Gala im Topspiel! Gladbach klettert auf Platz drei

Von Stefan Moser / Markus Blumberg
Samstag, 11.02.2012 | 20:23 Uhr
Marco Reus lässt sich auch von drei Gegenspielern auf dem Weg zum Führungstreffer nicht beirren
© Getty
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Borussia Mönchengladbach hat das Topspiel des 21. Spieltags in beeindruckender Art und Weise gewonnen. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre schlug am Samstagabend den FC Schalke 04 mit 3:0 (3:0) und löste den Gegner damit auch in der Tabelle auf Platz drei ab.

Die 54.000 Zuschauer im ausverkauften Borussia-Park in Mönchengladbach sahen eine überragende erste Halbzeit der Gastgeber. Marco Reus (2.), Mike Hanke (15.) und Juan Arango (32.) per Freistoß erzielten vor der Pause drei sehenswerte Treffer.

Mit 43 Punkten klettert Gladbach in der Tabelle auf Platz drei hinter Dortmund (46) und Bayern (44). Schalke liegt mit 41 Punkten nun auf Rang vier.

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Reaktionen:

Lucien Favre (Trainer Borussia Mönchengladbach): "Es ist keine Überraschung: Wir haben oft schon sehr gut gespielt. Es war wichtig für uns, so früh zu führen. Das 2:0 hat uns dann totales Vertrauen gegeben - dieses Tor war noch wichtiger! Die Spieler haben viele Freiheiten und sie haben heute hervorragend kombiniert."

Roman Neustädter (Borussia Mönchengladbach): "Es ist unglaublich, was hier mit dem Verein und dieser Mannschaft passiert. Wir ziehen alle an einem Strang, versuchen uns Tag für Tag weiterzuentwickeln und das umzusetzen, was wir unter der Woche trainieren. Es sieht so leicht aus von außen, aber dahinter steckt wirklich harte Arbeit, wir üben jeden Tag: Technik, Ballannahme, Ballmitnahme, Doppelpässe, Automatismen. Jeder weiß, wo er hinzulaufen hat."

Huub Stevens (Trainer Schalke 04): "Bei uns hat die Organisation heute nicht gestimmt. Wir wussten, wie Gladbach spielen wird. Wenn man dann so eine Antwort gibt, hat man Probleme. Und wenn ich die Körpersprache der Spieler am Ende sehe, frage ich mich, was diese Spieler bei Schalke zu tun haben."

Benedikt Höwedes (Schalke 04): "Wir waren in der ersten Halbzeit überhaupt nicht in den Zweikämpfen, konnten die taktischen Vorgaben zu keiner Zeit erfüllen. Die Abstände waren zu groß, die Gladbacher konnten spielen, wie sie wollten. Die erste Halbzeit war indiskutabel, wir haben gar kein Mittel gefunden."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Gladbach mit exakt derselben Elf, die unter der Woche im Pokal in Berlin gewonnen hat.

Schalke dagegen mit einer sehr offensiven 4-1-4-1-Variante: Jurado rückt neben Farfan, Raul und Obasi in die offensive Viererkette hinter Stoßstürmer Huntelaar. Draxler und Marica im Vergleich zum Spiel gegen Mainz nur auf der Bank.

2., 1:0, Reus: Herrmann passt von rechts in den Strafraum auf Reus. Der nimmt den Ball an, Juardo guckt nur zu, und Reus zieht aus zehn Metern halbrechts aus der Drehung ab. Im langen Eck schlägt's ein.

5.: Chaos bei Schalke: Unnerstall versucht eine Flanke zu parieren und räumt dabei Papadopoulos ab. Schönes Durcheinander, aber Schalke bekommt den Ball noch weg.

8.: Nächste Gladbacher Chance: Nach Eckball von rechts schraubt sich Dante hoch, köpft aus acht Metern aber knapp links vorbei.

