Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung

"Alles populistische Scheiße"

SID
Dienstag, 13.11.2007 | 12:33 Uhr
Uli Hoeness, Bayern, Bundesliga
© Getty
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München - Das riesige Vereinswappen im Hintergrund hatte kleinere Dellen und Manager Uli Hoeneß bekam einen Wutanfall der schlimmeren Sorte.

Aber die Welt beim Bayern München ist nach der Jahreshauptversammlung wieder in Ordnung: Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge beendete mit kuscheligen Worten seinen Streit mit Coach Ottmar Hitzfeld, die finanzielle Bilanz sprengte alle Rekorde, und sportlich soll es auch bald wieder aufwärts gehen.

"Ich verspreche Ihnen, dass wir unter dem Tannenbaum die Herbstmeisterschaft feiern werden", rief Rummenigge den 1105 anwesenden Mitgliedern zu - und erntete spontanen Beifall.

Kein Streit mit Hitzfeld 

Zuvor war der Bayern-Chef mit Trainer Hitzfeld auf Schmusekurs gegangen, anstelle des Übungsleiters nahm Rummenigge die Mannschaft in die Pflicht. Seine jüngste Kritik an Hitzfeld, den er wiederholt als "Freund" sowie als "sehr sympathischen und erfolgreich Trainer" bezeichnete, habe er alleine um des Erfolges willen geäußert: "Ich hatte nie Differenzen mit Ottmar Hitzfeld."

Der Trainer verfolgte die Worte seines Chefs ohne Regung, am Dienstag nahm Hitzfeld ebenfalls seine Profis in die Verantwortung. "Leider können wir alles erst aufarbeiten, wenn alle Spieler wieder nach ihren Länderspielen in München sind. Jeder muss aber wissen, dass es nicht mit nur 80 Prozent geht. Der Leichtsinn muss raus. Dann schaffen wir es, Herbstmeister zu werden", sagte er.

Auf der Suche nach Harmonie 

Rummenigge hatte es auf der Versammlung für nötig gehalten, dem von den Mitgliedern gefeierten Hitzfeld "symbolisch die Hand" zu reichen. Schon am Montagnachmittag hatten die Kontrahenten die Unstimmigkeiten in einem Gespräch ausgeräumt, am Abend gab sich Rummenigge dann im Festsaal der Paulaner-Brauerei auf dem Münchner Nockherberg alle Mühe, die neue Harmonie herauszustellen.

Dazu passten die beeindruckenden Zahlen, die Finanzchef Karl Hopfner präsentierte. Im Geschäftsjahr 2006/07 machten die Bayern 225,8 Millionen Euro Umsatz und 18,9 Millionen Euro Gewinn, das Eigenkapital wurde auf 175,9 Millionen Euro gesteigert - Rekorde allesamt. "Das sind Zahlen, von denen unsere Konkurrenten - nicht nur in der Bundesliga - nur träumen", sagte Rummenigge zufrieden.

Werden weitere teure Spieler holen 

Hopfner versprach auch für die laufende Saison Gewinne - trotz der Investitionen von 70 Millionen Euro in die Mannschaft. Den Kurs "Qualität vor Quantität" wolle der Klub auch in Zukunft steuern, sagte Rummenigge: "Wir werden nie finanzielle Abenteuer eingehen, aber weiterhin teure Spieler holen. Das kann ich unserer Konkurrenz - national wie international - versprechen."

Der Vorstandschef betonte zugleich, dass die Entwicklung der vergangenen Wochen mit drei Bundesligaspielen ohne Sieg "nicht ganz so positiv" sei. "Ich appelliere an alle unsere Spieler, die Zügel wieder anzuziehen, damit wir wieder in die Erfolgsspur finden. Wir haben eine Mannschaft, die Meister werden kann, eigentlich muss", sagte er: "Wir brauchen den Erfolg!"

Populistische Scheiße 

Den sehnt auch Hoeneß herbei, am Montagabend hatte der Manager aber andere Probleme. Verschiedene kritische Wortbeiträge zum Thema "Stimmung im Stadion" brachten ihn auf die Palme. "Das ist eine populistische Scheiße", brüllte er - und für wenige Minuten geriet das von Rummenigge mühsam aufgebaute Bild des "FC Harmonie" heftig ins Wanken.

"Es kann nicht sein, dass wir uns jahrelang den Arsch aufreißen und dann so kritisiert werden", polterte Hoeneß weiter. Rummenigge sprang Hoeneß zur Seite und nannte die Kritik der Fans "unverschämt", ehe Hoeneß noch einmal der Kragen platzte und gleich die ganze Republik für die negative Stimmung verantwortlich machte: "Wir sollen die Champions League gewinnen, aber kosten darf es nichts. Das ist das Problem in diesem Land."

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