Beckenbauer: Pizarro holen und Robben halten

SID
Montag, 26.03.2012 | 15:42 Uhr
Das Finale in München sei machbar, und dann "bist du eh Favorit" - so sieht es Kaiser Franz
© Getty
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Franz Beckenbauer kratzte sich kurz im Gesicht und überlegte für einen Moment. "Hm. Ich weiß es nicht", sagte der 66-Jährige am Montag auf einem Pressetermin des Bezahlsenders Sky in München auf die Frage aller Fragen: Welche Titel kann Bayern München in dieser Saison noch holen? "Möglich ist noch alles", führte Beckenbauer schließlich fort.

Ab dem Viertelfinal-Hinspiel am Mittwoch (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) bei Olympique Marseille starten für den Rekordmeister die Wochen der Wahrheit: "Und bist du erstmal im Finale in München, dann bist zu eh Favorit."

In den kommenden sieben Wochen bis zum 19. Mai kann die Truppe von Trainer Jupp Heynckes alles gewinnen - aber auch alles verspielen. "Auch nach Marseille reist du, um drei Punkte zu holen", forderte Beckenbauer.

Der strauchelnde französische Vizemeister, seit acht Liga-Spielen ohne Sieg, sei "kein Glückslos, keine leichte Aufgabe. Aber immerhin bist du den Großen aus dem Weg gegangen", sagte der Weltmeister von 1974. In der derzeitigen Verfassung sei Bayern dennoch "Favorit. Ich glaube an ein Halbfinale Real gegen Bayern. Und Real ist nicht Barcelona, sondern durchaus machbar."

Nach Ostern entscheidet sich die Meisterschaft

Beckenbauer, Anfang der neunziger Jahre selbst Trainer bei Bayern-Gegner Marseille, pflichtete mit seinen Aussagen Christian Nerlinger bei. Der Sportdirektor hatte am Montag via "kicker" seinen Glauben an das Triple kundgetan und jegliche Kritik an der Mannschaft zurückgewiesen: "Zweifel an der Qualität dieser Mannschaft, fußballerisch und charakterlich, sind lächerlich." Auch Beckenbauer lobte die wiedergewonnene Balance der Bayern.

Ob die späte Initialzündung - seit fünf Spielen sind die Bayern ungeschlagen - aber reicht, um Tabellenführer Dortmund noch einmal ernsthaft in Bedrängnis zu bringen, bezweifelte Beckenbauer: "Dortmund kann schon der lachende Dritte sein, wenn Bayern in der Champions League bleibt. Die Spieler werden sicherlich nicht frischer".

Die Chancen stünden momentan bei "50:50" - entscheidend sei die Woche nach Ostern. Am 11. April muss Bayern in Dortmund ran, danach spielt der Meister beim Lokalrivalen Schalke 04. "Wenn was geht, dann da. Ein Unentschieden in Dortmund - und es ist vorbei", sagte Beckenbauer.

Schweinsteiger muss Akzente setzen

Fingerspitzengefühl forderte Bayerns Ehrenpräsident in den kommenden Wochen vor allem im Umgang mit dem verletzten Regisseur Bastian Schweinsteiger. In den anstehenden wichtigen Spielen in drei Wettbewerben werde es nicht genügen, "dass Schweinsteiger nur dabei ist. Er muss auch Akzente setzen".

Sein Status innerhalb der Mannschaft alleine rechtfertige die Aufstellung des 27-Jährigen nicht - das müsse Jupp Heynckes beachten.

Pizarro soll kommen, Robben bleiben

Kritik am zu dünnen Kader sei zumindest momentan nicht angebracht, dennoch legte Beckenbauer den Münchnern eine Verpflichtung des peruanischen Stürmers Claudio Pizarro nahe. "Er ist nach wie vor einer der Besten. Es wäre schon sinnvoll, ihn zu holen", sagte er. Auch auf Mario Gomez würde bei einer möglichen Rückkehr Pizarros mehr Druck herrschen als derzeit durch Ivica Olic und Nils Petersen - zumal Beckenbauer von einem Abschied Olics ausgeht.

In der Personalie Arjen Robben hat Beckenbauer noch Hoffnung auf eine baldige Vertragsverlängerung. Der niederländische Nationalspieler habe nach drei Spielen als Reservemann "das Mittelmaß zwischen gesundem Egoismus und mannschaftsdienlichem Zusammenspiel" gefunden.

Robbens Zögern, den 2013 auslaufenden Vertrag vorzeitig zu verlängern, sei womöglich damit zu erklären, dass er sich "momentan noch in seiner Ehre getroffen fühlt. Aber vielleicht fällt ihm über Ostern ein, dass es das Beste ist, bei Bayern zu bleiben." Zumindest Beckenbauer würde das "gerne sehen."

Franz Beckenbauer im Steckbrief

 

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