Wochen der Wahrheit bei 1899

Hoffenheim: Nitro und Glycerin

Von Haruka Gruber
Montag, 06.02.2012 | 23:10 Uhr
Tanner und Stanislawski liegen mit 1899 im Mittelfeld - und müssen dennoch zittern
© Imago
Advertisement
Erlebe
deinen Sport
live
J1 League
Sa12:00
Kawasaki -
Kobe
CSL
Sa13:35
Jiangsu Suning -
Shanghai SIPG
Allsvenskan
Sa16:00
Malmö -
Eskilstuna
CSL
So13:35
Tianjin Quanjian -
Guangzhou Evergrande
Serie A
So21:00
Flamengo -
Sao Paulo
Serie A
Di01:00
Fluminense -
Chapecoense
J1 League
Mi12:00
Kawasaki -
Urawa
J1 League
Sa12:00
Vissel Kobe -
Vegalta Sendai
CSL
Sa13:35
Beijing Guoan -
Guangzhou Evergrande
Serie A
So00:00
Corinthians -
Ponte Preta
J1 League
So11:30
Urawa -
Nigata
CSL
So13:35
Tianjin -
Shandong
Serie A
So21:00
Cruzeiro -
Palmeiras
Serie A
Mo00:00
Santos -
Sao Paulo
Allsvenskan
Mo19:00
Göteborg -
Halmstad

Explosionsgefahr: Die Krise von 1899 Hoffenheim ist auch eine Krise des Führungszirkels. Trainer Holger Stanislawski, Manager Ernst Tanner und Mäzen Dietmar Hopp widersprechen sich in den wichtigen Fragen und lassen irritierte Fans zurück. Hat die Konstellation eine Zukunft? Nach nur einem Sieg aus zehn Spielen regiert die Angst vor dem Absturz.

Die Rolle von Trainer Holger Stanislawski

Bereits vor seinem ersten Arbeitstag im Sommer 2011 hatte sich Holger Stanislawski mit Aufgaben beladen, die weit über die üblichen Verantwortlichkeiten eines Bundesliga-Trainers hinausgehen. Der Anspruch von Mäzen Dietmar Hopp für diese Saison lautete: Siege seien entscheidend, doch ähnlich wichtig wäre es, dass die Mannschaft den Erfolg mit einer attraktiven Spielweise erreicht, weil nur auf diese Weise der Verein an Akzeptanz gewinnen würde. Ein Ansinnen, das Stanislawski mit ähnlich ehrgeizigen Aussagen stützte.

Er wolle Hoffenheim im einstelligen Tabellenbereich halten und gleichzeitig mit der Abgabe von gut verdienenden Leistungsträgern Kosten sparen. Sportlicher Ersatz solle aus der eigenen Jugend/U 23 kommen. Deswegen war es ein Hauptanliegen, den schwierigen Übergang in den Profibereich zu erleichtern.

"Hoffenheim braucht eine neue Identität", sagte Hopp in der Hoffnung, dass der Verein durch das Wirken des charmanten Stanislawski sympathischer wahrgenommen wird und Zuschauer mobilisiert werden.

Nur: Die Überzeugungskraft, mit der Stanislawski seit jeher assoziiert wurde, ging in den letzten Wochen verloren. Und damit auch seine Authentizität - zumindest in der Öffentlichkeit.

Vor allem verwundet es, wie oft er seine Ansprache gegenüber der Mannschaft verändert. Zum Saisonstart kritisierte er über die Maßen sein Team, obwohl es wie erhofft erfolgreichen und attraktiven Fußball zeigte. Als Hoffenheim sich im ersten Tief wiederfand, nahm er die Spieler wiederum auffällig in Schutz, nur um später wieder deren Schwächen anzuprangern.

Die Rückrunde dient als Beleg. Das 1:3 in Dortmund bewertete er noch positiv ("Wir können erhobenen Hauptes vom Platz gehen"), nur um nach dem 2:2 gegen Augsburg mit der Mannschaft abzurechnen und sie zu verhöhnen: "Teilweise hatten wir ein Zweikampfverhalten wie im Amateurfußball in der untersten Klasse. Aber damit tue ich wahrscheinlich keinem Amateurspieler recht", sagte er. Oder: "Wir haben in allen Bereichen Defizite: Körpersprache, taktische Disziplin. Der ein oder andere ist gar nicht bereit, Dinge umzusetzen auf dem Platz, die wir unter der Woche trainieren, die wir seit Monaten vorgeben."

Erstaunliche Worte, bedenkt man, dass Stanislawski noch Ende November gegenseitigen Respekt einforderte. Nachdem Ryan Babel von Torwart Tom Starke kritisiert wurde ("Er könnte langsam anfangen, Punkte für uns zu holen"), musste dieser sich vor dem Trainer rechtfertigen. "Es geht nicht, dass einzelne Spieler andere öffentlich kritisieren", sagte Stanislawski.

Doch er selbst nutzt nun vermehrt die Strategie, in den Medien einzelne Spieler zu schwächen. Die Tore von Vedad Ibisevic, dem einzigen gefährlichen Stürmer der Saison, "hätten vielleicht auch andere reingemacht", sagte Stanislawski. Chinedu Obasi und Gylfi Sigurdsson, ebenfalls im Winter wegtransferiert, gab er zur Verabschiedung mit, dass "sie einfach keinen Bock mehr hatten".

Vor wenigen Wochen betonte Stanislawski noch, dass es im Team "keine arroganten Arsch­löcher" gebe und alles "gute Jungs" wären.

Dass Stanislawski Anfang Dezember den Stars mit der Bank gedroht hatte und dennoch der unter anderem angesprochene Babel seinen Stammplatz nicht verlor, passt zum unglücklichen Bild, das Hoffenheim und Stanislawski dieser Tage hinterlassen. Es fehlt die Stringenz - und das nicht nur in der Außendarstellung.

Stanislawski selbst vernimmt die zunehmend kritischere Berichterstattung und die abnehmende Zuschauerzahl mit Zynismus. "Draußen leiden einige unter Realitätsverlust", sagte er vor dem BVB-Spiel in einer zwölfminütigen Pressekonferenz, die von anwesenden Journalisten als "Brandrede" bezeichnet wurde. "Die Welt soll ja 2012 untergehen, aber hier scheint sie schon untergegangen. Als wären wir abgestiegen. Mir geht das Negative absolut gegen den Strich."

Und den Zuschauern gibt er mit, dass er sich mehr Unterstützung wünschen würde. Angesprochen sollten sich nicht nur die VIPs fühlen, deren vermeintliches Desinteresse er seit langem anmahnt, sondern auch die normalen Fans, die sich im Fall des Misserfolgs zu schnell abwenden würden: "Man muss aus Überzeugung für die Mannschaft zusammenstehen."

Angesichts der vielen "Baustellen", wie es Stanislawski formuliert, wirkt er nach über einem halben Jahr ob des Stillstands ernüchtert, wenn nicht sogar zermürbt. Im Anschluss an das Augsburg-Spiel dachte er laut über einen Rücktritt nach: "Da fängt man als Trainer an, sich Gedanken zu machen."

Teil 1: Die Rolle von Trainer Holger Stanislawski

Teil 2: Die Rolle von Manager Ernst Tanner

Teil 3: Die Rolle von Mäzen Dietmar Hopp

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung