Paddock Insight zum GP von Australien

Sex on the Beach, bitte!

Dienstag, 22.03.2016 | 14:00 Uhr
Daniel Ricciardo hatte bei seinem Heimrennen ein schönes Programm zu absolvieren
© getty
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Neuerung zur Formel-1-Saison 2016: SPOX präsentiert die irrsten, bewegendsten, tollsten Randgeschichten des GP-Wochenendes. In Australien dabei: Lewis Hamilton als Provokateur, Sebastian Vettel und die Vorliebe für Pizza und Cocktails, die Beach Boys von Renault und Red Bull, sowie ein Vorschlag für ein wirklich gutes Qualifying-Format

Sex on the Beach, bitte: Sebastian Vettel hat eine Vorliebe für Autos mit Namen. Eva hieß das Vorjahresauto, bei Red Bull waren es Kate, Kate's Dirty, Luscious Liz, Randy Mandy, Kinky Kylie, Hungry Heidi und Suzie. Der Name für den neuen SF16-H sorgte in Melbourne allerdings für Spott.

Mit "Margherita" will Vettel um die WM fahren - ein bisschen Prosciutto auf die Seitenkästen, ein paar Funghi in den Tank und die ganze Saison wird geschmackvoll. "Es ist nicht nach einer Pizza benannt", bemühte sich Vettel um Klarstellung.

Das rief Daniel Ricciardo auf den Plan, der die Namenswahl prompt logischer erklärte: "Das ist ein Cocktail!" Freuen wir uns also auf die nächsten Jahre. Unsere Favoriten für die Nachfolgerinnen der spröden Margherita: Redheaded Slut, Bloody Mary und ein weiterer Klassiker: Sex on the Beach.

Apropos Strand: Die Beach Boys hätten ihre Freude an der Formel 1: Sandburgen bauen ist für kleine Kinder, die Königsklasse des Motorsports geht lieber surfen. Daniel Ricciardo als Spaßvogel schlechthin schnallte im Vorfeld seines Heimrennens zwei Bretter aufs Kombidach und bretterte damit über den Sandown Raceway.

Denn Vogel schoss aber Renault ab. Die Franzosen stellten bei ihrer zweiten Design-Präsentation binnen zwei Monaten gleich ihr ganzes Auto auf ein Brett. Erst surften Jolyon Palmer und Kevin Magnussen mit ihrem Boliden virtuell auf dem Pazifik, dann wurde das Auto auf einer riesigen Planke auf die Bühne gerollt. Und die armen Fahrer mussten sich in Badehosen präsentieren.

Überhaupt: Traute sich in den Vorjahren kaum ein Team mehr, sein Auto die Öffentlichkeit zu einer realen Präsentation einzuladen, gab es dieses Jahr gleich drei. Das einzig Doofe daran: Red Bull zeigte einmal seine Lackierung, Renault zeigte zweimal die Lackierung. Neue Autos gab es nie zu sehen. Da waren die alten Zeiten mit den Spice Girls dann doch schöner.

Lewis hat Polizei, Sponsorenärger und Klavier: Zweiter Platz, Schadensbegrenzung. Der strahlende Sieger von Melbourne war ausgerechnet der härteste Konkurrent. Lewis Hamilton sorgte dafür abseits der Strecke für Aufregung. Vor dem GP-Wochenende beschwerte er sich erst über sein Hotel in Neuseeland, dann ermittelte die Polizei gegen ihn, weil er beim Motorradfahren Videos für Instagram drehte.

Die Ermittlung wurde eingestellt, doch in Australien wurde es nicht ruhiger. Zur Krönung verriet Blick-Reporter Roger Benoit auch noch Hamiltons Diva-Attitüde in seinem Nobelhotel. Der Brite verlangte, dass man ihm ein Klavier aufs Zimmer bringen soll, was die Verantwortlichen einen Tag lang fast zur Verzweiflung brachte. Dann klimperte Hamilton wohl einige selbstkomponierte Songs auf die Tasten: "Musik ist mein zweites Leben! Ich weiß ja nie, wie lange mir die Formel 1 noch Spaß macht!"

