Keine Spannung im Titelkampf

Vettel: "Die Leute sind verwöhnt"

Donnerstag, 10.10.2013 | 16:57 Uhr
Anders als in den letzten Jahren gibt es diese Saison kein Kopf-an-Kopf-Rennen im Titelkampf
© getty
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Die Vorentscheidung in der Formel-1-Weltmeisterschaft ist seit Monaten gefallen. Mittlerweile geht es nur noch darum, wann Sebastian Vettel seinen vierten WM-Titel in Folge perfekt macht. Beim Großen Preis von Japan am Sonntag hat der Heppenheimer im Red Bull erstmals die Chance, muss dabei aber auf unfreiwillige Unterstützung von Fernando Alonso hoffen.

Komplizierte Rechenspiele sind nicht nötig. Gewinnt Vettel in Suzuka sein fünftes Rennen in Folge und nimmt Fernando Alonso maximal zwei Punkte (Platz neun) mit, zieht der Deutsche in Bezug auf die aufeinanderfolgenden Titelgewinne mit der F1-Legende Juan Manuel Fangio gleich, der von 1954 bis 1957 viermal in Serie Weltmeister wurde. Das will Alonso jedoch unbedingt verhindern.

"Wir brauchen hier ein gutes Rennen", so der Spanier: "Wir können noch einige Ziele erreichen: Den zweiten Platz bei den Konstrukteuren und auch die Fahrer-WM ist noch nicht entschieden." Angesichts von 77 Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter bei fünf ausstehenden Grands Prix ist die Hoffnung allerdings begrenzt.

Doch auch der Führende gibt sich zurückhaltend. "Unser Ziel ist es, die WM zu gewinnen, nicht die WM an einem bestimmten Ort zu gewinnen", betont Vettel: "Ich wäre mehr als zufrieden, wenn wir überhaupt irgendwann etwas zu feiern haben."

Alonso: "Schlüsselmoment in der Meisterschaft"

"Das ist ein Schlüsselmoment in der Meisterschaft", sagt Alonso. Schon zehnmal fiel auf dem 1962 von Honda als Teststrecke errichteten Kurs die Entscheidung in der WM. Nur in Monza machte einmal mehr ein Fahrer den Titel fix, weil auf dem Kurs in Italien zu Beginn der Formel-1-Historie dauerhaft das letzte Saisonrennen ausgetragen wurde.

Bei Red Bull setzt sich zumindest keiner unter Druck. Das Team denkt weiter von Rennen zu Rennen, wodurch sich die erfolgreiche Titelverteidigung automatisch einstellen soll. "Suzuka ist meine Lieblingsstrecke. Es ist neben der Nordschleife und Macao die schönste Rennstrecke überhaupt", erklärt Vettel seine Vorfreude auf das anstehende Wochenende: "Jedes Rennen ist harte Arbeit. Wenn man es da schleifen lässt, kommt früher oder später der Schlag ins Gesicht."

Dabei dürfte auch seine Überlegenheit der letzten Jahre einen Anteil ausmachen. In allen vier Suzuka-Rennen seiner Karriere startete der mittlerweile 26-Jährige auf dem 5,807 Kilometer langen Kurs von der Pole Position und führte 75 Prozent aller Umläufe an. Nur 2011 fuhr er nach 53 Runden und 307,471 Kilometern nicht als Erster über die Ziellinie. Der dritte Platz hinter Jenson Button und Alonso reichte dennoch zur Verteidigung des Titels.

Suzuka ist Red Bulls Paradestrecke

"Doppelt gemoppelt hält besser", freute sich Vettel damals. Dass der Heppenheimer auch an diesem Wochenende aufgrund seines Autos der klare Favorit für den Sieg ist, dürfte klar sein. Der Japan-GP liegt ihm nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl an Hochgeschwindigkeitskurven, die dem abtriebsstarken Red Bull entgegenkommen. Vor allem im ersten Sektor erfordern die S-Kurven Downforce und eine gute Balance.

"Du fährst da mit einem Rhythmus von etwa 240 km/h hindurch, immer am Limit und mit starken seitlichen G-Kräften", so Vettel. Weil dieses spektakuläre Streckenlayout zusammen mit dem relativ rauen Asphalt die Reifen fordert wie kein anderes Rennen, bringt Pirelli die härtestmöglichen Gummimischungen hard und medium an den Start.

Doch auch der 130R-Linksknick im Schlusssektor ist selbst als Vollgaskurve immer noch eine Herausforderung: "Die Stelle erlaubt keine Fehler oder technische Probleme, weil die Auslaufzone nicht besonders toll ist." Die nachfolgende Casio-Schikane ist zudem eine der wenigen echten Überholmöglichkeiten und gleichzeitig ein Unfallschwerpunkt. Die Unfälle im WM-Kampf zwischen Ayrton Senna und Alain Prost 1989 und 1990 sind bis heute legendär.

Dass es mit Fernando Alonso am Sonntag zu ähnlichen Vorfällen kommt, scheint ausgeschlossen. Erstens ist der Asturier dazu ein zu guter Sportsmann. Zweitens steht Vettel in der Regel am Start weit vor ihm, sodass der Ferrari-Pilot im Rennen zuletzt nie in seine Nähe kam, weil sich der Deutsche schon in der ersten Runde mehrere Sekunden Vorsprung herausfuhr.

Vettel sieht Kritik als Kompliment

"Persönlich tut es mir leid für die Fans, weil ich mich an die Zeit erinnere, in der Michael Schumacher alles gewonnen hat", sagte Mercedes-Pilot Lewis Hamilton mit Blick auf die etwas abhanden gekommene Spannung nach dem Südkorea-GP und ruderte per Twitter-Lob kurze Zeit später wieder zurück.

Den Dreifachweltmeister störte das aber überhaupt nicht. "Erstmal ist das doch ein Kompliment", sagt Vettel entspannt: "Es gab dieses eine Rennen in Singapur, wo wir wirklich überlegen waren. Zuletzt in Südkorea oder davor in Spa waren es drei bis sechs Sekunden Vorsprung - vor zehn Jahren bei Michael waren es ja eher 30 bis 60 Sekunden."

Räikkönen lobt Vettel

"Ich glaube, die Leute sind etwas verwöhnt", befürchtet Vettel, nachdem das Formel-1-Feld in den letzten Jahren durch Regeländerungen immer zueinander gebracht wurde: "Man hat versucht, die F1 spannender zu machen. Die Rennen sind auch deutlich spannender geworden, aber es wird immer Leute geben, denen irgendetwas aufstößt."

Beweisen muss der Deutsche zudem mittlerweile überhaupt nichts mehr. Er sei einer der Größten aller Zeiten, meint zumindest Kimi Räikkönen. "Natürlich ist er das. Er braucht nicht noch mehr Rennen oder Titel zu gewinnen, weil er davon in seiner Karriere schon einen ganzen Arsch voll hat", so der Iceman gegenüber "ESPN".

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