Bastian Schweinsteiger ist zurück

Der Wiederholungstäter

Mittwoch, 14.01.2015 | 16:20 Uhr
Strahlemann in Doha: Bastian Schweinsteiger
© getty
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Bastian Schweinsteiger strahlt im Trainingslager des FC Bayern München in Doha Zufriedenheit, Freude und Zuversicht aus. Einmal mehr hat er sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Dass es Fragezeichen um seine Zukunft gibt, lässt ihn kalt.

Auf Konkurrenzkampf stehen sie ja beim FC Bayern München bekanntlich. Zwar sagt Trainer Pep Guardiola, dass er keinen allzu großen Kader hat, aber nicht viele Bundesligisten zählen 26 Profis, obwohl mit Xherdan Shaqiri und Pierre-Emile Hojbjerg gerade erst wieder zwei Spieler gegangen sind, die ihre Tauglichkeit für die Bundesliga schon unter Beweis gestellt haben.

Jede Position ist mindestens doppelt besetzt, wenn nicht sogar drei- oder vierfach. Der Konkurrenzkampf geht bei den Bayern sogar soweit, dass sich inzwischen ein Sudanese und ein Nigerianer um den Titel "größter Bastian-Schweinsteiger-Fan der Welt" duellieren müssen.

Der Nigerianer heißt Muftah Bala Talle, 21 Jahre alt und ist seit Anbeginn des Trainingslagers des FC Bayern mit zu Gast in Doha. Schweinsteiger selbst ist er ein Begriff und der Bayern-Star sagt: "Ich freue mich, ihn jedes Mal hier zu sehen." Der Sudanese heißt Sharif, ist ebenfalls 21 und hat sich sogar ein T-Shirt drucken lassen - mit ihm und Schweinsteiger Arm im Arm. Ein Foto, das beim letzten Besuch der Bayern im Emirat entstanden ist.

Am ersten Trainingstag der Münchener in Doha schaute der Schwarm beim Schwärmer höchstpersönlich vorbei, um freundlich abzuklatschen und ihn herzlich zu begrüßen. Popularität war noch nie ein Problem von Bastian Schweinsteiger. Er wird von den Bayern-Anhängern seit Jahren "Fußball-Gott" genannt, international ist er hoch anerkannt und sehr beliebt.

"Er ist der Super-Bayer"

"Bastian ist extrem beliebt bei unseren Fans, er ist neben Philipp Lahm so etwas wie der Super-Bayer", sagt Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Und das nicht erst seit der WM, bei der Schweinsteiger aufopferungsvoll spielte und sich allen voran im Finale gegen Argentinien (1:0) zur unsterblichen Figur machte.

Aber das WM-Finale war lange Zeit auch das letzte Pflichtspiel für Schweinsteiger. Die verletzte Patellasehne setzte die Nummer 31 monatelang außer Gefecht und es ist, wie es immer ist, wenn Schweinsteiger nicht spielt. Man spricht über ihn, über seine Zukunft, über seinen Wert, darüber, ob er dem FC Bayern überhaupt noch helfen kann. Es gibt dann viele Zweifler, die Bayerns Erfolgsserie als Stütze für ihre Argumentation nehmen, dass man ja eigentlich auch ohne ihn könnte.

Bis eben Schweinsteiger zurückkommt, auf dem Platz steht und mit guten Leistungen alle Zweifler wieder verstummen lässt.

Schweinsteiger ist Wiederholungstäter, er kennt die Abläufe sehr genau, war die Geschichte mit der Patellasehne im Sommer doch nicht die erste Verletzung, die ihn länger zuschauen ließ. Aber Schweinsteiger ist entspannter geworden, wie auch die Beobachtungen in Doha bestätigen.

Schweinsteiger, die Spaß-Kanone

Er geht vorneweg, absolviert das volle Pensum, haucht der Mannschaft aber mit einer gehörigen Portion Spaß auch viel Leben ein. Hier ein Rugby-Kampf mit Manuel Neuer und Thomas Müller, da Fußball-Tennis mit den jungen Spielern. Schweinsteiger ist für jeden Spaß zu haben.

"Man sieht, dass der regelrecht vor Eifer sprüht", beobachtet auch Sportvorstand Matthias Sammer bei Schweinsteiger. Dieser freut sich, dass die Patellasehne nicht mehr schmerzt und damit nicht mehr im Weg steht: "Es hat gut getan, schon zum Ende der Hinrunde wieder mit dabei zu sein und gegen Mainz auch mal 90 Minuten zu spielen."

Wie viele 90-Minuten-Einsätze es in der Rückrunde werden, hängt aber wohl nicht nur von der Gesundheit ab. Schweinsteiger ist Stammspieler aus Selbstverständnis, aber er hat auf der zentralen Position auch genügend Konkurrenten, die ebenfalls mit der Selbstverständnis leben, keine Rotationsmasse zu sein, sondern immer zu spielen.

Konkurrenz mit Xabi Alonso

Xabi Alonso zum Beispiel, der trotz Schweinsteigers Vielseitigkeit als der Konkurrent gilt. "Beide sind Weltstars, beide sind Weltmeister und haben die Champions League gewonnen", sagt Sammer über den Status beider Größen, um ja auch keine Gewichtung aufkommen zu lassen.

Aber Alonso, so scheint es, wird unter Guardiola immer spielen. Der FC Bayern habe sein Spiel verbessert nach der Ankunft des Spaniers, sagte Pep bei seiner ersten Pressekonferenz in Doha. Auch Arjen Robben lobt Alonso, dass noch so jeder weite Pass punktgenau ankomme. Besonders spannend wird die Situation beim FC Bayern, wenn im Frühjahr Philipp Lahm, Thiago Alcantara und Javi Martinez zurückkommen, die Pep ebenfalls sehr schätzt und gerne immer einsetzen würde.

Aber er schätzt eben auch Schweinsteiger: "Er hat zum Ende der Rückrunde super gespielt und ich bin mir sicher, dass wir in der Rückrunde einen guten Schweinsteiger sehen werden."

Was wird aus dem Vertrag?

Die Leistung in der Rückrunde wird die bevorstehenden Vertragsgespräche mit dem FC Bayern nicht entscheidend beeinflussen, dafür hat der Ur-Bayer Schweinsteiger einfach zu viel Kredit, dass er um einen neuen Vertrag, der aktuell noch bis 2016 läuft, kämpfen müsste. Dass er im Sommer abgegeben wird, um noch einmal Ablöse zu kassieren, ist daher genauso abwegig.

"Drei, vier Jahre kann ich sicher noch auf diesem Niveau spielen", sagt Schweinsteiger. Idealerweise beim FC Bayern - oder doch woanders? Die Chefs halten sich in Sachen Vertrag bedeckt: "Über seine persönliche Vertragssituation reden wir nicht in der Öffentlichkeit", sagt Sammer trocken.

Auch Schweinsteiger gibt sich entspannt: "Es gibt keine Eile. Da bin ich ganz entspannt. Ich konzentriere mich auf den Fußball, habe keinen Zeitdruck. Der Vertrag geht ja noch anderthalb Jahre."

Nicht unwahrscheinlich, dass die Bayern und Schweinsteiger in den nächsten Monaten Vollzug melden und die Zusammenarbeit fortsetzen. Muftah und Sharif würden sich sehr freuen.

Der FC Bayern im Steckbrief

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