Formel 1

Jungbullen-Triumph im Vettel-Schatten

Montag, 30.03.2015 | 17:22 Uhr
Sebastian Vettel belegt erstmals seit dem Spanien-GP 2014 die Spitzenposition im Driver-Ranking
© getty

Die Formel-1-Saison 2015 verspricht Spannung: Fünf Weltmeister, drei Deutsche, ein Haufen talentierter Neulinge. SPOX-Redakteur Alexander Maack bewertet nach jedem Grand Prix die fahrerischen Leistungen von Sebastian Vettel, Lewis Hamilton, Fernando Alonso und Co. und stellt sein persönliches Driver-Ranking auf. Teil 2: Der Malaysia-GP in Sepang.

Platz 1, Sebastian Vettel: Ganz ehrlich? Damit hätte ich nicht gerechnet. Dass Vettel und Ferrari in 2015 ein Rennen gewinnen würden, war nach der starken Vorstellung in Australien abzusehen. Dass es aber so früh klappt, daran trägt der vierfache Weltmeister einen gehörigen Anteil. Nicht nur seine hervorragende Leistung im Gewitter-Qualifying, als er die Pole Position um weniger als acht Hundertstel verpasste, sicherte ihm den Sieg. Zwar gab Mercedes an, die eigene Pace hätte nicht für einen Sieg gereicht, meiner Meinung nach ist dafür aber vor allem Vettel verantwortlich.

Er setzte die Strategie perfekt um, bei der Safety-Car-Phase einfach auf der Strecke zu bleiben. Aus Sebs Weltmeisterjahren wissen wir, dass seine herausragende Fähigkeit ist, das Auto in Führung liegend an dessen Grenzen zu bringen. In Sepang konnte er das nach einem Jahr mit einer einzigen Führungsrunde wieder einmal umsetzen. Ohne Mercedes' Strategiefehler hätte es diese Chance zwar nicht gegeben, ihm aber daraus einen Fehler zu attestieren, ist unmöglich.

Vettel fuhr bei seinem zweiten Rennen für Ferrari auf höchstmöglichem Niveau. Er wehrte Rosberg beim Start entschlossen ab, er brannte beim zweiten Stopp eine perfekte Inlap auf den Asphalt und kam knapp vor seinem Landsmann wieder aus der Boxengasse. In einem Auto, das eine halbe Sekunde langsamer ist als Klassenprimus Mercedes, ein Rennen zu gewinnen, setzt eine außergewöhnliche Leistung von Team und Fahrer voraus. Die zeigte Sebastian Vettel beim 222. Sieg für seine Scuderia in der Formel 1. Deshalb kann es aus meiner Sicht keinen anderen Tagessieger geben.

Platz 2, Lewis Hamilton: Einzig die Leistung des Weltmeisters reichte in Sepang an seinen Vorgänger heran. Hamilton sicherte sich die 40. Pole seiner Karriere, er startete perfekt in seinen 150. Grand Prix, er holte das Maximum aus dem Silberpfeil heraus. Doch es reichte nicht. Trifft ihn daran eine Schuld? Nein. Dass Mercedes schon darüber nachdenkt, seine Fahrer künftig mit verschiedenen Strategien ins Rennen zu schicken, zeigt das.

Hamilton verlor nach dem Reifenwechsel unter Gelb im Verkehr zehn Sekunden auf Vettel. Der höhere Reifenverschleiß des W06 kostete ihm schließlich endgültig den Sieg. Er musste nach dem frühen Stopp noch zweimal an die Box. Den nötigen frischen Medium-Slick für den letzten Stint hatte Mercedes aber in Q1 schon verbraucht. Es war im Nachhinein die erste falsche Entscheidung des Teams.

Was spricht also für den Engländer? Er ließ Rosberg abermals keine Chance. Selbst die durch Telemetrie- und Motorenprobleme stark verringerte Fahrzeit am Freitag änderte daran nichts. Hamilton ist weiterhin in Topform.

Platz 3, Max Verstappen: Der jüngste Formel-1-Fahrer aller Zeiten, der einen WM-Punkt geholt hat. Der in Belgien geborene Sohn des früheren Schumacher-Benetton-Kollegen Jos Verstappen wird seinen Vater binnen weniger Rennen vergessen machen. Er war der beste von vier Bullen in Rennen und Qualifying zum Malaysia-GP.

Es ist kein Zufall, dass Verstappen mit 17 Jahren derart auftrumpft, er verbrachte während seiner Pubertät mehr Zeit im Formelauto als in der Schule. Schon zu Kartzeiten glänzte er im Regen. "Ich habe gelächelt, als es angefangen hat", sagte er nach dem Qualifying: "Ich bin Holländer, ich bin es gewohnt, im Regen zu fahren." Wie er sein Können in der Formel 1 umsetzt, ist allerdings kaum zu glauben. Im Qualifying war die Bremse am linken Vorderrad fast kalt, trotzdem wurde er Sechster.

Ein weiteres Beispiel: Wie ein Routinier ließ er Ricciardo in der Haarnadel die Innenbahn offen, fuhr länger als nötig geradeaus und verlegte damit den Scheitel der Kurve für sich nach vorne. So konnte er den Australier ohne große Mühe ausbeschleunigen. Die Manöver gegen Daniil Kvyat, Valtteri Bottas und Felipe Massa im Williams und Teamkollege Carlos Sainz jr. auch im Detail zu beschreiben, würde das Driver-Ranking aus allen Nähten sprengen.

Platz 4, Carlos Sainz jr.: Man muss schon etwas genauer hinschauen, um zu erkennen, wie schnell der Spanier in Sepang fuhr. Die Reihenfolge in Q1: Hamilton, Rosberg, Vettel, Sainz - und zwar zeitgleich mit dem deutschen Vierfachweltmeister. Es ist vollkommen abstrus, dass Red Bull Racing sich dauerhaft über den schlechten Renault-Motor beschwert und das kleine B-Team Toro Rosso mit derselben Powerunit bei jedem Rennen beachtenswerte Erfolge hat.

Sainz verpasste zwar Q3 durch einen "Anfängerfehler", als er in Turn 14 die Räder blockierte. Doch im Rennen machte er das wieder wett: Bei seinem zweiten Rennen fuhr er mit zwei Stopps zum zweiten Mal in die Punkte und blieb vor beiden Autos von Red Bull Racing. Und das obwohl die Fahrbarkeit des Renault so schlecht sein soll, was durchdrehende Räder und damit erhöhten Reifenverbrauch nach sich ziehen müsste...

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