Fussball

Horrorvision Europa League rückt näher

SID
Thomas Müller (l.) erzielte die Führung der Bayern. Für den Sieg hat es trotzdem nicht gereicht
© Getty

Das Minimalziel Platz drei ist wieder gefährdet. Nach einem gemeinsamen Blackout von Torhüter Thomas Kraft und Philipp Lahm erreichte Bayern München beim 1. FC Nürnberg nur ein 1:1.
 

Ein Blackout von Torhüter Thomas Kraft, ein Aussetzer von Arjen Robben - die Horrorvision Europa League droht für den FC Bayern München Realität zu werden. Fünf Spieltage bleiben dem Rekordmeister, um am Ende einer missratenen Saison sein Minimalziel zu erreichen.

Doch auch im Endspurt um Rang drei und die Qualifikation zur Champions League stellt sich der noch amtierende Meister wieder selbst ein Bein. Das 1:1 (1:0) beim 1. FC Nürnberg war eine gefühlte, noch dazu selbst verschuldete "Pleite" - die Zukunft, die am Sonntag mit dem Spiel gegen den Zweiten Bayer Leverkusen beginnt, sieht alles andere als rosig aus.

Christian Eigler nutzt Kraft-Fehler

"Das Tor haben wir selbst verursacht, das ist natürlich sehr enttäuschend. Und dann hat sich Arjen Robben gehen lassen", sagte der erkennbar frustrierte Trainer Louis van Gaal zu jenen zwei Szenen, die den FC Bayern vielleicht noch teuer zu stehen kommen.

Erst ermöglichte Kraft durch ein zu kurzes Zuspiel auf den auch nicht gerade geistesgegenwärtigen Philipp Lahm dem Club den Ausgleich durch Christian Eigler (60.).

Und nach dem Schlusspfiff beleidigte Robben dann Schiedsrichter Knut Kircher: Der zog Rot. "Das spielt eine Rolle im nächsten Spiel, denn wir brauchen Arjen Robben", jammerte van Gaal.

Bayern wieder Vierter

Den Sieg verschenkt, zurückgefallen auf Rang vier, dazu in Robben einen Spieler verloren, der bei der dringend gebotenen Rückeroberung von Rang drei von enormer Wichtigkeit wäre - der FC Bayern ist nach wie vor nicht der FC Bayern, der er gerne sein will.

Die Ungewissheit, in welchem Wettbewerb der Rekordmeister in der kommenden Saison international spielen wird, macht die Planungen nicht einfacher. Umworbene Spieler sagen ab, Robben kokettierte bereits mit seinem Abschied und ist nun erstmal zum Zuschauen gezwungen.

Entschuldigung von Arjen Robben

"Das ist erstens keine Art, und zweitens darf das nicht passieren", sagte Mario Gomez über die Entgleisung Robbens. Der Niederländer war gleich nach dem Abpfiff vor 48.548 Zuschauern im ausverkauften Nürnberger Frankenstadion zu Kircher geeilt, "und da fielen dann Worte, die in den Bereich der Beleidigung gehen", berichtete der Unparteiische.

Robben entschuldigte sich beim Referee in der Kabine laut dessen Aussage "wie ein Sportsmann", Kircher wird dies auch in seinem Bericht vermerken. Aber Robben, das sagte auch van Gaal, hätte sich beherrschen müssen.

Thomas Müller mit Führungstreffer

Dass dem ehrgeizigen Profi, der zunächst das 1:0 durch Thomas Müller vorbereitet hatte (4.), die Hutschnur riss, habe auch mit dem Auftreten der Mitspieler zu tun gehabt, behauptete er. "Ich war sehr sehr sauer. Wir müssen nächstes Jahr Champions League spielen, da musst du in jedem Spiel 200 Prozent geben. Wenn wir das nicht machen, ist es vorbei."

Robben meinte damit wohl den bedauernswerten Kraft, er dachte aber wohl auch an den fahrlässigen Umgang der Münchner mit ihren Chancen. Mario Gomez etwa traf in der 77. Minute aus drei Metern das Tor nicht.

Gomez: "Tut mir leid"

"Er war sehr, sehr enttäuscht wie wir alle, aber das darf trotzdem nicht passieren", sagte Gomez über die Tatsache, dass Robben seine Wut nicht an den Mitspielern ausgelassen hatte, sondern am Schiedsrichter. "Wir hatten das Spiel im Griff und haben eigentlich nur zwei Fehler gemacht: das Gegentor - und die vergebene Chance, die ich hatte. Es tut mir leid für die Mannschaft", sagte der bislang so treffsichere Torjäger.

Und so wollte van Gaal auch nicht alleine Kraft die Schuld geben am Unentschieden: "Wir haben auch in der zweiten Halbzeit Chancen verpasst, und das ist auch ein Fehler", sagte er.

Möglich auch, dass Robben die turbulenten Schlussminuten zusetzten. Erst bekam Andreas Wolf bei einem Schuss von Gomez den Ball an die Hand, Kircher aber ließ weiterlaufen: "Aus meiner Sicht war das eine natürliche Handhaltung, er geht da nicht rein wie ein Torwart."

Und praktisch im Gegenzug verweigerte der Schiedsrichter den Nürnbergern die Anerkennung eines Treffers durch Jens Hegeler. Kircher hatte zuvor ein Foul von Wollscheid an Andreas Ottl gesehen.

Club mit Europa-League-Traum

Beim Club wollten sie deswegen nicht groß lamentieren. Nach zuvor zwei Niederlagen dauerte es lange, ehe die junge Mannschaft ihre Unsicherheit abgelegt hatte, genau genommen bis zu jener Szene, als der gedankenschnelle Eigler den Ball aus 30 Metern hoch über Kraft hinweg ins Tor hob.

"Es hat gefühlte fünf Minuten gedauert, bis der Ball im Tor war", sagte der Schütze. Nicht nur gefühlt ist der Club nach wie vor ein ernsthafter Kandidat für die Europa League, wie Trainer Dieter Hecking betonte: "Zwei Punkte gutgemacht, zwei Tore gutgemacht, wir sind dabei."

Was für die einen eine Horrorvision ist, wäre für die anderen ein Traum.

Nürnberg - Bayern: Daten zum Spiel

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung