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Ungenießbar schon vor dem Ablaufdatum

Samstag, 17.09.2016 | 22:26 Uhr
Das Bremer Führungsduo: Viktor Skripnik und Frank Baumann
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Vier Pflichtspiele, vier Niederlagen - der SV Werder Bremen ist katastrophal in die neue Saison gestartet. Die erste Halbzeit beim 1:4 gegen Borussia Mönchengladbach war die vorläufige Krönung eines Negativtrends, entscheidend daran beteiligt war Trainer Viktor Skripnik mit einem taktischen Fehler. Beim Unterfangen, den Trend zu stoppen, sind Manager Frank Baumann die Hände gebunden.

Bremens Geschäftsführer Sport Frank Baumann steckt in einem Dilemma. Überspitzt könnte man sagen: Entweder er verliert seine Glaubwürdigkeit oder er riskiert, sehenden Auges den Abstieg des SV Werder. Seines SV Werder.

Es war kurz nach dem Abpfiff des Bundesliga-Auftaktspiels des SVW gegen den FC Bayern München, als Baumann eine Aussage tätigte, die er vielleicht so schnell wieder bereute, wie seine Mannschaft damals gegen den FC Bayern schon in Rückstand lag: "Auch wenn wir die nächsten acht Spiele nicht gewinnen, bleibt Viktor Skripnik Trainer."

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In einer glattgebügelten Fußball-Welt, in der schwammige bis nichtssagende Aussagen aller Beteiligten so alltäglich sind wie Torschüsse und Eckbälle, gab es nun eine konkrete Zahl. Acht. Oder auch: Viktor Skripnik, mindestens haltbar bis 29. Oktober 2016.

0:4 nach 41 Minuten

Zwei dieser angekündigten acht Spiele hat der SV Werder unter Skripnik seitdem bestritten, beide verloren. Gegen den FC Augsburg setzte es ein 1:2, bei Borussia Mönchengladbach ein 1:4. Das Auftaktprogramm war zwar schwer, das Zustandekommen der Pleiten jedoch bedenklich. Baumann muss nun - um nach den gewagten Aussagen sein Gesicht zu wahren - wohl oder übel an seinem Trainer festhalten, mindestens noch sechs Spiele.

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Sollte die Mannschaft in diesem halben Dutzend Partien - bei denen es unter anderem gegen Mainz, Wolfsburg, Leverkusen und Leipzig geht - aber so auftreten wie in der ersten Halbzeit gegen Gladbach, könnte der SVW zu diesem Zeitpunkt schon abgeschlagen am Tabellenende feststecken. Komplett richtig hatte es Baumann erkannt, als er gegenüber Sky nach dem Abpfiff der Partie gegen Gladbach sagte: "Mit der Leistung brauchen wir in der Bundesliga nicht antreten."

Das 1:4 liest sich letztlich fast schon harmlos im Verhältnis zu dem, was Werder in der ersten Halbzeit ablieferte. Nach 41 Minuten lag der SVW mit 0:4 zurück, einzig weil Gladbach nach dem Seitenwechsel zurückschaltete und das Ergebnis nur mehr verwaltete, kam es für Werder nicht noch schlimmer.

Ein Unterfangen, zum Scheitern verurteilt

Ursache für das Totalversagen in der ersten Halbzeit war die Taktik von Trainer Viktor Skripnik. In dem Stadion, das neben der Münchner Allianz Arena in den vergangenen Monaten und Jahren das am schwierigsten einzunehmende ist, probierte es Skripnik mit einer viel zu gewagten Ausrichtung. Er ließ seine Elf die Gladbacher schon an deren Strafraum attackieren und schob seine Viererkette vor bis fast an die Mittellinie.

Ein Unterfangen, das zum Scheitern verurteilt war. Die verunsicherte und technisch limitierte Bremer Elf konnte das Gladbacher Aufbauspiel wiederholt nicht verhindern und führte den Sinn des frühen Pressings somit komplett ad absurdum. Gladbach konterte Werder im eigenen Stadion wiederholt eiskalt aus. Oftmals brauchte es dafür nicht einmal ausgeklügelte Spielzüge, teilweise reichte ein weiter Ball wie der von Jannik Vestergaard auf Thorgan Hazard vor dem 2:0.

"Es gab sechs, sieben, acht solcher Situationen", sagte Zlatko Junuzovic bei Sky, "wir können froh sein, nur vier Gegentore gefangen zu haben." Serge Gnabry analysierte: "Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen. Immer wieder wurden wir überlaufen, das kann nicht sein." Skripniks riskante Ausrichtung genießt in der eigenen Mannschaft offenbar keine allzu große Rückendeckung.

"Unsere Geduld ist nicht ewig haltbar"

Zur Pause, als es bereits zu spät war, revidierte Skripnik seine Taktik. Hinterher räumte er den Fehler ein: "Das Abwehrverhalten in der ersten Halbzeit war eine Katastrophe, das haben wir vermasselt." Ein Trainer muss wissen, in welcher Verfassung sich seine Mannschaft befindet und wozu sie in der Lage ist. Trotz allen Wunschdenkens von einer mutigen, ansehnlichen und unterhaltsamen Spielweise sollte ein Trainer die herrschenden Begebenheiten beachten.

Und diese Begebenheiten stellten sich vor der Partie gegen Gladbach wie folgt dar: Skripnik hatte eine Mannschaft zur Verfügung, die durch das Pokal-Aus und den Bundesliga-Fehlstart extrem verunsichert und durch Verletzungen etlicher Schlüsselspieler auch personell ersatzgeschwächt war. Die Elf in so einer Verfassung in Gladbach losstürmen zu lassen, hat selbstmörderische Züge.

Bedenklich stimmt das naturgemäß auch Skripniks Vorgesetzten Baumann. "Unsere Geduld ist nicht ewig haltbar, wir sind sehr ungeduldig", sagte er nach dem Spiel. Mitte Mai ist in Bremen der Geduldsfaden eines Verantwortungsträgers bereits gerissen. Thomas Eichin knüpfte seine Zukunft als Werder-Manager damals dem Vernehmen nach an einen Abschied von Trainer Skripnik.

Das Boot Werder

Bei Werder, einem Verein, bei dem Stallgeruch wichtiger ist als anderswo, entschied man sich für die Vereinslegende und gegen den externen Manager. Als Nachfolger von Eichin wurde Baumann installiert, eine weitere Ikone des Klubs. Mit zwei Ur-Werderanern an der Spitze sollte wieder die obere Tabellenhälfte anvisiert werden. Ähnlich äußerte sich der neue Hoffnungsträger Serge Gnabry bei seiner Ankunft.

Nun, nach drei Bundesligaspielen steht das verantwortliche Duo mit Werder fast schon vor dem Abgrund. "Wir sind von Viktor überzeugt und das hat nichts mit seiner persönlichen Vergangenheit zu tun", sagte Baumann nach der Partie gegen Gladbach trotzdem. "Personaldiskussionen" wolle und werde er keine führen.

Auch Skripnik blockte Fragen nach einem Rücktritt vehement ab, verwies auf seinen Vertrag und sagte: "Wir sitzen in einem Boot, wir gewinnen und verlieren zusammen." Eine Floskel, klar, aber eine, die wohl selten besser passte als hinsichtlich der aktuellen Situation in Bremen.

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