Die Probleme des Lehmann-Wechsels

Auf der Suche nach dem Sinn

Von Andreas Lehner
Montag, 07.01.2008 | 13:09 Uhr
Dortmund, BVB, Zorc, Doll, Watzke
© Imago
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München - Da saßen sie nun am vergangenen Freitag vor der versammelten Presse. Die Herren Doll, Watzke und Zorc. Alles wartete auf eine endgültige Entscheidung in der Causa Lehmann.

Doch außer einem "Wir sind vorsichtig optimistisch" (Watzke) war den Verantwortlichen nichts zu entlocken. Die Entscheidung werde aber in den nächsten Tagen fallen, erklärte der Umworbene in der "Bild am Sonntag".

Vor allem die Entscheidungsträger beim BVB glauben, dass sich beide Seiten in einer "Win-Win-Situation" (Watzke) befinden. Deshalb bekräftigte auch Sportdirektor Michael Zorc den tieferen Sinn des Transfers. "Von denen, die sich sportlich auskennen, sagt jeder, dass der Deal Sinn macht", meinte er in der "Bild".

Eine Frage des Geldes 

Doch der Wechsel zieht sich hin, angeblich wegen familiärer Probleme, wie Lehmann immer wieder beteuert. Aber wohl auch des Geldes wegen. Denn bei Arsenal verdient der deutsche Nationalkeeper 3,2 Millionen Euro netto im Jahr - das macht 1,6 Millionen im Halbjahr.

Eine für Dortmund geradezu astronomische Zahl. Er müsste dementsprechend auf viel Geld verzichten. Selbst mit der kolportierten Summe von einer Million Euro pro Halbjahr wäre er beim BVB mit Abstand Top-Verdiener. Die Frage, ob der Deal auch finanziell Sinn macht, muss da erlaubt sein.

Proteste der Fans 

Bei den Fans ist Lehmann ohnehin ein Zankapfel. Denn ein Teil der BVB-Anhänger kann ihm seine zehn Jahre bei Schalke 04 nicht verzeihen. Für sie bleibt er auf immer ein Königsblauer. Bereits bei seinem ersten Engagement von 1999 bis 2003 gab es Proteste.

Der Fanclub "Desperados" präsentiert auf seiner Homepage ein Bild aus dem Jahr 2003, das ein Spruchband im Dortmunder Fanblock mit der Aufschrift "Wir brauchen keinen Lehmann" zeigt. Darunter steht: "Heute, wie damals!" Auch beim Hallenturnier in Halle/Westfalen hing ein Banner "Feind bleibt Feind - Lehmann raus!" vorm Fanblock.
Die Fans begehren auf und die Verantwortlichen sollten hinhören. Denn die Anhänger wurden in den vergangenen Monaten alles andere als verwöhnt und machen ihrem Unmut auch schon mal lautstark in Form von Pfiffen oder Häme gegen die eigene Mannschaft Luft.

Das angespannte Verhältnis zwischen Team und Fans könnte sich weiter verschlechtern. Die Frage, ob der Deal auch fanpolitisch Sinn macht, muss da erlaubt sein.

Alternative in den eigenen Reihen

Der Name Lehmann kam in Dortmund erst mit der Verletzung von Stammkeeper Roman Weidenfeller ins Gespräch. Der 27-Jährige musste sich einer Schulter-OP unterziehen und sollte angeblich bis Mitte März ausfallen.

Wie SPOX erfuhr, verläuft die Heilung jedoch besser als zunächst angenommen. Geht es in diesem Tempo weiter, könnte Weidenfeller bereits Ende Februar spielen und würde ganze drei Bundesligapartien verpassen.

Diesen Zeitraum könnte auch Ersatzkeeper Marc Ziegler locker überbrücken, der in seinen drei Saisoneinsätzen starke Leistungen bot, alle Spiele gewann und kein Gegentor kassierte. "Ziegler hat bewiesen, dass man sich auf ihn zu hundert Prozent verlassen kann", sagte auch Trainer Thomas Doll dem "Kicker". Die Frage, ob der Deal auch sportlich Sinn macht, muss da erlaubt sein.

Rückkehr mit Gefahren

Auch Lehmann selbst muss sich Gedanken machen, ob ein Engagement bei einem Team mit der zweitschlechtesten Abwehr der Liga für ihn wirklich hilfreich ist. Obwohl ihm vom Bundestrainer versichert wurde, er könne auch ohne Stammplatz im Verein bei der EM 2008 im Tor stehen, will er Spielpraxis sammeln.

Sobald er aber wieder in der Bundesliga spielt, steht er im Fokus der Öffentlichkeit und in direkter Konkurrenz zu Robert Enke. Seine Auftritte werden Woche für Woche ganz genau beäugt und gnadenlos kritisiert. Eine Häufung von Unsicherheiten und Fehlern könnte auch ihm schaden. Mehr als der Platz auf der Bank bei Arsenal.

Der Hilfeschrei des BVB in Richtung Lehmann wirkt wie die Sehnsucht nach vergangen Zeiten. Es scheint, als wollten Watzke und Zorc mit aller Gewalt und gegen jede Vernunft wieder einen Star verpflichten, um so zumindest ein bißchen Glanz zurückzuholen. Der tiefere Sinn ist noch zu suchen.

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