Gomez: "Keine Ahnung, wo ich in drei Jahren bin"

Von Interview: Florian Regelmann
Mittwoch, 12.11.2008 | 08:09 Uhr
Mario Gomez hat in dieser Bundesliga-Saison schon sechs Tore erzielt
© Imago
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Mario Gomez spricht im zweiten Teil des SPOX-Interviews unter anderem über seine Ausnahmestellung und Zukunft beim VfB Stuttgart. Außerdem erklärt er seine Sympathie für Uwe Bindewald und Cristiano Ronaldo.

SPOX: Lassen Sie uns ein bisschen über das Stürmer-Dasein philosophieren. Manchmal trifft mal alles, dann wieder eine Zeit lang nichts. Keiner hat so richtig eine Erklärung dafür. Haben Sie eine?

Gomez: Ehrlich gesagt: nein. Manchmal läuft es und manchmal irgendwie nicht. Das Wichtigste ist, dass man sich wohl fühlt. Und obwohl ich mich beim VfB und in der Nationalmannschaft gleich gut fühle, hat es für Deutschland zuletzt nicht richtig geklappt. Ich mache mir da aber keine großen Gedanken und belaste mich nicht damit, sonst würde ich auch im Verein nicht mehr treffen. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann treffe ich auch wieder im Nationalteam.

SPOX: Vor einiger Zeit war es chic, jetzt ist es fast normal, mit einem Mentaltrainer zu arbeiten. Wie stehen Sie dazu?

Gomez: Das ist sicherlich grundsätzlich nicht schlecht und einigen Spielern hilft es bestimmt. Ich brauche es aber nicht und habe es auch noch nie in Anspruch genommen.

SPOX: Als Stürmer muss man manchmal auch Egomane sein. Cristiano Ronaldo ist vielleicht das beste Beispiel dafür. Viele halten ihn für arrogant, Sie mögen ihn, oder?

Gomez: Das stimmt. Mir gefällt er. Er weiß, dass er gut ist und das ist ja nichts Verbotenes. Wenn die ganze Welt sagt, dass er der Beste ist, warum soll er etwas anderes sagen? Er ist sehr selbstbewusst, für mich ist das keine Arroganz. Wie er Fußball spielt, ist sensationell anzuschauen. Und dann kann er auch von mir aus jeden Tag ein Interview geben, in dem er sagt, dass er der Beste ist. Na und? Er macht ja auch viel dafür. Wenn man mit seinen Mitspielern spricht, sagen alle, dass er unheimlich hart und viel trainiert. Darüber wird nur nie gesprochen. Ich find's geil, wie er spielt.

SPOX: Ronaldo spielt teilweise wie von einem anderen Stern. Ein bisschen außerirdisch ist auch die Aufstellung in Ihrem persönlichen Dream-Team auf Ihrer Homepage. Auf der Bank sitzen bei Ihnen Raul, Messi, Kaka und...

Gomez: ...Uwe Bindewald! Eigentlich wollte ich ihn sogar in die erste Elf stellen.

SPOX: Warum denn das?

Gomez: (lacht) Mehr Respekt für Uwe Bindewald, bitte! Ich war als Kind Frankfurt-Fan, vor allem wegen Jay-Jay Okocha und Anthony Yeboah. Aber es hat mir auch immer imponiert, dass, wenn die beiden vorne die Bälle verloren haben, Bindewald sie hinten wieder ergrätscht hat. Er war immer ein bisschen Kult bei der Eintracht.

SPOX: Wer war denn der härteste Verteidiger, gegen den Sie bislang spielen mussten?

Gomez: Nemanja Vidic. Wir haben vor der EM gegen Serbien gespielt und vorher hatte ich mich mit Vidic eigentlich gar nicht groß beschäftigt. Ich habe mich vor dem Spiel gefragt, wie er es zu Manchester United geschafft hat. Dann kam das Spiel, und dann war mir schnell klar, wie er das schaffen konnte. Vidic ist schnell, spielt hart, aber auch intelligent. Und egal, was ich gemacht habe, er war schon da.

SPOX: Kommen wir zur Bundesliga. Man kann den VfB in dieser Saison sehr schwer einschätzen. Aktuell riecht es jetzt sehr nach Mittelmaß.

