Fussball

BVB siegt gegen FC Bayern und baut Vorsprung aus: Nur mit der Ruhe!?

Der BVB hat nach dem Sieg gegen den FC Bayern nun sieben Punkte Vorsprung vor dem FCB.

Borussia Dortmund hat den FC Bayern München in einem hochklassigen Spitzenspiel mit 3:2 geschlagen und den Vorsprung auf den Rekordmeister auf sieben Punkte vergrößert. Der BVB, spätestens jetzt ein Kandidat auf den Meistertitel, will dennoch weiter von Spiel zu Spiel schauen - doch der Druck und die Diskussionen werden größer werden - die Highlights im Video.

Michael Zorc hatte also Recht. Der Sportdirektor von Borussia Dortmund sitzt seit dieser Saison regelmäßig neben Trainer Lucien Favre auf dem Podium der Pressekonferenzen, die die Borussia vor den Bundesligapartien abhält. Das ist teils auch notwendig, denn Favre ist gerne mal kurz angebunden bei solchen Veranstaltungen.

Daher wird häufig auch Zorc zu seiner Meinung befragt und am vergangenen Donnerstag sagte er sinngemäß: Leute, das sind immer noch die Bayern - Diskussionen und Instagram-Posts hin oder her. Und so war es dann auch, die ersten 25 Minuten des Topspiels am Samstagabend gingen klar an den Rekordmeister, der ein sehr hohes Tempo ging, um mit ebenso hohem Pressing Dortmunds Spielaufbau erfolgreich zu manipulieren.

Der BVB hatte Glück, bis zur Pause nur ein Gegentor kassiert zu haben. In Halbzeit zwei passierte letztlich aber das, was wiederum einige Journalisten vorhersahen: Dortmund schlug die Bayern und baute den Vorsprung in der Tabelle auf sieben Punkte aus. Selbst der FCB konnte also den Lauf der Borussen nicht aufhalten.

Zorc mahnt: "Wir müssen weiter wachsen"

Nach Spielschluss dröhnte laute Musik aus der Dortmunder Kabine, doch diejenigen, die dort herauskamen und sich den Medienvertretern stellten, kamen durch die Bank nicht besonders enthusiastisch herüber. Nur mit der Ruhe, es sei erst November, man wolle Spiel für Spiel angehen. Und Zorc sagte: "Wir müssen weiter wachsen, weiter lernen. Wir machen es step by step."

Diese Zurückhaltung ehrt die Dortmunder, wobei sie witzig herüberkam wenn man bedenkt, wie draußen die BVB-Fans 90 Minuten lang und darüber hinaus tobten und von der Meisterschaft sangen. Guckt man weder zurückhaltend, noch glückselig auf die Fakten, dann lässt sich nüchtern feststellen: Spätestens jetzt ist die Borussia ein echter Kandidat auf die Meisterschaft.

Denn: Dortmund drehte erneut ein Spiel, wieder schoss ein Einwechselspieler ein Tor (bereits das 18. in dieser Saison), wieder war dieser Torschütze Paco Alcacer, der mit acht Buden in sechs Spielen nun etwas vollbrachte, was es in der Bundesliga zuletzt 1963 zu bestaunen gab.

BVB mit laufstärkster Saisonleistung

Doch vor allem zeigte der BVB erneut großen Willen, er zeigte Glauben an die eigene Stärke, Mut, Selbstbewusstsein und 90 Minuten Kampfgeist. Auf 125,3 gelaufene Kilometer kam Favres Mannschaft - neuer Saisonrekord für die Schwarzgelben. Mit 265 Sprints lag man zudem nur sieben Läufe hinter der eigenen Bestmarke.

Dortmund ließ sich selbst von zwei Rückständen sowie beinahe schon grotesk vergebenen Torchancen nicht aus der Bahn werfen. Und wieder wurden die Westfalen für diese Mentalität - in dieser Saison das Modewort Nummer eins in Dortmund - belohnt. Nach dem 4:3-Heimsieg gegen Augsburg gewannen sie ein weiteres Spiel, das für das junge Team einen Schlüsselmoment darstellen kann.

