FC Basel: Trainer Heiko Vogel im Porträt

Von Mutti angezogen, vom Schicksal geküsst

Von Stefan Moser
Mittwoch, 22.02.2012 | 10:57 Uhr
Ist seit Oktober 2011 Cheftrainer des FC Basel: Heiko Vogel
© Getty
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Im Champions-League-Achtelfinale (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) trifft Heiko Vogel auf alte Bekannte. Der Coach des FC Basel begann seine Trainerlaufbahn beim FC Bayern München und formte dort Spieler wie Thomas Müller und Philipp Lahm. Dass er mit 36 Jahren schicke Anzüge trägt, verdankt der ehemalige Assistent von Thorsten Fink auch einer Grätsche des Schicksals.

"Zum Cheftrainer-Sein gehören viele Dinge, die ich eigentlich gar nicht haben will." Ein halbes Jahr ist dieser Satz von Heiko Vogel gerade einmal alt. Damals war er Assistent von Thorsten Fink beim FC Basel - und fand die Konstellation "perfekt". Der smarte, telegene Fink im Vordergrund. Und Vogel, der daneben eher wie von Mutti angezogen wirkte, brav im Hintergrund.

Sechs Monate später allerdings hat sich die schöne Konstellation radikal verändert. Fink ist zum Hamburger SV gewechselt - und Vogel wurde erst zum Interims- und dann zum Cheftrainer befördert.

Der Coup gegen Manchester

Mit einem Schlag war es vorbei mit der Beschaulichkeit der zweiten Reihe. Spätestens nach dem spektakulären 2:1-Sieg im entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen Manchester United waren alle Schweizer Scheinwerfer auf den jungen deutschen Trainer in Basel und seinen mutig offensiven Fußball gerichtet.

Doch Vogel hat die neue Situation schnell angenommen. Er ist erfolgreich, kommt mit seiner gewitzten und sympathischen Art gut an, er schläft sogar besser, seit er die Spiele nicht mehr alleine im Bett sondern vor Journalisten auf der Pressekonferenz aufarbeitet.

Die Sache mit dem Schicksal

"Irgendwie ist mein bisheriges Leben eine Aneinanderreihung von Chancen", sagt der gebürtige Pfälzer: "Ich fühle mich vom Schicksal geküsst und sage mir manchmal: Mensch Vogel, es hätte beschissener laufen können."

Dabei startete seine Trainerlaufbahn nicht mit einem Kuss, sondern mit einer fiesen Grätsche des Schicksals. Mit 19 Jahren zog er sich eine Knöchelverletzung zu, von der er sich nie richtig erholte. Kurze Zeit später war sein Traum von einer Spielerlaufbahn geplatzt.

"Karrieren sind eben nicht planbar", sagt Vogel, "also musste ich auf eine andere Karte setzen. Und diese Karte war gut!" Er studierte Sportwissenschaft in München und legte sich früh fest: "Ich wollte Fußballtrainer werden."

Absage von 1860 - der Weg zum FC Bayern

Nachdem er sich bei 1860 aber eine Absage eingehandelt hatte, ging er zu seinem Dozenten und bat ihn um Hilfe: "Ich brauche Berufserfahrung, muss als Trainer arbeiten, besorg mir was. Wurscht was, und wenn es die Hochschul-Frauen sind."

Tatsächlich besorgte ihm der Mann ein Vorstellungsgespräch beim FC Bayern. Und der 22-jährige Student überzeugte. Für anfangs 600 Mark übernahm er zunächst die U 9 der Münchner. Nach und nach folgte der Aufstieg bis zur U 17.

Trainer von Müller und Lahm

"Ich hatte dort fast unbegrenzte Möglichkeiten, es waren neun wunderbare Jahre, für die ich unendlich dankbar bin", sagt Vogel heute. Und auch die Bayern sind dankbar. Immerhin formte er in seiner Zeit Spieler wie Phillip Lahm, Thomas Müller, Mats Hummels oder Diego Contento.

"Man ist stolz, wenn man sieht, wie sich die Burschen entwickelt haben. Nicht, dass ich denke, ich allein bin dafür verantwortlich. Wenn Spieler so einschlagen, habe viele Trainer vieles richtig gemacht", bleibt Vogel wie üblich bescheiden.

Freundschaft mit Thorsten Fink

Während seiner Zeit bei den Bayern kam es auch zu ersten losen Kontakten mit Thorsten Fink, der seine aktive Karriere in München bei den Amateuren ausklingen ließ. Eine echte Freundschaft entstand dann aber erst später in Köln, als beide dort gemeinsam die Schulbank für den Fußballlehrer drückten.

Gemeinsam ging es dann auch zur ersten Station als Profitrainer zum FC Ingolstadt. Fink als Chef im Anzug; Vogel als Co-Trainer in Shorts. In dieser Konstellation heuerten die beiden 2009 schließlich in Basel an. Ein "Sechser im Lotto", sagt Vogel, der sich dabei immer im Hintergrund hielt.

Alphatier ohne Profilneurose

"Eigentlich bin ich ein Alphatier, aber ich habe den Job als Co-Trainer so interpretiert. Ich bin selbstbewusst genug, dass ich keine Selbstinszenierung brauche", sagt der Mann, der nun immerhin den FC Bayern der Schweiz erfolgreich trainiert.

"Ich hatte zwar keine große Spielerkarriere, aber ich kann mich auch so durchsetzen", zieht Vogel die Vorteile aus dem vorzeitigen Ende seiner aktiven Laufbahn: "Im Vergleich zu gleichaltrigen Profis, die Trainer werden wollen, kann ich zehn Jahre mehr Berufserfahrung vorweisen."

Und so steht Vogel mit gerade einmal 36 Jahren schon als Cheftrainer im Achtelfinale der Champions League - und trägt dabei einen Anzug. Er sieht darin zwar etwas unbeholfen aus, doch das ändert nichts an seiner Qualifikation als Trainer.

"In meinem Umfeld gibt es keinen, der mich unterschätzt. Und wer es doch tut, macht einen Fehler." Genau das bekam Manchester United spüren - und dümpelt jetzt durch die Europa League. Die Bayern sind also gewarnt.

Heiko Vogel im Steckbrief

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