Und auch seinem Team macht der Weltmeister ordentlich Arbeit. "Ich muss Lewis an den Rennwochenenden ständig unwirsche Nachrichten schicken und ihn auffordern, statt seiner strahlend gelben Louis-Vuitton-Turnschuhe doch bitteschön die von Puma zu tragen", nannte die für Rechtsfragen zuständige Britin Caroline McGrory der AP ein Beispiel für Sponsorenbeschwerden. Gut, dass Hamilton sich gleich in Nike-Klamotten beim Fußballspielen präsentierte.

Romain macht den Mika: Die guten alten Formel-1-Zeiten...hat das neue Haas-Team mal eben aufblühen lassen. Die US-Amerikaner sind der erste Debütanten-Rennstall seit der Saison 2002, der beim ersten Rennen direkt den Sprung in die Punkte geschafft hat. Mercedes, Red Bull und Brawn zählen nicht, die wurden nur umgetauft.

Romain Grosjean äffte bei seiner Fahrt auf Platz 6 den Finnen Mika Salo nach. Der fuhr anno 2002 ebenfalls als Sechster durchs Ziel. Allerdings hatte er beim Debüt von Toyota weniger Konkurrenz. Genau acht Fahrer schafften damals ins Endergebnis. Alex Yoong scheiterte im Minardi als Siebter nur haarscharf an den Punkterängen. Ach ja: Die letzten Punkte für ein US-amerikanisches Team holte Alan Jones mit einem sechsten Platz für das mit dem neuen Rennstall in keinem Zusammenhang stehende Team Haas in der Saison 1986 in Monza.

Das Besondere am Grosjean-Erfolg: Er fuhr ohne einen einzigen Boxenstopp mit zwei verschiedenen Reifensätzen ins Ziel. Von Softs die Mediums wechselten die Haas-Mechaniker während das Rennen durch die Roten Flaggen unterbrochen war. Das ist wahrlich historisch und wird wohl nie wieder erreicht.

Wie geht dieses Qualifying? Die Idee, das Qualifying mit einer Shotclock durchzuführen und so die Spannung zu erhöhen, war ganz nett. Es hätte auch funktionieren können, wenn jeder Fahrer unendlich viele Reifensätze zur Verfügung hat. Durch die Beschränkung auf sieben Sätze für Quali und Rennen war das Vorhaben aber zum Scheitern verurteilt.

Peinlich war aber, wie die Teams sich vorbereitet hatten. Offenbar hatten einige die Regeln nicht gelesen. Mehrere Fahrer begannen ihren Versuch viel zu spät und verpassten eine Verbesserung, weil sie ihre Runde nicht mehr beenden konnten. Ein Armutszeugnis. Dass einige Kommentatoren im Fernsehen genauso planlos waren? Wir würden es gern verschweigen.

Am Sonntag beschlossen die Teams, wieder zum Altbewährten zurückzukehren. Das muss jetzt noch von Strategiegruppe, Formel-1-Kommission und Motorsportweltrat abgesegnet werden. Mal sehen, ob das klappt.

Die SPOX-Quali-Variante: Um ein bisschen mehr Abwechslung in die Startaufstellung zu bringen, läge übrigens eine einfache Variante auf der Hand: Jeder Fahrer müsste pro Qualifying-Abschnitt nur einen Versuch bekommen. Wie das funktionieren soll?

Wer bis zum Ende der Qualifikation dabei ist, fährt bisher für fünf Versuche auf die Strecke. Warum also nicht das Qualifying in fünf statt drei Teile aufsplitten und so Fahrfehler direkt bestrafen, ohne dass die Chance zur Verbesserung in einem zweiten Run besteht?

Fünfmal acht Minuten auf die Uhr, dann ist sogar für die Werbepausen der Fernsehsender genug Raum, auch wenn die Runden nach Ablauf der Uhr komplettiert werden können. Es gibt kein heilloses Chaos und trotzdem fast doppelt so viele Spannungsmomente.

Die Formel-1-WM 2016 im Überblick

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