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Bayern holt Punkt beim BVB

Liebeserklärung auf die harte Tour

Sonntag, 06.03.2016 | 11:42 Uhr
Joshua Kimmich lieferte in der Innenverteidigung das nächste herausragende Spiel ab
© getty
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Durch das 0:0 bei Borussia Dortmund bleibt der FC Bayern München auf Titelkurs, am Ende ist der Rekordmeister dem Sieg sogar näher als der BVB. Im Mittelpunkt dabei steht wieder einmal Joshua Kimmich - der zusammen mit Pep Guardiola für einen kuriosen Moment sorgt. Die Umstellung des Trainers fruchtet, Arturo Vidal hat den entscheidenden Treffer auf dem Fuß. Doch im Fokus stand eine Liebeserklärung.

An manchen Abenden bleibt den Zuschauern kurz nach dem Abpfiff keine spezifische Szene aus dem Spiel im Kopf. Kein Torschuss, keine Glanzparade, keine Fehlentscheidung, sondern etwas, das sich neben dem Spielgeschehen ereignet hat - oder danach. Genau so dürfte es am Samstagabend nach dem Kracher in Dortmund auch einigen Fans vor den TV-Bildschirmen ergangen sein.

Das 0:0 zwischen Bayern und Dortmund war noch keine drei Minunten alt, da stürmte Bayern-Coach Pep Guardiola auf den Platz, schnappte sich Joshua Kimmich und hielt dem Youngster eine taktische Standpauke. Fast eine Minute lang erklärte der Spanier Kimmich offensichtlich eine bestimmte Szene, die ihm in Erinnerung geblieben war - mit all der Leidenschaft, die Guardiolas Coaching ausmacht.

Es war eine skurrile Szene, während sich der Rest der Spieler voneinander verabschiedete. Erst Mats Hummels, der Guardiola höflich die Hand reichte, unterbrach die beiden in ihrer Intensiv-Besprechung.

Dabei sollten die zahlreichen Beobachter keine voreiligen Schlüsse ziehen. Was auf den ersten Blick wie eine saftige Standpauke wirkte, war wohl tatsächlich eine kleine taktische Korrektur. Etwas, das Guardiola aufgefallen war, womöglich ein kleiner Fehler, den sein Youngster beim nächsten Mal nicht wiederholen soll.

Denn eines war nach den 90 Minuten von Dortmund den meisten klar: Joshua Kimmich hatte gerade eine herausragende Partie abgeliefert.

"Wir wollten gewinnen"

Die Zweikampfquote (67 Prozent gewonnene Duelle; 95 Prozent angekommene Pässe) gehörte, wie schon gegen Juventus, zu den besten aufseiten des Rekordmeisters. Timing, Antizipation und die nötige Lockerheit waren für den 21-Jährigen überhaupt kein Problem. Der Defensivmann hatte so großen Anteil daran, dass sich die Dortmunder Torchancen auf ein Minimum beschränkten - und nach der Halbzeitpause fast komplett ausblieben.

"Großes Kompliment an Joshua! Mit ihm hatten wir eine gute Innenverteidigung und einen guten Spielaufbau. Das ist für uns das Wichtigste. Es ist unmöglich gut zu spielen, wenn der Aufbau nicht gut ist", lobte Guardiola anschließend.

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Und tatsächlich: Die Münchner bekamen die Partie immer besser unter Kontrolle. "Angefühlt hat es sich, dass wir das Spiel in der zweiten Halbzeit klar im Griff hatten. Es war ein intensives 0:0, mit einem Chancenplus für uns", betonte auch Thomas Müller und Philipp Lahm stimmte zu: "Ein gerechtes Unentschieden. Wir hatten mehr Anteile und mehr Chancen. Wir wollten gewinnen, das hat man gesehen."

Kopfballungeheuer Arturo Vidal

Der Bayern-Spieler, der den Siegeswillen vielleicht sogar noch stärker verkörperte als Kimmich, war Arturo Vidal. Guardiola reagierte auf das aggressive Dortmunder Angriffspressing, indem er Xabi Alonso weiter nach hinten zog, wo der Routinier den Spielaufbau ungestörter vorantreiben konnte.