15., 2:0, Hanke: Mit etwas Glück wurstelt sich Hanke links in den Strafraum. Dann aber wird's sexy: Hanke legt zurück auf Arango, der lässt direkt wieder prallen, Hanke steht alleine vor Unnerstall und schlenzt das Ding aus sechs Metern in die rechte Ecke.

32., 3:0, Arango: Freistoß für Gladbach aus 22 Metern halbrechts. Arango tippt an, Reus stoppt, und Arango zwirbelt den Ball mit Links ins rechte Eck. Ganz fiese Flugkurve, schwer zu halten für Unnerstall.

Fazit: Keine Torchancen mehr in Hälfte zwei. Gladbach verteidigte diszipliniert und souverän. Schalke fand auch nach der Pause kein Mittel und fügte sich spätestens ab der 70. Minute in die Niederlage. Aufgrund der herausragenden ersten Halbzeit ein auch in der Höhe verdienter Sieg für die Gastgeber.

Der Star des Spiels: Patrick Herrmann. Extrem starke erste Hälfte auf rechts außen. War für Obasi und Fuchs nicht zu halten, gewann bei einer Quote von überragenden 90 Prozent die mit Abstand meisten Zweikämpfe aller Feldspieler und bereitete das 1:0 blitzsauber vor. Erledigte zudem seine Defensivaufgaben gewohnt diszipliniert und souverän. Auch Hanke, Reus und Dante stachen aus einer insgesamt bärenstarken Mannschaft noch heraus.

Der Flop des Spiels: Jurado. Seine Hereinnahme und die Umstellung auf ein 4-1-4-1 sollten offensive Impulse bringen, doch der Systemwechsel wurde zum defensiven Debakel. Jurado fand in der ersten halben Stunde nie seinen Platz in der Ordnung und wurde von Gladbach förmlich überrannt. Gewann seinen ersten Zweikampf erst, als das Spiel de facto schon entscheiden war. Wurde dann zwar besser, seine Aktionen aber wirkten auch dann eher hektisch und verzweifelt. Mit Obasi und Farfan und Fuchs schwächster Schalker in der insgesamt desolaten ersten Halbzeit.

Der Schiedsrichter: Manuel Gräfe. Hatte keine Mühe mit der fairen Partie. Lag auch bei knappen Abseitsentscheidungen und individuellen Strafen immer richtig und überzeugte mit einer guten Vorteilsauslegung. Starker Auftritt des Gespanns.

Analyse: Die Quittung für Huub Stevens offensive Aufstellung bekam Schalke bereits nach 112 Sekunden: Jurado verweigert im eigenen Strafraum den Defensiv-Zweikampf gegen Marco Reus, Tor für Gladbach.

Auch in der Folge hatten die Gäste im neuen 4-1-4-1-System enorme Probleme mit der Ordnung. Vor allem im zentralen Mittelfeld bekam Schalke überhaupt keinen Zugriff und lief nur hinterher. Nach 20 Minuten hatten Jurado und Joel Matip zusammen nur vier Zweikämpfe geführt - und keinen einzige gewonnen.

Die beeindruckend selbstbewusste, laufstarke und spielfreudige Borussia dagegen nutzte die großen Abstände und kombinierte immer wieder schnell und griffig zwischen den Linien. Mit präzisen Diagonalbällen rissen vor allem Dante und Herrmann zusätzlich große Löcher in die überforderte Schalker Abwehr.

Der echte Klassenunterschied zeigte sich auch an den nackten Zahlen: 60 Prozent Zweikämpfe, neun zu vier Torschüsse und eine hoch verdiente 3:0-Führung zur Pause.

Nach dem Seitenwechsel zog die Favre-Elf den Schalkern schnell endgültig den Zahn. Eine konzentrierte und gut sortierte Defensive reichte, um die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten.

Nach etwa 70 Minuten einigte man sich schließlich gütlich auf ein lockeres Trainingsspielchen.

Unterm Strich bleibt eine brillante erste Halbzeit der Borussia und ein absolut verdienter 3:0-Sieg.

Gladbach - Schalke: Daten zum Spiel

 

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