Gomez: Wir müssen schnellstens die Kurve kriegen und Konstanz rein bringen. Wir haben in dieser Saison noch nie zwei Spiele in Folge gewonnen. Das Gute ist, dass die Liga so eng ist, dass man mit einer kleinen Serie sofort wieder oben dabei ist. Aber dafür müssen wir endlich auswärts auch mal gewinnen. Bis jetzt ist das, was wir bringen, für unsere Ansprüche zu wenig. Ganz klar.

SPOX: Wenn der VfB Sie nicht hätte, stünde er noch viel schlechter da. Um es platt auszudrücken: Sie sind Stuttgart. Wie gehen Sie mit dieser Last um?

Gomez: Wenn ich nicht da wäre, würde der VfB ja nicht zu zehnt spielen, oder?

SPOX: Hoffentlich nicht!

Gomez: Vielleicht würde der Stürmer, der dann für mich spielt, sogar noch mehr Tore schießen. Das weiß man ja nicht.

SPOX: Doch, weiß man. Sie sind ja schon so was wie die schwäbische Lebensversicherung.

Gomez: Es ist ein gutes Umfeld für mich, ich schieße viele Tore und ich weiß auch um meinen Stellenwert. Natürlich fühle ich mich hier wohl. Aber was ich sagen will, ist, dass es zu einfach ist, es auf mich zu reduzieren. Bei vielen Toren wurde mir der Ball so gut aufgelegt, den hätte auch ein anderer Angreifer rein gemacht.

SPOX: Die Zukunft von Trainer Armin Veh ist momentan noch nicht geklärt. Was glauben Sie, was passiert?

Gomez: Ich glaube schon, dass er bleibt. Da bin ich mir sogar ziemlich sicher. Ich hatte im Sommer ein Gespräch mit ihm, und da hat er angedeutet, dass er noch einiges mit dem VfB vorhat. Das bedeutet für mich, dass er noch länger hier ist.

SPOX: Ihr Trainer hat kürzlich gesagt, dass der VfB investieren muss, wenn er in den nächsten Jahren oben mitspielen will. Pflichten Sie ihm bei?

Gomez: Ja und nein. Natürlich muss man investieren, aber unser Beispiel von vor zwei Jahren oder Hoffenheim in diesem Jahr zeigen, dass man nicht das große Geld ausgeben muss, um oben mitzuspielen. Wichtig ist, dass die Mannschaft intakt und dass jeder hungrig auf Erfolg ist. Dann ist es zweitrangig, wie teuer die Spieler sind.

Was kann der VfB erreichen? Jetzt mit dem Tabellenrechner durchrechnen!

SPOX: Hoffenheim macht es dem VfB zurzeit vor, wie es geht. Was sagen Sie zu dem Team, das auch dank einiger Ex-Stuttgarter so überragend auftritt?

Gomez: Ich freue mich vor allem für Andi Beck riesig, weil ich gut mit ihm befreundet bin. Wenn er für uns gespielt hat, hat er meiner Meinung nach immer gut gespielt. Aber er hatte es schwer und war nicht die absolute Nummer eins auf seiner Position. Der Wechsel nach Hoffenheim war deshalb perfekt für ihn.

SPOX: Wo sehen Sie sich in drei Jahren?

Gomez: (lacht) Netter Versuch. Keine Ahnung. Da kann so viel passieren, ich weiß es echt nicht. Ich hoffe, dass ich gesund bin. Fakt ist, dass ich einen Vertrag bis 2012 habe und das gilt für mich erstmal auch.

SPOX: Aber Sie haben doch sicher eine Präferenz. Lieber Spanien als England, lieber England als Bayern?

Gomez: Das weiß ich zurzeit auch noch nicht. Das ist auch völlig uninteressant im Moment.

SPOX: Aber Ihr Traumverein bleibt der FC Barcelona?

Gomez: Ich würde es anders ausdrücken: Ich bin Fan von Barca.

SPOX: Okay, akzeptiert. Letzte Frage: Was ist schöner als Fußball?

Gomez: (schmunzelt) Nicht sehr viel. Aber ein paar Dinge gibt es schon noch...

Hier geht es zurück zu Teil 1 des SPOX-Interviews mit Mario Gomez

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