"Bundesliga interessiert mich nicht mehr"

Von Thomas Gaber
Montag, 21.01.2008 | 15:10 Uhr
hitzfeld, ball
© Imago
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München - Jürgen Klinsmann tritt seinen Dienst beim FC Bayern erst im Juli an. Aber der neue Trainer ist jetzt schon allgegenwärtig.

Wer auch immer von Pressechef Markus Hörwick im Trainingslager in Marbella für die tägliche Pressekonferenz eingeteilt wurde, musste Fragen zum künftigen Coach beantworten - mit Ausnahme von Ottmar Hitzfeld.

Es hätte aber auch nichts gebracht, denn Hitzfeld hätte sich einen Kommentar wohl verkniffen oder allenfalls dünnhäutig reagiert. Wie bei der Frage eines Journalisten nach Sinn oder Unsinn der Bayern-Verantwortlichen über Jürgen Klopp als Hitzfeld-Nachfolger nachgedacht zu haben.

"Soll ich jetzt die Arbeit von Klopp bewerten?", stellte Hitzfeld genervt eine Gegenfrage.

 

Warten auf den Tag X

Der Coach macht sich keine Gedanken über die Zukunft des FC Bayern, was nach Saisonende in München abgeht, tangiert ihn nicht im Geringsten. "Ich denke nicht an das, was vom 1. Juli an ist", sagte Hitzfeld dem "Kicker". In vier Monaten ist Schluss für Hitzfeld bei Bayern und man gewinnt den Eindruck, dass er den Tag X herbeisehnt.

"Im Vergleich zu den vielen Jahren zuvor sind die verbleibenden vier Monate lediglich eine kleine Etappe. Das Ende ist absehbar, das macht alles einfacher", sagte Hitzfeld.

Der 59-Jährige ist das ständige Tohuwabohu rund um den FC Bayern leid, mit dem heutigen medialen Business kann Gentleman Hitzfeld nichts anfangen.

"Dieses aufgeregte Gerede, das ist ein Wahnsinn. Wenn Rummenigge was sagt, dann ist das zwei Monate Schlagzeile, früher war das nach einer Woche erledigt. Den Stellenwert habe ich mir erarbeitet, dass ich heute sagen kann: Die Bundesliga interessiert mich nicht mehr", stellt Hitzfeld klar.

Immenser Druck 

Seine Entscheidung, nie mehr als Vereinstrainer zu arbeiten, gilt mehr denn je. "Es geht um Lebensqualität. Am wichtigsten ist, rechtzeitig aufzuhören. Ich freue mich, dass ich die Kraft zu diesem Entschluss hatte", so Hitzfeld.

Doch bis es soweit ist, steht Hitzfeld täglich im Rampenlicht. Der Druck ist immens. "Hitzfeld weiß natürlich, dass für ihn nur der maximale Erfolg zählt", sagt Oliver Kahn. "Und bei jedem, der das gefährden wird, wird er sehr rigoros reagieren. Er wird sich nichts mehr gefallen lassen."

Kahn wird ihn dabei unterstützen. Auch für den Kapitän ist es die letzte Saison und sein Schicksal ist eng mit dem von Hitzfeld verknüpft. "Uns verbindet die gleiche Situation. Oliver ist sehr authentisch. Unsere Zusammenarbeit war immer sehr gut", sagt Hitzfeld. Das gegenseitige Vertrauen war nie größer, die gegenseitige Abhängigkeit jedoch ebenso wenig. Hitzfeld bewunderte in Marbella Kahns Einsatz: "Er hat wie immer Vollgas gegeben."

Hoeneß redet Hitzfeld stark 

Dies gilt laut Uli Hoeneß aber auch für Hitzfeld. "Ich habe festgestellt, dass er die Sache total ernst nimmt und nichts schleifen lässt. Er ist noch ein Quäntchen konzentrierter. Ich habe das aber auch nicht anders erwartet. Es ist nicht seine Masche, sich hängenzulassen. Sein Charakter lässt das nicht zu", sagte der Bayern-Manager.

Hoeneß wünscht sich einen versöhnlichen Abschied für seinen Freund Hitzfeld, verfolgt mit dem demonstrativen Schulterschluss aber auch andere Interessen. Unruhe soll in der Rückrunde um jeden Preis vermieden werden. "Es macht keinen Sinn, jetzt ständig über die nächste Saison zu reden, wenn wir nicht die nötigen Voraussetzungen schaffen", so Hoeneß.

Hitzfeld soll möglichst viele Titel holen, vor allem aber seinem Nachfolger eine intakte Mannschaft übergeben, damit Visionär Klinsmann seine Masterpläne gleich umsetzen kann.

Hitzfeld übernimmt Klinsis Philosophie 

Auch wenn sich Hitzfeld nicht um den FC Bayern 2008/09 schert, gehört es für ihn zum guten Stil, Klinsmann die Arbeit so einfach wie möglich zu machen. Er möchte sogar schon einmal Vorarbeit leisten. "Es ist mein Ziel, jeden einzelnen Spieler besser zu machen", sagte Hitzfeld in Marbella. Das entspricht exakt Klinsmanns Philosophie.

Viel Zeit bleibt Hitzfeld dafür nicht mehr. Er muss sich nichts mehr beweisen, aber eine letzte Saison ohne Titel würde einen Schatten auf sein Lebenswerk werfen.

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