Italien-GP: Rennanalyse

Hamilton siegt - schwarzer Tag für Vettel

Von Alexander Maack
Sonntag, 09.09.2012 | 16:03 Uhr
Lewis Hamilton fuhr beim Italien-GP in Monza in seinem McLaren zu einem souveränen Start-Ziel-Sieg
© spox
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Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Italien mit einem Start-Ziel-Sieg souverän gewonnen. Nur einen Angriff von Felipe Massa direkt nach dem Start des Monza-Rennens musste Hamilton in seinem McLaren-Mercedes abwehren. Danach hatte er freie Bahn. "Es ist wunderbar hier zu gewinnen", sagte Hamilton nach dem Rennen.

Auf Platz zwei kam überraschend der Mexikaner Sergio Perez ins Ziel. Der Sauber-Pilot fuhr mit einer Einstopp-Strategie von Platz zwölf aufs Podium und überholte beide Ferrari in der Schlussphase des Rennens ohne Probleme.

"Es war ein unglaubliches Rennen für mich und das Team", sagte der Mexikaner und erklärte seinen Vorteil: "Ich habe erst bei meinem sehr späten Boxenstopp auf die weichen Reifen gewechselt. Der zweite Stint war maximale Attacke."

Das Podium komplettierte Fernando Alonso auf Rang drei. Der Spanier startete nur von Position zehn, hatte aber mit dem schnellen Ferrari beim Heimrennen der Italiener keine Probleme, viele Konkurrenten schon in der Anfangsphase des Rennens zu überholen. Als er auf Sebastian Vettel auflief, blockierte der Deutsche die Ideallinie überhart und drängte Alonso aufs Gras.

"Von da an war das Auto nicht in Ordnung", sagte Alonso. "Es war nicht schön, in den Kies zu hüpfen. Aber ein paar Runden danach konnte ich trotzdem überholen. Die Durchfahrtsstrafe, die er bekommen hat, möchte ich nicht bewerten, aber was er gemacht hat, war definitiv am Limit."

Vettel kassiert Durchfahrtsstrafe

Nachdem er die Box durchfahren hatte, fiel Vettel auf Rang neun zurück. "Ich dachte, Sebastian hätte genug Platz gelassen auf der linken Seite. Sebastian war weiter vorne und ist einfach seine Spur gefahren", sagte sein Teamchef Christian Horner.

Als Vettel seinen Red Bull schließlich aufgrund technischer Probleme abstellte, um seinen Motor zu retten, und auch Mark Webber kurz vor Schluss nach einem Dreher aus den Punkten rutschte und danach in die Box fuhr, stand fest, dass Red Bull keinen einzigen Punkt aus Monza mitnimmt.

Im Gegensatz zu den Red Bull lief das Rennen für die Mercedes-Fahrer Nico Rosberg und Michael Schumacher vergleichsweise gut. Schumacher kam als Sechster direkt vor seinem Teamkollegen ins Ziel und war zufrieden, obwohl er einräumte nach der guten Leistung im Freitagstraining "heimlich darauf gehofft, weiter nach vorne zu kommen".

Rosberg dagegen hatte am Start Probleme gehabt. "Im ersten Stint ging einfach nichts. Da war ich megalangsam unterwegs", konstatierte der Deutsche enttäuscht. Nach dem ersten Boxenstopp arbeitete er sich jedoch wieder nach vorne und fuhr mit der schnellsten Runde des Rennens über die Ziellinie.

Schlüsselszenen des Rennens:

Vor dem Start: Neben der 10-Plätze-Verschiebung von Pastor Maldonado im Williams muss auch Paul Di Resta seinen vierten Startplatz räumen. Di Restas Getriebe wurde am Freitag gewechselt, er startet von Position neun. Maldonados Strafe rührt aus dem Belgien-GP, als er zu früh startete und noch einen Unfall verursachte.

LIVE-TICKER: Das ganze Monza-Rennen zum Nachlesen

Start: Button startet mit zu wenig Drehmoment und wird von Massa kassiert, der in der Schikane auch noch Hamilton angreift. Der Brite bleibt im McLaren aber vorn. Rosberg verschläft den Start und fällt aus den Top 10.

7. Runde: Nachdem er den Spanier drei Runden lang blockieren konnte, geht Alonso am Ende der Zielgerade mithilfe des DRS an Schumacher vorbei und ist damit schon hinter Vettel.

9. Runde: Beim Toro Rosso von Vergne bricht am Ende der Zielgeraden ein Teil der Aufhängung. Der Franzose fliegt quer durch die Schikane und klagt nach der Landung über Rückenschmerzen.

