Donnerstag, 14.08.2008

Sammer fordert

Stellenwert des Trainers verbessern

Hamburg - Matthias Sammer setzt sich für die Zunft der Fußball-Lehrer ein und fordert von den Bundesliga-Klubs mehr Geduld und Konstanz in der Trainerfrage.

dfb, sammer
© Getty

"Der Stellenwert des Trainers muss sich verbessern. Natürlich muss der Coach auch Toparbeit nach dem neuesten Entwicklungsstand abliefern, aber wenn er das tut, dann muss sich sein Stellenwert auch viel stärker in Konstanz ausdrücken", sagte der Sportdirektor des DFB der "Süddeutschen Zeitung" in einem Interview.

Seine Erkenntnisse fasste der 40 Jahre alte ehemalige Nationalspieler und Bundesliga-Coach von Borussia Dortmund so zusammen: "Wer mittel- oder langfristig arbeiten darf, der hat auch Erfolg."

"Trainer ist der wichtigste Mann"

Sammer zählt es "zu den vielen Versäumnissen des deutschen Fußballs" in den 90er Jahren, dass die Rolle des Trainers als entscheidende Figur nie definiert wurde.

Stattdessen gilt der für das Sportliche verantwortliche Coach in der Hierarchie der Klubs meist als das schwächste Glied einer Kette.

Dies sei grundverkehrt. "Der Trainer ist der wichtigste Mann, er muss das stärkste Glied in der Kette sein", betonte Sammer. "Und um den Trainer herum schafft man dann die Rahmenbedingungen. So muss es sein, nicht andersrum."

Sammer kritisiert Vereinsvorstände

Vor Beginn der 46. Bundesliga-Saison nannte es Sammer "unwürdig", wenn die Vereinsverantwortlichen mit Blick auf die kommende Spielzeit erst hohe Vorgaben machen und die Trainer dann bereits nach dem 4. Spieltag gefragt werden, ob sie das Saisonziel nach unten korrigieren müssen.

"In den Vorstandsetagen wird oft ein Druck erzeugt, der niemals haltbar ist. Wenn zehn Vereine in den UEFA-Cup wollen, dann ist jetzt schon klar, dass sechs oder sieben ihr Ziel verfehlen", verdeutlichte der Europameister von 1996 seinen Standpunkt.

Hohe Ziele aus Marketing-Gründen

Vereinsintern müsse es Ziele geben, und mittelfristige Ziele solle man auch ruhig öffentlich definieren, meinte der Funktionär. "Aber ich sehe die Gefahr, dass viele Klub-Verantwortliche kurzfristig hohe Ziele propagieren, weil sie im Umfeld Begeisterung entfachen und mehr Dauerkarten verkaufen wollen."

Er freue sich natürlich, wenn positiv über Fußball geredet werde, so Sammer weiter, "aber man darf nicht überziehen. Das gefährdet nur den Trainer."

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