Gefangene der Angst

Von Stefan Rommel
Dienstag, 19.02.2013 | 19:14 Uhr
1899 Hoffenheim steckt mit nur 16 Punkten aus 22 Spielen mitten im Abstiegskampf
© Getty
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Aus dem einstigen Vorzeigeprojekt 1899 Hoffenheim ist ein Abstiegskandidat mit vielschichtigen Problemen auf allen Ebenen geworden. Wie konnte es so weit kommen?

Worin der Fehler genau besteht, das weiß heute niemand mehr. Oder müsste man vielleicht besser sagen: Die Fehler? Das Bild vom gefallenen Engel 1899 Hoffenheim ist schon ausgiebig gezeichnet worden.

Von einem Verein, der auszog, um schnell ganz nach oben zu kommen. Mit wahrlich hehren Zielen, einer Vision und dem nötigen Kleingeld in der Hinterhand.

Jede Menge Durcheinander

Das war vor einigen Jahren. Von den drei Säulen ist heute noch eine halbe geblieben. Ein sehr ordentlicher finanzieller Spielraum wird Hoffenheim auch in diesen tristen Tagen noch zuteil. Im Winter investierte der Klubs nochmals in sechs gestandene Spieler und gab dafür rund elf Millionen Euro aus. Kein anderer Bundesligist war auch nur annähernd so aktiv auf dem Transfermarkt.

Insgesamt beläuft sich das Ausgabenvolumen für Spielerkäufe in dieser Saison auf knapp 25 Millionen Euro, wobei sich die Transferbilanz mit rund fünf Millionen Euro Minus noch im Rahmen bewegt. In Hoffenheim sind es aber längst nicht mehr die Zahlen, die bewegen. Es geht um Inhalte, Ideen, Konzeptionen - all das war hier einmal zu Hause. Momentan herrscht viel Durcheinander.

Die TSG hat in dieser Saison schon beinahe alles geliefert, was zum Beinamen Skandalnudel gereichen würde. Dazu kam der tragische Unfall von Boris Vukcevic, der den Klub bis heute nachhaltig beschäftigt. Das sind teilweise unverschuldete, größtenteils aber selbstgemachte Probleme.

Behält Hopp die Lust?

Da ist mit Dietmar Hopp ein Mäzen im Hintergrund, der den ganz großen Geldfluss gestoppt hat und ab und an ernsthafte Zweifel hegt ob der Sinnhaftigkeit seines Schaffens. "Es gab immer wieder kurze Momente, in denen ich dachte: Wahrscheinlich war es ein Fehler, dass ich das mit auf den Weg gebracht habe. Damit meine ich das Profigeschäft - und nicht meine Investitionen in den schon vielfach ausgezeichneten Jugendbereich", hat er im Herbst in einem "Zeit"-Interview erzählt.

Hopp hatte einst diese Vision und setzte sie in die Tat um. Nicht nur alleine dank seiner Finanzkraft. Sondern dank schlauer Entscheidungen, etwa jener, einst Ralf Rangnick aus der Bundesliga in die damalige Regionalliga Süd zu holen und ihm freie Entscheidungsgewalt zu gewähren.

Er hat sich ihrer selbst beraubt, als er mit Rangnick in einer überstürzten Aktion vor gut zwei Jahren brach. Der vielleicht größte Fehler Hopps. Im Laufe der Zeit hat er sich wie angekündigt immer weiter zurückgezogen, öffentliche Äußerungen von ihm sind rar. Inwieweit ein möglicher Abstieg sein zukünftiges Engagement beeinflussen könnte, ist eine der entscheidenden Fragen derzeit.

Kurz: Fortschritt und Rückschritt

Da ist in Marco Kurz der vierte Trainer in den letzten zwei Jahren; Interimslösung Frank Kramer nicht mit eingerechnet. Waren seine Vor-Vorgänger Marco Pezzaiouli (11.) und Holger Stanislawski (8.) bei ihrer jeweiligen Entlassung noch im gesicherten Mittelfeld platziert, hat sich Kurz nach vier Punkten aus fünf Spielen dem Trend Markus Babbels angepasst, der die Mannschaft im Dezember auf Tabellenplatz 16 übergeben hatte.

Kurz ist bis jetzt strikt nach Handbuch verfahren, hat seit seinem Amtsantritt das universelle Rettungskit für Abstiegskandidaten benutzt: Zuerst die Defensive stärken, der Rest kommt dann später irgendwann. Momentan sieht es danach aber nicht aus.

