Wochen der Wahrheit bei 1899

Hoffenheim: Nitro und Glycerin

Von Haruka Gruber
Montag, 06.02.2012 | 23:10 Uhr
Tanner und Stanislawski liegen mit 1899 im Mittelfeld - und müssen dennoch zittern
© Imago
Advertisement
UEFA Europa League
Live
Sturm Graz -
Fenerbahce
Copa Sudamericana
Arsenal -
Recife
Copa do Brasil
Paranaense -
Gremio
First Division A
Antwerpen -
Anderlecht
J1 League
Gamba Osaka -
Cerezo Osaka
J1 League
Kobe -
Omiya
International Champions Cup
Chelsea -
Inter Mailand
Emirates Cup
RB Leipzig -
Sevilla
Club Friendlies
SV Werder Bremen -
West Ham
Premier League
Kamjanske -
Schachtjor Donezk
Emirates Cup
Arsenal -
Benfica
First Division A
Lokeren -
Brügge
Super Liga
Partizan -
Javor
1. HNL
Rijeka -
Istra
Super Cup
Monaco -
PSG
Serie A
Palmeiras -
Avai
International Champions Cup
Man City -
Tottenham
International Champions Cup
Real Madrid -
Barcelona
CSL
Shandong Luneng -
Shanghai SIPG
Emirates Cup
RB Leipzig -
Benfica
Emirates Cup
Arsenal -
Sevilla
First Division A
St. Truiden -
Gent
Superliga
Brondby -
Lyngby
Super Liga
Rad -
Roter Stern
Serie A
Corinthians -
Flamengo
International Champions Cup
AS Rom -
Juventus
Club Friendlies
Bayer 04 Leverkusen -
Lazio Rom
Serie A
Gremio -
Santos
Premier League
Spartak Moskau -
Krasnodar
Ligue 2
Auxerre -
Lens
Club Friendlies
St. Pauli -
Stoke
Copa Sudamericana
Libertad -
Huracan
Club Friendlies
Villarreal -
Real Saragossa
UEFA Champions League
Basaksehir -
Brügge
Copa Sudamericana
LDU Quito -
Club Bolívar
Serie A
Santos -
Flamengo
Copa Sudamericana
Olimpia -
Nacional
Copa Sudamericana
Atletico Junior -
Deportivo Cali
Ligue 2
Lens -
Nimes
First Division A
Lüttich -
Genk
Ligue 1
Monaco -
Toulouse
Championship
Sunderland -
Derby
J1 League
Kashiwa -
Kobe
Premiership
Celtic -
Hearts
Club Friendlies
Crystal Palace -
FC Schalke 04
Championship
Fulham -
Norwich
Club Friendlies
RB Leipzig -
Stoke
Ligue 1
PSG -
Amiens
Club Friendlies
Liverpool -
Bilbao
Club Friendlies
Tottenham -
Juventus
Championship
Aston Villa -
Hull
Ligue 1
Lyon -
Straßburg
Ligue 1
Metz -
Guingamp
Ligue 1
Montpellier -
Caen
Ligue 1
St. Etienne -
Nizza
Ligue 1
Troyes -
Rennes
CSL
Shanghai SIPG -
Tianjin Quanjian
First Division A
Gent -
Antwerpen
Ligue 1
Lille -
Nantes
Allsvenskan
Sundsvall -
Östersunds
Club Friendlies
SC Freiburg -
Turin
Ligue 1
Angers -
Bordeaux
Club Friendlies
Brighton -
Atletico Madrid
Championship
Bolton -
Leeds
First Division A
Anderlecht -
Oostende
1. HNL
Dinamo Zagreb -
Hajduk
Club Friendlies
Inter Mailand -
Villarreal
Copa Libertadores
River Plate -
Guarani
J1 League
Shimizu -
Osaka
J1 League
Kobe -
Kashima
League Cup
Colchester -
Aston Villa
Copa Libertadores
Gremio -
Godoy Cruz
Club Friendlies
Sevilla -
AS Rom

Explosionsgefahr: Die Krise von 1899 Hoffenheim ist auch eine Krise des Führungszirkels. Trainer Holger Stanislawski, Manager Ernst Tanner und Mäzen Dietmar Hopp widersprechen sich in den wichtigen Fragen und lassen irritierte Fans zurück. Hat die Konstellation eine Zukunft? Nach nur einem Sieg aus zehn Spielen regiert die Angst vor dem Absturz.

Die Rolle von Trainer Holger Stanislawski

Bereits vor seinem ersten Arbeitstag im Sommer 2011 hatte sich Holger Stanislawski mit Aufgaben beladen, die weit über die üblichen Verantwortlichkeiten eines Bundesliga-Trainers hinausgehen. Der Anspruch von Mäzen Dietmar Hopp für diese Saison lautete: Siege seien entscheidend, doch ähnlich wichtig wäre es, dass die Mannschaft den Erfolg mit einer attraktiven Spielweise erreicht, weil nur auf diese Weise der Verein an Akzeptanz gewinnen würde. Ein Ansinnen, das Stanislawski mit ähnlich ehrgeizigen Aussagen stützte.

