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Balsam auf lange nicht verheilte Wunden

Samstag, 15.04.2017 | 22:45 Uhr
Große Geste: Die BVB-Spieler widmeten ihren Sieg Marc Bartra
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Im ersten Bundesligaspiel nach der Attacke auf den Dortmunder Mannschaftsbus gewinnt der BVB gegen Eintracht Frankfurt. Dieser Tag, der weit mehr positive Nachrichten zu bieten hatte als drei Punkte, wird die Ereignisse vom Dienstag freilich nicht vergessen machen. Aber er wird helfen.

Als die Spieler von Borussia Dortmund nach Abpfiff zur Südtribüne gingen, da gingen sie zusammen. Es war fast schon ein Menschenknäuel, das sich um das gelbe Stück Stoff gebildet hatte, das Trikot mit der Nummer 5, an dem nicht nur Pierre-Emerick Aubameyang, Sokratis, Matthias Ginter und Christian Pulisic zerrten, von dem jeder BVB-Spieler ein Stückchen in der Hand halten wollte. Marco Reus war es schließlich, der das Trikot nach der Präsentation vor den Fans auf den Rasen legte.

Und da standen sie dann. Vor dieser riesigen Wand, Arm in Arm, und ließen sich besingen.

Einen "Gänsehautmoment" nannte es Marcel Schmelzer. Ein Begriff, der in einer artifiziell pathetischen Fußballwelt beinahe inflationär zweckentfremdet wird, am Samstagabend im Signal Iduna Park aber seine tatsächliche Bedeutung entfaltete. So liegt der feige Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus der Borussen gerade einmal vier Tage zurück. "Es", sagte Marcel Schmelzer, "ist nicht besser geworden seit Mittwoch".

Sein Trainer Thomas Tuchel attestierte seinen Mannen nach dem 3:1 gegen die Frankfurter Eintracht einen "unglaublichen Charakter". "Schon am Mittwoch und heute nochmal. Dafür gebührt ihnen das größtmögliche Kompliment", forderte Tuchel, um einen kleinen psychologischen Exkurs anzubieten: "Ich habe gestern von professioneller Seite gehört, dass es wohl eine Schwelle von zwei bis drei Tagen gibt, in denen man sich selber emotional stabilisiert."

Gol!!!!! Torrrr!!! Auf geht's!!!!

Auch wenn diese Stabilisierung stattgefunden haben sollte, verbietet es sich selbstredend, diese Mannschaft an ihren sportlichen Leistungen zu messen. Weder in diesem Spiel noch in allen, die bis Mai noch kommen. Das viel zitierte Stück Normalität, das wieder kommt - ein Fußballspiel wird es nicht zurückbringen können. Aber: Es kann helfen, zumindest ein bisschen und zumindest kurz, Fußball zu spielen. "Für die Spieler", sagte Tuchel, "ist es dann, glaube ich, auch nochmal einfacher, sich abzulenken, wenn sie auf dem Platz stehen und spielen können".

Das taten sie mit der ersten guten Nachricht des Tages im Hinterkopf, dass Marc Bartra aus dem Krankenhaus entlassen wurde nach seinem Speichenbruch im Handgelenk. Und der Spanier wurde nicht nur mit großen Gesten seiner Mitspieler bedacht, sondern zeigte bereits ein gesundes Mitteilungsbedürfnis.

Gol!!!!! Torrrr!!! Vier klatschende Hände. Drei Muskeln zeigende Arme. Auf geht's!!!! - kommentierte Bartra um 15.34 Uhr auf Twitter die zweite gute BVB-Nachricht des Tages: die Rückkehr von Marco Reus. Der hatte seit Anfang März wegen eines Muskelfaserrisses pausieren müssen; und wenn man Reus so zusah, dann wurde recht bald deutlich, warum Tuchel vor Dienstag, als der Fokus des BVB noch auf dem Sportlichen lag, so gehadert hatte mit dem Ausfall des Angreifers.

Reus spielte zwar nicht, als sei er nie weg gewesen, aber nah dran war es, was er in seinen 45 Comeback-Minuten zeigte. Alleine sein Führungstor nach nicht einmal zwei gespielten Minuten per Hacke ließ alle in Schwarzgelb zumindest für einen Moment an andere Dinge denken.

Jaaaaaaa!!!!!!!!! Papa!

Auch Sven Bender durfte eine Halbzeit lang lang spielen, auch er hatte in der Bundesliga lange gefehlt. Seit Dezember. In der Innenverteidigung spielte Eisen-Manni grundsolide, mehr noch: Seit mehr als drei Jahren war Bender wieder an einem Bundesliga-Tor direkt beteiligt.

Wenngleich sich das Spektakel beim Assist zum 2:1 nach Marco Fabians zwischenzeitlichem Ausgleich in Grenzen hielt. Das folgte erst, als Sokratis, der die Wiederansetzung des Monaco-Spiels am heftigsten kritisiert und sich von der UEFA als "Tier" behandelt gefühlt hatte, an der Mittellinie anfing zu laufen. Viel unberührte Landschaft fand der Grieche vor, dann einen recht gleichgültigen Omar Mascarell, und dann schoss er "das schönste Tor meiner Karriere". Und vielleicht auch das wichtigste, jenseits der 100 Stundenkilometer, in den linken Giebel (Bartra: Jaaaaaaa!!!!!!!!! Papa! Erstaunter Smiley. Erstaunter Smiley.)

"Ich widme es Marc Bartra und seiner Familie", sagte Papa nach dem Spiel: "Die zwei Stunden mit Spiel und Vorbereitung heute haben geholfen, um ein bisschen abzuschalten, um den Rest ein bisschen auszublenden." So gut sogar, dass Sokratis in der ersten Halbzeit keinen Zweikampf verlor und zum Helden des Nachmittags aufstieg.

Buenaaaa hermano Aubameyang !!!!

Nach einem Kontertor von Pierre-Emerick Aubameyang (Bartra: Buenaaaa hermano Aubameyang !!!!) stand der erste Sieg nach der Niederlage in München und dem skandalösen Hinspiel in der Champions League gegen die AS Monaco fest. Hoffenheim bleibt man auf der Versen, die fünf Mannschaften hinter Dortmund verloren allesamt - unter normalen Umständen hätte man gejubelt über die erfolgreichen Rückkehrer, über einen riesigen Schritt, gar einen Meilenstein auf dem Weg zur erneuten Teilnahme an der Königsklasse.

Unter normalen Umständen.

Normal sind die Umstände aber nicht. So sind alle guten Nachrichten dieses Samstags Balsam für die Wunden des BVB, die aber noch einige Zeit brauchen werden, bis sie einigermaßen verheilt sind. "Ich hoffe einfach", sagte Schmelzer, "dass es sehr schnell besser wird". Der Fußball wird dabei helfen. Sokratis antwortete auf die Frage, ob der Sieg Kraft geben wird: "Das wird er."

Dortmund - Eintracht Frankfurt: Daten zum Spiel

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