Das gab Bayern deutlich mehr Ballbesitz und Sicherheit sowie Vidal, erst zum zweiten Mal in diesem Kalenderjahr gemeinsam mit Alonso auf dem Platz, im Mittelfeld mehr Räume. Und der Chilene spielte in den taktischen Planungen offenbar eine extrem wichtige Rolle.

Vidal präsentierte sich nicht nur als starker Zweikämpfer nach Ballverlust, immer wieder schaltete er sich auch nach vorne ein - und wurde mehrfach mit hohen Bällen im Strafraum gesucht. Ein Mittel, das der BVB ganz offensichtlich so nicht auf dem Zettel hatte. Beinahe hätte Vidal seine Leistung gar belohnt, als er den Ball nach einer Ecke an die Latte donnerte. So blieb es die beste Chance in einem hochklassigen und gleichzeitig von beiden Teams nicht fehlerfreien Spiel.

"Es treffen zwei Spitzenmannschaften aufeinander, es hätte auch 2:2 ausgehen können. Für die Zuschauer ein intensives und gutes Fußballspiel", resümierte Lahm weiter, und richtete den Fokus dann auf das Wesentliche: "Wir haben unsere fünf Punkte gehalten. Es ist noch ein langer Weg, aber wir haben es in eigener Hand."

Der Druck bleibt

Gemeint war natürlich die Tabelle, in welcher Dortmund durch das Remis eine große (und exklusiv auf diese Saison gesehen wohl einmalige) Chance verpasst hat. Nach der Münchner Niederlage gegen Mainz unter der Woche hätte der BVB mit einem Sieg bis auf zwei Punkte an den FC Bayern ranrücken können.

Stattdessen hält der Rekordmeister seinen ärgsten Verfolger auf Abstand. Bei konsequenterer Chancenverwertung insbesondere in der zweiten Hälfte wären sogar drei Punkte, und damit wohl die endgültige Entscheidung im Meisterrennen, möglich gewesen. Dortmund konnte mitunter minutenlang nur reagieren, folgerichtig konstatierte Müller weiter: "Ich hätte gerne unsere Bemühungen mit einem Sieg belohnt gesehen. Es bleibt spannend. Wir stehen unter Druck."

"Ich liebe Joshua Kimmich"

Allerdings hätte auch alles andersherum ausgehen können. Dortmunds überfallartige Konter machten den Münchnern vor Guardiolas Alonso-Umstellung merklich zu schaffen und beinahe hätte Dortmund so auch zugeschlagen: Nach einer knappen halben Stunde war Marco Reus der Defensive eigentlich schon entwischt und bekam den Ball von Aubameyang mustergültig in den Lauf gespielt. Doch ein kurzer Moment des Zögerns reichte Kimmich, um dem Nationalspieler die Kugel im perfekten Moment wegzuspitzeln.

Nicht zum ersten Mal setzte Guardiola auf einen seiner Youngster. Fehler sind erlaubt und werden genauso schnell wie leidenschaftlich korrigiert. Mitunter auch mal auf dem Rasen. Dafür gibt es wertvolle Lektionen gegen einige der bestmöglichen Gegner - ein Lerneffekt auf die harte Tour eben. Der Katalane pusht seine Spieler und hilft ihnen so dabei, sich kontinuierlich zu verbessern.

Und so fällt es auch nicht schwer, Guardiolas Instant-Vortrag nach dem Spiel richtig einzuordnen. Wie als wolle er sicher gehen, fügte der Spanier dennoch hinzu: "Ich liebe Joshua Kimmich. Er bringt alles mit, um alles zu erreichen. Er hat in der Champions League gegen große Stürmer gespielt und heute gegen Aubameyang. Bitte sagt nicht mehr, dass er kein Innenverteidiger ist. Er hat Leidenschaft. Er hat absolut alles."

Dortmund - Bayern: Die Statistik zum Spiel

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