Thomas Müller im Interview

"Real Madrid ist überhaupt kein Thema"

Von Für SPOX in Marseille: Thomas Gaber
Donnerstag, 29.03.2012 | 09:15 Uhr
Thomas Müller (l.) setzt sich im Zweikampf gegen Alou Diarra durch
© Getty
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Das 2:0 in Marseille eröffnet dem FC Bayern alle Chancen aufs CL-Halbfinale. Thomas Müller hält aber den Ball flach. Er spricht von einem teilweise "kaputten" Spiel und Grenzerfahrungen, wenn es um die Vergabe der Titel geht.

Frage: Thomas Müller, 2:0 in Marseille gewonnen. War es ein perfekter Abend für den FC Bayern?

Thomas Müller: Vom Ergebnis her auf jeden Fall. Es war keine Glanzleistung, aber mit einem 2:0 in einem Champions-League-Viertelfinale auswärts können wir alle sehr gut leben. Aber es war ein sehr schwieriges Spiel.

Frage: Inwiefern?

Müller: Marseille hat uns körperlich viel abverlangt. Und sie waren in der ersten Halbzeit brandgefährlich. Bei Standards waren sie sehr aggressiv, da mussten wir das eine oder andere Mal voll dagegenhalten. Das haben wir auch gemacht und deswegen ist nichts passiert. Außerdem hat Manu (Neuer, d. Red.) zweimal sehr gut reagiert. Aber wir waren läuferisch und kämpferisch ebenbürtig, haben den Kampf angenommen.

Frage: Das Offensivspiel war jedoch nicht überzeugend. Woran lag das?

Müller: Wir hatten Unkonzentriertheiten im Spiel, wollten am Anfang auch zu viel. Statt den Ball quer zu spielen, haben wir ihn immer nach vorne gespielt. Dann kommt es vor, dass einiges kaputt geht. Dass muss jedem Spieler bewusst sein, dass Bälle auch verloren gehen können, wenn man permanent das Risiko sucht. Wenn wir uns gut durchkombiniert haben, hatte Marseille gleich Probleme. Dass wir spielerisch besser sind, haben wir dann auch gezeigt. Wir haben schon gewusst, dass wir unsere Möglichkeiten bekommen werden.

Frage: Der FC Bayern gewinnt auswärts 2:0, Real Madrid 3:0. Hand aufs Herz: Denken Sie schon ans Halbfinale?

Müller: Ihr Journalisten könnt natürlich schon über das Halbfinale spekulieren und vielleicht haben auch schon ein paar Fans ihre Flüge nach Madrid gleich nach Abpfiff gebucht. Ich hoffe, dass sie das dann aber nicht umsonst gemacht haben. Bei uns ist Real Madrid überhaupt kein Thema. Wir wollen ins Halbfinale und haben dafür den Grundstein gelegt. Mehr aber auch nicht. Wir müssen im Rückspiel noch hart arbeiten. Jetzt gilt es den Fokus auf die Bundesliga zu richten, weil wir am Samstag ein sehr schweres Auswärtsspiel in Nürnberg haben.

Frage: Waren Sie gegen Marseille extra motiviert nach der Pause gegen Hannover?

Müller: Extra motiviert vielleicht nicht, weil ich sowieso immer extra motiviert bin, aber ich war auf jeden Fall extra frisch.

Frage: Auf die Frische wird es in den nächsten Wochen besonders ankommen. Es sieht nach weiteren englischen Wochen bis Ende April aus.

Müller: Man muss an seine Grenzen gehen. Aber das gehört im Sport dazu. In englischen Wochen wird sehr wenig trainiert, fast nur regeneriert. Da kommt uns unsere exzellente medizinische Abteilung zugute. Es wird für alles gesorgt und deswegen sind wir auch in jedem Spiel wieder frisch.

Frage: Körperlich ja, aber auch mental?

Müller: Jeder weiß, ihr Medienleute noch länger als ich, obwohl das fast schon unmöglich ist (lacht), dass nach einem Auswärtsspiel in der Champions League so ein Bundesligaspiel eine schwere Nummer wird. Vor allem dann, wenn man gegen eine Mannschaft wie Nürnberg spielt, die vom Kampf und der Leidenschaft lebt. Das wird ein sehr hartes Auswärtsspiel.In Nürnberg war es in den letzten Jahren immer eng. Mental hilft es, wenn man die Spiele sofort abhakt. Das ist in englischen Wochen auch nicht anders möglich, weil in jedem Spiel sehr viel auf dem Spiel steht.

Frage: Wie haben Sie Franck Ribery bei seiner Rückkehr nach Marseille erlebt? Er wurde ja nicht gerade herzlich empfangen.

Müller: Ich denke, dass er das auch ein bisschen so erwartet hat. Aber es hat ihn nicht beeinflusst. Franck ist Profi genug, damit vernünftig umzugehen.

Frage: Sind die fünf Gelben Karten für Bayern-Spieler ein Wermutstropfen?

Müller: Ja, aber über den Schiedsrichter etwas zu sagen, ist nicht mein Bier.

Thomas Müller im Steckbrief

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