dem ebenfalls noch vorhanden Innenverteidiger Jan Kirchhoff.

Aber Trainer Pep Guardiola schickte David Alaba aufs Feld. Der Linksverteidiger, der sich auf lange Sicht auch im Mittelfeld sieht, rückte für die restliche Spielzeit der ersten Halbzeit in die Innenverteidigung. Dann übernahm Diego Contento, Alaba ging auf links.

Ein Scherz mit Lahm?

Im Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Viktoria Pilsen am Mittwochabend wird Guardiola wieder eine Lösung finden müssen für die Innenverteidigung. Jerome Boateng ist nach seiner Roten Karte gegen Manchester City gesperrt, Dante ist ebenso verletzt wie Rekonvaleszent Holger Badstuber.

Auf die Besetzung der Verteidigung angesprochen zählte Guardiola auf der Pressekonferenz am Dienstag seine verbliebenen Abwehrspieler auf. "Wir haben Daniel, wir haben Jan, wir haben die Möglichkeit Diego", sagte Guardiola, der nach einer kurzen Pause noch hinterherschob. "Und wir haben Philipp Lahm." Ein paar Reporter lachten.

Auf Guardiolas Gesicht war war ein kleines Schmunzeln zu erkennen, aber daraus ließ sich nicht wirklich schließen, ob er sich über einen gelungen Scherz amüsierte oder ob er sich über die verblüfften und belustigten Journalisten freute.

Der Tüftler arbeitet

Denn spätestens seit Samstagnachmittag ist klar: Guardiola denkt nicht in konventionellen Lösungen. Für einen Innenverteidiger muss kein Innenverteidiger kommen. Je nach Situation bedarf es anderer Ideen. Guardiola kam schon mit dem Ruf eines Tüftlers nach Deutschland. Des bestätigt er nun Woche für Woche.

"Das ist Pep", sagte Javi Martinez vom "Kicker" auf die Versetzung Lahms ins Mittelfeld angesprochen. "Es gefällt ihm, die Spieler auf verschiedensten Positionen spielen zu lassen." Es ist also noch komplett ausgeschlossen, dass Lahm gegen Pilsen wieder in der Abwehr spielt, vielleicht sogar auf einer anderen Position, und nicht rechter Verteidiger.

Die Idee Cruyffs

Mainz' Trainer Thomas Tuchel hielt vor dem Duell am Wochenende in der "Süddeutschen Zeitung" eine Eloge auf den Trainer der Münchner: "Die Bayern sind inzwischen so flexibel, dass man auf alles gefasst sein muss. Und es kommt etwas hinzu: Sie nehmen sich unter Guardiola auch mal die Freiheit, auf den Gegner zu reagieren. Bisher haben sie meist aus dem Gefühl der Stärke heraus gesagt: Wir ziehen unser Spiel durch. Daraus konnte auch mal eine gewisse Trägheit entstehen. Bei Guardiola ist das anders - weil er in der Lage ist, das Spiel spontan zu verändern."

Was wir in dieser Saison in Pflichtspielen noch gar nicht gesehen haben, Guardiola aber in Barcelona immer wieder spielen ließ, ist die Dreierkette. Der Trainer ist ein Freund dieser Ausrichtung, seitdem er als Teil des katalanischen Dream Teams unter Johan Cruyff mit diesem System erfolgreich war.

Mehr Platz für Mittelfeldspieler

Guardiola interpretiert das mögliche 3-4-3 sehr offensiv. Selbst in der letzten Linie setzt er dabei auf spielintelligente Akteure, die auch im Mittelfeld spielen können. In Barcelona schickte er aufgrund von Verletzungsproblemen auch mal eine Dreierkette mit Javier Mascherano, Sergio Busquets und Erik Abidal auf den Platz.

Vor allem in Heimspielen gegen sehr defensiv eingestellte Gegner, so wie Pilsen, ist der Verzicht auf einen Innenverteidiger zugunsten eines zusätzlichen Mittelfeldspielers eine charmante Option. Zumal Guardiola schon mehrfach betont hat, dass er Mittelfeldspieler liebt und am liebsten mit elf Mittelfeldspielern auflaufen würde.

"Mit der Dreier-Kette kann man gegen traditionelle Spielsysteme wie dem 4-4-2 konstant Überzahl erzeugen", sagt Frank Wormuth, Leiter der Fußballlehrerausbildung in Köln.

Eine mögliche Variante beim FC Bayern, die mit der Barca-Besetzung zumindest leichte Ähnlichkeit aufweisen würde, wäre eine Aufstellung mit Lahm, Kirchhoff und Alaba. Positiver Nebeneffekt: im Mittelfeld wäre Platz für einen zusätzlichen Kreativkopf. Daniel van Buyten dürfte dieses Gedankenspiel nicht gefallen.

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