Olympia-Streit

CAS entscheidet pro Bundesliga

SID
Mittwoch, 06.08.2008 | 13:09 Uhr
Olympia, Peking, Fußball, Bundesliga, IOC, Jacques Rogge, DFL, Diego, Werder Bremen, Klaus Allofs, Holger Hieronymus, DFB, Andreas Müller, Rafinha, Schalke 04
© Getty
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Bremen - Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die Rechte der Vereine gestärkt, dennoch dürfen sich die Brasilianer Diego (Werder Bremen) und Rafinha (Schalke 04) wahrscheinlich ihren Olympia-Traum erfüllen.

Nicht unerwartet entschied der CAS in Peking unter Vorsitz von Ephraim Barak (Israel) 24 Stunden vor dem Olympia-Auftaktspiel der Südamerikaner gegen Belgien in der Berufungsverhandlung gegen die Entscheidung der FIFA - und im Sinne der klagenden Bundesliga-Klubs.

Spieler unter 23 Jahren müssen von den Vereinen nicht für eine Olympia-Teilnahme freigestellt werden, weil sich keine Abstellungspflicht aus den FIFA-Statuten ergebe und auch kein entsprechendes Gewohnheitsrecht existiere.

Messi will bleiben

Auch der FC Barcelona darf sich als Sieger fühlen und könnte nun seinen Star Lionel Messi zurückfordern. Doch Argentiniens Star Sergio Batista ließ schon kurz nach dem Urteil verkünden, dass der Mittelfeldspieler in China bleiben werde: "Messi will das ganze olympische Turnier spielen. Das hat er mir fest zugesagt."

Werder und Schalke werden trotz ihres Erfolges vor dem CAS wohl auf eine aufwendige und zu diesem Zeitpunkt für die Klubs im Grunde wenig sinnvolle Rückholaktion ihrer Leistungsträger verzichten. 

"Würden wir ihn bei den Brasilianern noch raus reißen, hätte er zudem nicht den Kopf für uns frei", so Schalke-Manager Andreas Müller zu einer Rückhol-Aktion Rafinhas. 

Beide Klubs hatten dies zuletzt angedeutet. Die endgültige Entscheidung, ob sie die Profis vielleicht doch zurückbeordern, sowie entsprechende Stellungnahmen der Klubs stehen noch aus.

Ohrfeige für Blatter

Für die FIFA und insbesondere Präsident Joseph Blatter, der sich vehement für die Teilnahme der Profis eingesetzt hatte, ist das CAS-Urteil eine schallende Ohrfeige. Zudem profitieren nicht nur die drei klagenden Vereine, sondern alle Klubs weltweit.

"Die FIFA ist überrascht und enttäuscht über die Entscheidung, aber wir respektieren sie. Dennoch, ich appelliere an die Vereine: Lasst eure Spieler teilnehmen. Es wäre ein Akt der Solidarität in perfekter Übereinstimmung mit dem olympischen Geist. Zudem wäre es wunderbar für die Spieler, die Fans und für den Fußball insgesamt", sagte Blatter, der eine entsprechende Mitteilung an Bremen, Schalke und den mitklagenden FC Barcelona schickte, der um den Argentinier Lionel Messi kämpft.

Auch Hoffenheim und Hertha betroffen

Auch Hertha BSC oder 1899 Hoffenheim hatten wegen des psychologischen Drucks ihre Profis Gojko Kacar (Serbien) und Chinedu Obasi (Nigeria) abgestellt, könnten sie vor dem Bundesliga-Start nun theoretisch aber zurückholen. Doch das ist ebenso nicht zu erwarten.

"Ich finde es großartig, dass mir der Verein die Möglichkeit gibt, an Olympia teilzunehmen und sich die sehr komplizierte Situation damit entspannt", hatte Obasi nach der Freigabe aufgeatmet. Auch der Hamburger SV und Bayern München haben Profis abgestellt.

Der Berufung von Werder und Schalke gegen das von der FIFA vor einer Woche gesprochene Urteil wurde in vollem Umfang stattgegeben. Das Sportgericht folgte der Argumentation von Rechtsanwalt Theo Paeffgen, der die Bundesligisten in dem wegweisenden Rechtsstreit vertrat.

Zukunft des olympischen Fußball-Turniers fraglich

In letzter Konsequenz stellt die Entscheidung die Zukunft des olympischen Fußball-Turniers der Männer in der jetzigen Form komplett infrage. Profis über 23 Jahre (z.B. Ronaldinho) unterlagen schon bisher keiner Abstellungspflicht, die Klubs konnten sie allerdings freiwillig zu den Olympischen Spielen ziehen lassen.

Die Regelung mit den Spielern unter 23 war ein wachsweicher Kompromiss zwischen der FIFA und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), denn der mächtige Fußball-Verband wollte seinen eigenen Turnieren (Weltmeisterschaft/U 20-WM) mit einer völligen Öffnung keine Konkurrenz machen.

Beratung nach den Spielen

Die beiden größten Sport-Organisationen der Welt sind nun aufgefordert, mit einer Reform des Reglements künftig für Klarheit und Rechtssicherheit zu sorgen.

Klar ist: In der bisherigen Form wird das Olympia-Turnier künftig keinen Bestand mehr haben, weil die Vereine keine Streitigkeiten und Sanktionen mehr fürchten müssen, wenn sie die von ihnen bezahlten Profis nicht abstellen.

Den "Schwarzen Peter" haben vorerst die Spieler, die auf das "Goodwill" ihrer Klubs angewiesen wären. FIFA und IOC kündigten bereits am Mittwoch an, dass sie sich nach den Peking-Spielen treffen und beraten wollen.

Blatter trauert um olympischen Geist

Gleichwohl blieb die FIFA in ihrer Stellungnahme bei ihrer bisher vertreten Meinung. Das olympische Fußball-Turnier sei gerade für junge Spieler eine hervorragenden Chance, sich auf der internationalen Bühne zu präsentieren und Erfahrung zu sammeln.

Somit würden neben den Spielern auch die Nationalteams und letztlich auch die Klubs von einer Teilnahme profitieren, meinte Blatter: "Ich bedaure, dass der CAS den olympischen Geist bei der Entscheidung nicht berücksichtigt hat."

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