"Wir haben nicht aufgegeben und immer weiter gekämpft. Wir haben die Stärke, immer wieder zurückzukommen und haben es auch heute wieder bewiesen", sagte Manuel Akanji und dann kam's wieder: "Es war eine Sache der Mentalität." Der überragende Kapitän Marco Reus fügte hinzu: "Das Wichtigste ist, wir sind ein Team. Jeder ackert für den anderen."

BVB-Kapitän Reus: "Jetzt wird's von Spiel zu Spiel schwieriger"

Favre sprach anschließend davon, das Spiel sei Werbung für die Bundesliga gewesen. Das stimmt, doch es war gleichsam eine deutliche Ansage des BVB an die Konkurrenz. Dortmund hat seine Position fürs Erste zementiert. Man wird nun wohl über viele Wochen der Gejagte sein und das Gerede vom Titel wird nun erst recht richtig anziehen.

"Wir sind absolut die Gejagten, deswegen wird's jetzt von Spiel zu Spiel schwieriger, jeder will uns schlagen", sagte Reus. Damit dürfte auch der Druck auf die Spieler künftig rapide ansteigen und die Verantwortlichen alles unternehmen, um wie bisher Ruhe und Normalität vorzuleben. Favre scheint seine Truppe in dieser Hinsicht schon gut im Griff zu haben. "Wir tun gut daran, uns weiter auf uns zu fokussieren, jedes Spiel zu nehmen, wie der Trainer es sagt", betete Reus herunter.

Dass Favre großen Anteil an dieser unerwartet rasanten Entwicklung hat, dafür brauchte es die Partie gegen die Bayern nicht. Doch dort zeigte sich, während wie nach dem Spiel, welch guten Transfer die Dortmunder mit ihm getätigt haben.

Favre verzettelte sich ein wenig mit der Hereinnahme von Julian Weigl und der Hoffnung, das Gros des Ballbesitzes zu bekommen. Sein - Vorsicht: Anglizismus - Ingame-Coaching ist in dieser Saison bislang herausragend. Er korrigiert große und kleine Kleinigkeiten, die Hereinnahme von Mo Dahoud zur Pause erwies sich als goldrichtig.

Favre nimmt die Spieler mit - und mahnt wie Zorc

Die Spieler verrieten zudem, der Trainer habe ihnen in der Pause prognostiziert, dass die Bayern ihr hohes Tempo nicht würden halten können. Und dann ist es ja eben auch Favre, der die ständig treffenden Joker einwechselt.

Dauergrinsend bahnte sich der Schweizer nach dem Sieg seinen Weg durch die Mixed Zone. Bayern-Trainer Niko Kovac saß zeitgleich auf dem Podium und äußerte seine Zufriedenheit ob der Leistung seiner Elf. Als Favre zur PK erschien, grinste er zwar weiterhin und wollte sich anders als an seinem Geburtstag auch noch ein Gläschen Rotwein gönnen. Doch wie gewohnt mahnte und warnte er, für ihn gibt es nach jeder Partie zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten.

Diese seien zumeist taktischer Natur und betreffen vor allem die Defensivbewegungen, lässt er immer wieder durchblicken. Auch diesmal: "Wir haben offensiv wie defensiv immer noch viele Details zu verbessern. Wir wissen, dass wir viele Sachen zu korrigieren haben. Kleine Details, aber die sind sehr, sehr wichtig."

Für ihn als Trainer bleibt es alternativlos, von Spiel zu Spiel zu schauen und seine Mannschaft auf die einzelnen Gegner vorzubereiten. Wie erfolgreich er künftig diese Maßgabe auch unter der nun deutlichen Tabellenkonstellation an seine Spieler weitergibt, steht aber noch auf einem anderen Blatt.

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