Sonntag, 11.05.2008

Bielefeld bangt weiter

420 Sekunden zwischen Himmel und Hölle

Bielefeld - Rüdiger Kauf und Jörg Böhme standen minutenlang bewegungslos im Mittelkreis, Andre Mijatovic musste von Trainer Michael Frontzeck hochgeholfen werden, andere Bielefelder lagen so apathisch auf dem Boden, als ob der siebte Bundesliga-Abstieg schon perfekt wäre.

Fußball, Bundesliga, Bielefeld
© DPA

Lächerliche 420 Sekunden fehlten den Arminia-Profis beim 2:2 (2:1) gegen Borussia Dortmund, um schon am 33. Spieltag das glückliche Ende einer verkorksten Fußball-Saison erleben zu dürfen.

Ein "Billard-Eigentor" von Keeper Rowen Fernandez, der einen Latten-Freistoß des Dortmunders Alexander Frei unglücklich mit dem Kopf ins Netz lenkte (83. Minute), machte die Hoffnung zunichte und bringt die Ostwestfalen am 17. Mai beim entthronten Meister VfB Stuttgart in eine Zwangslage.

Frust, Ärger, Resignation 

Die Reaktionen auf die Achterbahnfahrt waren Frust, Ärger, Resignation - und Trotz. "Matchball vergeben - das ist bitter. Aber wir werden's in Stuttgart versuchen. Wir wollen drinbleiben", sagte Arminia-Präsident Hans-Hermann Schwick. Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch konnte sich kaum fassen.

"Mann, Mann, Mann", fluchte er laut über das Fernandez-Unheil, das die Gastgeber nach der 2:1-Führung durch den ersten Treffer von Thorben Marx (das Tor im SPOX-Replay anschauen) im Arminia-Trikot (24./Foulelfmeter) und Artur Wichniareks Kopfball (34.) bei einem Gegentor durch Delron Buckley (28.) erleiden mussten.

Der frühere Bielefelder war im 58. Bundesliga-Einsatz für den BVB erstmals erfolgreich. "Wir können es immer noch aus eigener Kraft schaffen", spornte Kentsch die tief enttäuschten Spieler an.

"Die haben sich den Arsch wundgelaufen" 

"Das war ein fantastischer Freistoß von Frei. Aber danach kommt alles Unglück der Welt zusammen", schilderte Frontzeck die Situation, die seine Elf und die Arminia-Fans unter den 27.400 Zuschauern aus dem Fußball-Himmel stürzen ließ.

Der 44-Jährige muss nicht rechnen: Er und sein Team wissen, dass nur ein Sieg in Stuttgart die weitere Zugehörigkeit zur Beletage des deutschen Fußballs garantiert, sollte der 1. FC Nürnberg als einziger Konkurrent im Kampf gegen Platz 16 gleichzeitig den FC Schalke 04 bezwingen.

Bielefelds langjähriger Stammtorhüter Mathias Hain, der sein letztes Heimspiel auf der Ersatzbank ertragen musste, ist sich des guten Endes sicher: "Wir sind dran, meine Überzeugung ist schon sehr, sehr groß." Gleichzeitig litt er mit denen, die auf dem Rasen das Glück vergebens suchten: "Die haben sich den Arsch wundgelaufen und spielen nur 2:2."

Positive Einstellung bleibt 

In Stuttgart, wo Frontzeck mit dem VfB 1992 deutscher Meister war, gab es für die Arminia nur einmal (1982) einen Sieg, aber auch schon ein Ergebnis, das kein Deja-vu-Gefühl hervorrufen sollte: Am 34. Spieltag der Saison 1999/2000 holten die Ostwestfalen beim 3:3 einen Punkt, der VfB verpasste den UEFA-Cup, die Arminia stieg ab.

Das soll diesmal anders werden: "Wir halten den Kopf oben und sind weiter positiv eingestellt", schwor Bielefelds Manager Detlev Dammeier sich und die Seinen auf das Herzschlag-Finale ein, das die Dortmunder schon mit dem 3:2 gegen den VfB am vergangenen Dienstag verhinderten.

Für den viel kritisierten Trainer Thomas Doll war das 2:2 Balsam: "Wenn man sieht, dass wir acht wichtige Spieler überhaupt nicht dabei hatten, weiß man, welch große Moral wir mit zehn Mann bewiesen haben." Robert Kovac (78.) war mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen worden.


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