Zwar hat Kurz die Rückwärtsbewegung der Mannschaft ein wenig stabilisiert. Der Flut an Gegentoren in der Hinrunde sind seit seinem Arbeitsbeginn "nur" noch zehn weitere in fünf Spielen gefolgt. Auf der anderen Seite hat Hoffenheim im selben Zeitraum aber auch nur vier Tore erzielt. Am Wochenende gegen den VfB Stuttgart, mit der Empfehlung von fünf Niederlagen in Folge nach Sinsheim gereist, hatte Hoffenheim eine klar herausgespielte Torchance in 90 Minuten.

Kurz verwaltet bisher die Tendenz der letzten Jahre, dass sich in Hoffenheim nach Spielern wie Demba Ba, Carlos Eduardo oder Luiz Gustavo niemand mehr entscheidend weiterentwickelt hat. Die Mittel heiligen derzeit den Zweck.

Ein Kader ohne Leitgedanke

Da ist in Andreas Müller ein Manager, der seit seinem Amtsantritt im September sukzessive den Druck erhöht und dafür auch mal recht markige Worte findet, der aber der konfusen Zusammenstellung des Kaders bisher nicht entscheidet entgegenwirkt. 35 Spieler listet die Profiabteilung, da kann selbst der dafür gerne kritisierte VfL Wolfsburg nicht mehr mithalten.

Im Kader tummeln sich viele Spieler einer großen deutschen Spielervermittleragentur, im Moment gehören sechs Akteure der Agentur "Rogon" an. Deren Boss Roger Wittmann hat früher schon in Mannheim, Kaiserslautern und beim FC Schalke jeweils gleichzeitig eine ganze Reihe von Spielern untergebracht. Auch zu Zeiten, in denen Müller auf Schalke noch das Sagen hatte.

"Da weiß man ja eigentlich schon, dass da irgendwas verkehrt läuft", sagte Carsten Ramelow, früher Profi bei Bayer Leverkusen und Nationalspieler, heute Vizepräsident der Spielergewerkschaft VdV, schon im letzten Herbst.

"Schwierig zu arbeiten"

Auch Ernst Tanner, der ehemalige Manager, sieht in der Konstellation ein großes Problem für den Klub. "In Hoffenheim ist es schwierig zu arbeiten, wenn man ständig von Kräften aus dem Hintergrund - vornehmlich Berater, die ihre Interessen vertreten und nicht die des Klubs - Knüppel zwischen die Beine geworfen kriegt."

Das alles kann ein Zufall sein oder aber Tanner schlicht ein enttäuschter Ex-Mitarbeiter. Für Betrachter der Szene haftet der gesamten Komposition aber ein Gschmäckle an. Reiner Klatsch und Tratsch ist es schon lange nicht mehr.

Dass Müller auch den Schutt seiner Vorgänger wegräumen muss, ist nicht von der Hand zu weisen. Alleine die Idee, dem Trainer Babbel auch noch die Geschicke des Vereins in einer Doppelfunktion als Trainer-Manager in die Hand zu legen, war verwerflich genug.

Wo ist der Teamgedanke?

Da ist eine Mannschaft, die weder ausgewogen zusammengebaut ist, noch mit einer klaren Idee Fußball spielt. Und die schon gar nicht auf die Komponente einer verschworenen Gemeinschaft zurückgreifen kann. Hoffenheim hat eine starke Jugendausbildung, das Nachwuchsleistungszentrum hat trotz der großen Konkurrenz aus Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg eine enorme Anziehungskraft auf junge Spieler.

Es war eine der entscheidenden Säulen Hopps, der in ganz frühen Tagen nur Spieler aus der Region unter Vertrag haben wollte, diese These aber im Laufe der Zeit immer weiter aufweichte und stattdessen die Ausbildung eigener Talente einforderte. Die Durchlässigkeit Hoffenheimer Jugendspieler in den Profibereich ist aber bis heute - trotz einiger Erfolge im Jugendbereich - quasi nicht gegeben.

Spätestens seit dem Stuttgart-Spiel ist in Hoffenheim Schadensbegrenzung angesagt. Ein Abstieg in die 2. Liga trifft jeden Verein der Bundesliga hart. In Hoffenheim könnte es der Anfang vom Ende aller Illusionen sein. Niemand weiß, wie lange Hopp sich das lethargische Treiben noch anschauen mag. Und selbst wenn der Klassenerhalt gelingt: Wie geht es dann weiter? Wann wird der Reset-Knopf gedrückt, ein sauberer Schnitt gemacht?

