Samstag, 10.01.2015

Guardiola will besser spielen

Bayern: Erfolg ist nicht genug

Der FC Bayern München hat eine überragende Hinrunde gespielt und ist mit elf Punkten schon wieder auf und davon. Pep Guardiola ist das aber nicht genug. Er will nicht nur gewinnen, sondern dabei auch gut aussehen.

Mittendrin: Pep Guardiola dirigiert das Training doha
© getty
Mittendrin: Pep Guardiola dirigiert das Training doha

Am Freitag ist der FC Bayern in Doha gelandet. "Ein leichtes Training" hatte der FC Bayern für den Abend angekündigt. Zwar fehlten zunächst die Trainingsbälle und die ganze Veranstaltung musste ein paar Minuten in der "Aspire Sports Academy" später beginnen, dennoch war das Training bei milden Temperaturen alles nur keine leichte Angelegenheit.

Pep Guardiola und seine Assistenten bereiteten den Profis schon beim ersten Training in Doha ein massives Programm vor. Erst viel mit dem Ball, dann lange ohne Ball.

"Die Spieler sind nach drei Wochen Urlaub heiß, sie wollen sich präsentieren, sich mir zeigen", sagt Guardiola, der zufrieden mit der Intensität ist, die seine Mannschaft an den Tag legt.

Der Trainer selbst ist einmal mehr die Intensität in Person. Er sieht nicht nur zu, wie seine Assistenten - allen voran Fitnesstrainer Lorenzo Buenaventura - die Spieler ordentlich rannehmen, sondern ist auch selbst mitten im Geschehen.

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"Hier haben wir keinen Druck"

"Super Raffa!", "Let's go, Sinan!", "Toll, Holger!" Pep ist voll in seinem Element und fast schon demonstrativ richtig gut drauf. In München verpasste er Jerome Boateng einen Zidane-Kopfstoß und sorgte für Lacher. In Doha beglückte er die zahlreichen Zuschauer mit dem einen oder anderen Weitschuss und ließ sich feiern. "Hier haben wir keinen Druck, sind relaxed, weil wir nicht drei Tage später wieder ein Spiel haben", sagt Guardiola.

Das ist nicht nur gut für das Gemüt, sondern auch für die Absichten des Bayern-Trainers. Als Guardiola kurz vor Ende der Hinrunde die Bundesliga-Leistungen als "okay" bezeichnete, musste der eine oder andere Zuhörer schmunzeln. Der FC Bayern spielte eine überragende Hinrunde, setzte sich schnell ab, kassierte zum Zeitpunkt der Aussagen erst drei Gegentore und war auch offensiv einmal mehr die beste Mannschaft der Liga.

Guardiola meinte es aber ernst, sah noch Möglichkeiten der Verbesserung. In der Verarbeitung von Torchancen zum Beispiel, aber auch im Defensivverhalten.

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"Jeden Tag besser werden"

Der FC Bayern gewinnt unter Guardiola in der Regel seine Spiele. Außer Borussia Dortmund und dem FC Augsburg hat es noch kein deutsches Team geschafft, Peps Bayern in der Bundesliga oder im DFB-Pokal zu besiegen.

Doch ihm reicht das nicht: "Wenn du gewinnst, freust du dich ein Tag, zwei Tage, maximal drei Tage. Wenn du gut spielst, weißt du, was du kannst und es ist gut für das Gefühl", sagt Pep. "Mein Ziel ist es, jeden Tag besser zu spielen."

Daher will Guardiola das Trainingslager in Doha vor allem dazu nutzen, an der Taktik zu arbeiten. "Während der Saison haben wir so viele Spiele und daher keine Zeit für bestimmte Dinge, die wir einstudieren wollen. Das nächste Spiel ist in drei Wochen", sagt Guardiola.

Er kann hier beispielsweise noch intensiver an der Dreierkette arbeiten, vor allem nach der Rückkehr von Holger Badstuber, auf den Pep große Stücke hält. Aber auch das Verhalten des Mittelfelds soll feinjustiert werden. Pep will den FC Bayern in Doha nicht neu erfinden, sondern schlicht nur besser machen. "Das Training ist öffentlich, wir haben hier keine Geheimnisse", sagt er.

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Vorteil: Kleinerer Kader

Auffällig bei den Einheiten ist es allemal, wie oft Guardiola bestimmte Spielsituationen simulieren lässt. Die Lösung in Drucksituationen, die Auswahl der richtigen Passoption zum Beispiel. Guardiola greift vehement ein, zeigt voller Elan, wie man sich schon vor Annahme des Balles idealerweise zu positionieren hat.

Was Guardiola dabei in die Karten spielt, ist der kleiner gewordene Kader. Xherdan Shaqiri ist zu Inter gewechselt, Pierre-Emile Hojbjerg ist nach Augsburg verliehen worden, Philipp Lahm und Thiago Alcantara sind nicht mitgereist, Javi Martinez und David Alaba trainieren im "Aspire Dome" noch individuell.

"Ein kleinerer Kader ist besser für uns", sagt Pep gegenüber SPOX, der natürlich hofft, dass seine Verletzten bald zurückkommen, um noch mehr Optionen zu haben.

Aber: Weniger Spieler, eine kleinere Rotation bedeuten auch, dass Pep konzentrierter Automatismen, die in seinen System unabdingbar sind, injizieren kann.

Bundesliga ist der wichtigste Titel

Die Feinjustierung soll dem FC Bayern im Allgemeinen dienen und helfen. Dass er aufgrund des satten Vorsprungs in der Bundesliga nun vor allem die Champions League im Visier hat, mag Guardiola so nicht stehen lassen. "Der wichtigste Titel ist die Bundesliga. In der Champions League entscheidet viel, wie man sich an dem jeweiligen Tag verhält. Ich weiß nicht, wie wir gegen Schachtjor Donezk drauf sein werden."

Damit man auch gegen die Ukrainer, auf die man im Achtelfinale der Champions League trifft, nicht dem Zufall ausgeliefert ist, arbeitet Guardiola mit Hochdruck in Doha. Mit Freude blickt er auf das schwere Auftaktprogramm, wo es zunächst zum Zweiten VfL Wolfsburg geht und dann schon der FC Schalke 04, der am Nebenplatz trainiert, wartet.

"Das ist gut für uns. Wenn wir schlafen, verlieren wir Punkte. Es ist besser für uns, dass wir gleich starke Gegner in der Bundesliga haben. In den ersten fünf, sechs Spielen können wir den Grundstein für eine gute Rückrunde holen, die ersten Punkte sammeln", sagt Pep. Und wenn die Bayern dabei auch noch richtig spielen, gibt es keinen glücklicheren Mann auf dem Planeten.

Der FC Bayern München im Steckbrief

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