Er wolle Hoffenheim im einstelligen Tabellenbereich halten und gleichzeitig mit der Abgabe von gut verdienenden Leistungsträgern Kosten sparen. Sportlicher Ersatz solle aus der eigenen Jugend/U 23 kommen. Deswegen war es ein Hauptanliegen, den schwierigen Übergang in den Profibereich zu erleichtern.

"Hoffenheim braucht eine neue Identität", sagte Hopp in der Hoffnung, dass der Verein durch das Wirken des charmanten Stanislawski sympathischer wahrgenommen wird und Zuschauer mobilisiert werden.

Nur: Die Überzeugungskraft, mit der Stanislawski seit jeher assoziiert wurde, ging in den letzten Wochen verloren. Und damit auch seine Authentizität - zumindest in der Öffentlichkeit.

Vor allem verwundet es, wie oft er seine Ansprache gegenüber der Mannschaft verändert. Zum Saisonstart kritisierte er über die Maßen sein Team, obwohl es wie erhofft erfolgreichen und attraktiven Fußball zeigte. Als Hoffenheim sich im ersten Tief wiederfand, nahm er die Spieler wiederum auffällig in Schutz, nur um später wieder deren Schwächen anzuprangern.

Die Rückrunde dient als Beleg. Das 1:3 in Dortmund bewertete er noch positiv ("Wir können erhobenen Hauptes vom Platz gehen"), nur um nach dem 2:2 gegen Augsburg mit der Mannschaft abzurechnen und sie zu verhöhnen: "Teilweise hatten wir ein Zweikampfverhalten wie im Amateurfußball in der untersten Klasse. Aber damit tue ich wahrscheinlich keinem Amateurspieler recht", sagte er. Oder: "Wir haben in allen Bereichen Defizite: Körpersprache, taktische Disziplin. Der ein oder andere ist gar nicht bereit, Dinge umzusetzen auf dem Platz, die wir unter der Woche trainieren, die wir seit Monaten vorgeben."

Erstaunliche Worte, bedenkt man, dass Stanislawski noch Ende November gegenseitigen Respekt einforderte. Nachdem Ryan Babel von Torwart Tom Starke kritisiert wurde ("Er könnte langsam anfangen, Punkte für uns zu holen"), musste dieser sich vor dem Trainer rechtfertigen. "Es geht nicht, dass einzelne Spieler andere öffentlich kritisieren", sagte Stanislawski.

Doch er selbst nutzt nun vermehrt die Strategie, in den Medien einzelne Spieler zu schwächen. Die Tore von Vedad Ibisevic, dem einzigen gefährlichen Stürmer der Saison, "hätten vielleicht auch andere reingemacht", sagte Stanislawski. Chinedu Obasi und Gylfi Sigurdsson, ebenfalls im Winter wegtransferiert, gab er zur Verabschiedung mit, dass "sie einfach keinen Bock mehr hatten".

Vor wenigen Wochen betonte Stanislawski noch, dass es im Team "keine arroganten Arsch­löcher" gebe und alles "gute Jungs" wären.

Dass Stanislawski Anfang Dezember den Stars mit der Bank gedroht hatte und dennoch der unter anderem angesprochene Babel seinen Stammplatz nicht verlor, passt zum unglücklichen Bild, das Hoffenheim und Stanislawski dieser Tage hinterlassen. Es fehlt die Stringenz - und das nicht nur in der Außendarstellung.

Stanislawski selbst vernimmt die zunehmend kritischere Berichterstattung und die abnehmende Zuschauerzahl mit Zynismus. "Draußen leiden einige unter Realitätsverlust", sagte er vor dem BVB-Spiel in einer zwölfminütigen Pressekonferenz, die von anwesenden Journalisten als "Brandrede" bezeichnet wurde. "Die Welt soll ja 2012 untergehen, aber hier scheint sie schon untergegangen. Als wären wir abgestiegen. Mir geht das Negative absolut gegen den Strich."

Und den Zuschauern gibt er mit, dass er sich mehr Unterstützung wünschen würde. Angesprochen sollten sich nicht nur die VIPs fühlen, deren vermeintliches Desinteresse er seit langem anmahnt, sondern auch die normalen Fans, die sich im Fall des Misserfolgs zu schnell abwenden würden: "Man muss aus Überzeugung für die Mannschaft zusammenstehen."

Angesichts der vielen "Baustellen", wie es Stanislawski formuliert, wirkt er nach über einem halben Jahr ob des Stillstands ernüchtert, wenn nicht sogar zermürbt. Im Anschluss an das Augsburg-Spiel dachte er laut über einen Rücktritt nach: "Da fängt man als Trainer an, sich Gedanken zu machen."

Teil 1: Die Rolle von Trainer Holger Stanislawski

Teil 2: Die Rolle von Manager Ernst Tanner

Teil 3: Die Rolle von Mäzen Dietmar Hopp

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung