Dienstag, 08.01.2008

Bundesliga im Jugendwahn

Rohdiamanten und neue Messis

München - Die Aussagen klangen schon fast wie Durchhalteparolen. Immer wieder predigten die Verantwortlichen der DFL, welch tolles Produkt die Bundesliga doch sei.

Fenin, Martin, Bundesliga, Talente, Kroos, Christantus, Breno
© Imago

Nach Spanien, England und Italien konnte man aber nur neidisch blicken. Spielen doch dort die großen Stars und diese, die es einmal werden wollen. Doch die WM im vergangenen Jahr scheint einiges verändert zu haben. Die Wahrnehmung des deutschen Fußballs ist positiver als zuvor.

"Der deutsche Fußball bewegt sich auf höchstem Level. Ich persönlich finde die Bundesliga sogar attraktiver als die Premier League, da in Deutschland taktisch besser gespielt wird als in England", meinte Silvano Martina, Berater von Juve-Torhüter Gianluigi Buffon und ManU-Verteidiger Nemanja Vidic, gegenüber SPOX.com und steht damit nicht allein da.

Fenin und Kenia die jüngsten Coups

Die Gerüchte um Transfers von Stars aus der Serie A nach Deutschland werden ebenfalls immer häufiger. Aber auch junge Spieler sehen bessere Chancen, sich in diesem Umfeld zu entwickeln und werden von der Attraktivität der Bundesliga angezogen.

Die jüngsten Coups der Bundesliga-Klubs waren die Wechsel von Martin Fenin (im Bild links) zu Eintracht Frankfurt und von Lewan Kenia zu Schalke 04. Der 20-jährige tschechische Nationalstürmer Fenin entschied sich gegen ein Angebot von Juventus Turin und unterschrieb einen Vertrag bis 2012 bei der Eintracht. 

Der erst 17 Jahre alte Georgier Kenia wird auf Schalke hingegen erstmal nur in der U 19 eingesetzt, bevor er an seinem 18. Geburtstag (18. Oktober 2008) einen Profivertrag bis 2012 erhält. Bis dahin soll er behutsam aufgebaut werden. "Das ist sehr, sehr sinnvoll", sagte sein Nationaltrainer Klaus Toppmöller im Gespräch mit SPOX.com: "So kann er erstmal die Sprache lernen, bevor er in der Bundesliga aufläuft."

Einer wie Messi

Für den Tag X verspricht der 56-Jährige bereits einiges: "Wenn er halbwegs auf dem Boden bleibt, wird er von dem Moment an, an dem er erstmals in der Schalker Arena aufläuft, nicht mehr wegzudenken sein. Ich sage, dass er ab dem ersten Spiel der Publikumsliebling sein wird."

Das "Riesenjuwel" ist im Mittelfeld zuhause, hat ein gutes Auge und ist laut Toppmöller ein Spielertyp wie Messi: "Vielleicht nicht ganz so extrem schnell, aber vom fußballerischen her auf jeden Fall eine Augenweide."

Auf Schalke hält man ebenfalls große Stücke auf ihn. "Er ist ein hochtalentierter Spieler und für sein Alter weit entwickelt", sagte Manager Andreas Müller. Der georgische Nationalspieler besitze eine schnelle Auffassungsgabe und "ist ein sehr wendiger, technisch versierter und schneller Spieler".

Die besten ihres Jahrgangs

Mit Macauly Chrisantus hat sich der HSV eines der größten Stürmertalente des Globus' gesichert. Damit spielen mit Chrisantus und Toni Kroos vom FC Bayern die beiden besten Spieler der U-17-WM des vergangenen Jahres in der nächsten Saison in der Bundesliga.

Dazu kommt Bayerns neueste Verpflichtung Breno, der mit seinen 18 Jahren ebenfalls noch zu den Rohdiamten zählt. Die Münchner konnten im Transferstreit um den Innenverteidiger sogar Real Madrid ausstechen. Im SPOX.com-Interview bezeichnete Ex-Bayern-Stürmer Giovane Elber ihn als "absolute Granate".

Ebenfalls im Gespräch beim Rekordmeister soll auch immer noch Yassine Chikhaoui (21/FC Zürich) sein - der Tunesier wird schon als Nachfolger Zidanes gepriesen.

Positiver Effekt der WM 2006

Dabei wirft diese Entwicklung die Frage auf, warum sich Spieler dieser Kategorie für die Bundesliga und gegen Angebote von europäischen Top-Klubs wie Real Madrid, Chelsea London oder Juventus Turin entscheiden.

Auf den ersten Blick scheinen die Ligen in Spanien, England oder Italien attraktiver zu sein. Doch nicht zuletzt durch die WM 2006 erscheint der deutsche Fußball in einem neuen, besseren Licht.

Die Bundesliga überzeugt durch die ausgezeichnete Infrastruktur mit ihren neuen Stadien und dem großen Fanzuspruch. Der Zuschauerschnitt liegt deutlich über dem aller anderen europäischen Ligen. 

Sicher und preiswert

Italiener schauen neidisch in deutsche Arenen, in denen Familien mit Kindern sitzen und in den Kurven Ruhe herrscht, während in den heimischen Stadien die Gewalt die Oberhand gewonnen hat. Das beschäftigt auch die Spieler und wirkt sich positiv für Deutschland aus.

In England und Spanien haben die Ticketpreise astronomische Höhen erreicht, was einen Rückgang in den Zuschauerzahlen zur Folge hat. Die Stadien sind in vielen Fällen nur halbgefüllt. Auch das sieht in der Bundesliga anders aus.

Ein weiterer Grund für die Anziehungskraft der Bundesliga ist die finanzielle Sicherheit, die die Klubs den Spielern bieten. Im Gegensatz zu vielen anderen Ligen stehen die Vereine aufgrund des Lizenzierungsverfahrens auf finanziell sicheren Beinen und das Gehalt wandert pünktlich aufs Konto.

Auf einer Stufe mit Holland

Mit dem positiven Effekt und dem Glanz, den die Talente der Bundesliga verleihen, geht allerdings auch ein Bedeutungsverlust der Bundesliga einher. Früher war es der Anspruch Deutschlands, die besten Spieler der Welt in ihren Reihen zu haben. Heute kann man sich keine Top-Stars im besten Alter mehr leisten.

Die Klubs müssen sich früh um die Stars von Morgen bemühen, um überhaupt einmal einen Spieler dieser Klasse in ihren Reihen zu haben.

Dabei rutscht Deutschland auf eine Stufe mit Ländern wie Holland, Portugal oder Frankreich und wird damit zum Ausbildungsland, das Spieler für das höchste Niveau entwickeln soll.

Chance auf positive Entwicklung 

Der Druck in diesen Ligen ist geringer und die Chancen auf eine positive Entwicklung dadurch größer. "Ich habe Frankfurt bevorzugt, da ich regelmäßig spielen will und bei der EURO 2008 dabei sein möchte", erklärte auch Fenin.

Selbst die späteren Weltstars Romario und Ronaldo schlugen ihre Zelte zunächst in Eindhoven auf, bevor sie ihren Siegeszug durch Europa starteten. Ronaldinho gewöhnte sich an den europäischen Fußball bei Paris Saint-Germain, um dann beim FC Barcelona zum besten Spieler der Welt zu werden.

Wenn sich die Bundesliga nicht in den nächsten Jahren finanziell an die Top-Ligen angleicht, steht ihr Ähnliches ins Haus. Mit all seinen positiven wie negativen Aspekten.

Andreas Lehner

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