Müller erhöht den Druck

Es geht die Angst um im kleinsten Standort der Bundesliga. Und sie lähmt die Verantwortlichen spürbar. Der Ton wird dafür rauer, auch für den Coach. "Wenn man diese Leistung sieht (gegen Stuttgart, Anm. d. Red.), kann man nicht zufrieden sein. Das war unterirdisch, nicht zu erklären. Ein, zwei Spieler hatten Normalform, der Rest nicht. Ich bin sehr sauer. Wir müssen uns hinterfragen, wie es demnächst weitergeht", zürnte Manager Müller. "Es ist der Job des Trainers, die Mannschaft so vorzubereiten, dass wir in Augsburg ein anderes Gesicht zeigen."

Beim FCA kommt es am Samstag zum heimlichen Spiel des Spieltags. Platz 15 ist für die drei da unten in sehr weite Ferne gerückt, also machen Greuther Fürth, der FC Augsburg und Hoffenheim die beiden fixen Absteiger wohl nur noch untereinander aus. "Auf Platz 15 sollten wir uns nicht mehr konzentrieren", sagt Kurz.

Nur ein Sieg aus den letzten zwölf Spielen ist als Faktum schon bemerkenswert. Die Art und Weise, wie sich Hoffenheim bei einigen Niederlagen aber präsentierte, sollte fast noch mehr Grund zur Besorgnis liefern. "Im Prinzip gibt es gar nichts mehr zu reden. Jetzt muss auch was von der Mannschaft kommen. Wir haben noch Hoffnung. Aber die Frage lautet: Kann die Mannschaft den Schalter umlegen? Das muss die Truppe selbst beantworten", fordert Müller.

Gegenbeispiel FC Augsburg

Anschauungsunterricht für Krisenzeiten liefert immerhin der kommende Gegner. Augsburg hat gewiss ganz andere Rahmenbedingungen als Hoffenheim und in der Hinrunde genug Fehler gemacht. Aber in der Fuggerstadt bricht deswegen nicht das Chaos aus. Im Gegenteil.

Beim FCA wissen sie um ihre Probleme, etwa dem, dass die individuelle Qualität der Spieler mit der anderer Klubs aus dem unteren Tabellensegment wie Wolfsburg oder Hoffenheim nicht zu vergleichen ist. Dort wird aber fast durchgängig leise an den Schrauben gedreht und wenn Trainer Markus Weinzierl auch mal öffentlich laut wird, dann nicht bloß der Effekthascherei wegen.

Das alles ist natürlich keine Garantie für den Klassenerhalt. Alles zusammengenommen hat Augsburg im Moment aber mindestens dieselben Chancen wie Hoffenheim, doch noch den Relegationsplatz zu erreichen. Paradoxerweise war der FCA einst ein Hoffenheim in klein.

Überdurchschnittlich alimentiert von Walther Seinsch, kletterte der FCA aus der Bayernliga bis empor in die Bundesliga. Nur haben die Schwaben den Abnabelungsprozess vom einstigen Mäzen sauber realisiert und sind vor allen Dingen über ein Jahrzehnt stetig organisch gewachsen. Hoffenheim dagegen hat sofort volle Fahrt aufgenommen und steuert jetzt mit Karacho auf die Wand zu.

Für Ralf Rangnick, den Baumeister der erfolgreichen Tage in Hoffenheim, käme ein Abstieg dem GAU gleich. "Es geht nur noch darum, den Relegationsplatz zu sichern. Dies ist in der derzeitigen Situation jedoch nicht selbstverständlich. Momentan muss man tatsächlich befürchten, dass es in die zweite Liga geht, was für die gesamte Entwicklung des Projektes ein Desaster wäre."

Wobei Rangnicks Formulierung zu kurz gegriffen ist. Es geht um weit mehr als den Erhalt eines mittelfristig angelegten Projekts, das sich nicht nur Freunde gemacht hat. Es geht um die TSG Hoffenheim als Klub. Wie zum Hohn gastiert Hoffenheim am letzten Spieltag übrigens bei Borussia Dortmund. Dem Verein von Hans-Joachim Watzke, einem glühenden Verfechter von Bundesligisten mit langer Erstliga-Tradition...

Das ist die TSG 1899 Hoffenheim

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