19. Runde: Button überholt Massa vor der zweiten Schikane und macht seinen Fehler am Start wieder gut.

21. Runde: Vettel und Alonso kommen gleichzeitig in die Box. Ferrari kann einige Sekundenbruchteile aufholen, da Vettel aber die günstigere Box direkt am Eingang hat und zuerst auf der Fast Lane ist, verteidigt er den vierten Platz.

26. Runde: Alonso saugt sich im Windschatten an Vettel heran und attackiert ihn am Ende der Zielgeraden. Vettel blockt auf der Innenbahn und bleibt vorne. In der Curva Grande versucht Alonso es nochmal auf der äußeren Linie und wird mit einem überharten Manöver von Vettel aufs Gras gedrängt.

33. Runde: Vettel kassiert eine Durchfahrtsstrafe, weil er Alonso von der Strecke drängte, obwohl er den Spanier schon freiwillig passieren ließ. Er fällt auf Rang neun zurück.

34. Runde: Button stellt seinen McLaren mit einem technischen Defekt vor der Parabolica ab. Seine Benzinpumpe verweigerte den Dienst.

40. Runde: Massa lässt Alonso passieren. Der Funkspruch der Box: "Denk mal ans Management deiner Reifen. Alonso ist hinter dir."

46. Runde: Perez überholt im Sauber Alonso. Der Spanier wehrt sich nicht und sichert seine Punkte. Zuvor hatte Perez schon Massa ohne Probleme kassiert.

48. Runde: Vettel stellt den Red Bull ab. Er lag an Position sechs. Vorausgegangener Funkspruch der Box: "Stopp das Auto, wir müssen den Motor retten." Es war wie im Training die Lichtmaschine.

51. Runde: Webber dreht sich Ausgangs der Variante Ascari und verliert damit WM-Punkte. Sein Auto stellt er in der Folgerunde ab.

Ziel: Hamilton bringt den Sieg gegen Perez nach Hause. Alonso ist als Dritter Gewinner im Titelrennen.

Mann des Rennens: Sergio Perez. Der Sauber-Pilot startete nur als Zwölfter. Mit seiner Einstopp-Strategie fuhr der Mexikaner sukzessive immer weiter nach vorne. Er hielt es am längsten auf den harten Reifen auf und stellte nach seinem seinem Boxenstopp mit der weicheren Reifenmischung immer neue schnellste Rennrunden auf. Schließlich überholte Perez die Werks-Ferrari von Fernando Alonso und Felipe Massa problemlos und zwang das McLaren-Team, Hamilton auzufordern, nochmals das Tempo anzuziehen.

Flop des Rennens: Sebastian Vettel. Der Deutsche hatte in Monza die Lucky Chance, mit einem unterlegenen Auto wertvolle WM-Punkte mit nach Hause zu nehmen, indem er Alonso hinter sich lässt. Dass dieser Plan nicht aufgehen kann, deutete sich an, als Alonso mit großem Geschwindigkeitsvorteil aus den Deutschen auflief. Doch statt Alonso passieren zu lassen, drängte Vettel seinen Konkurrenten aufs Gras. Die anschließende Durchfahrtsstrafe kostete schon wertvolle Punkte. Als Vettel seinen Wagen dann aufgrund technischer Probleme abstellen musste und auch Mark Webber das Rennen frühzeitig beendete, war das katastrophale Wochenende für Red Bull perfekt.

Analyse: Der große Gewinner des Italien-Wochenendes ist Fernando Alonso. Der Spanier liegt in der WM-Wertung nun 37 Punkte vor dem Zweitplatzierten Lewis Hamilton. Kimi Räikkönen folgt mit einem weiteren Zähler Rückstand auf Rang drei. Vettel ist nach seinem Null-Punkte-Ergebnis nur noch Vierter. Die Situation hat sich damit abermals komplett gedreht. Die einzig echte Konstante ist der WM-Führende aus Spanien.

Seinen Sieg hat sich Lewis Hamilton trotz der Turbulenzen um Alonso und Vettel vollkommen verdient. Er legte ein starkes Qualifying hin und fuhr von Anfang an starke Rundenzeiten, wodurch er fast unbeobachtet an der Spitze seine Runden abspulte und souverän als Erster über die Ziellinie fuhr.

Überraschend war die Performance von Kimi Räikkönen im Lotus. Zur Erinnerung: Der Finne fährt den gleichen Renault-Motor wie die Red Bull. Trotzdem beendete Räikkönen das Rennen als Fünfter und hielt die Silberpfeile mit sehr guten Top-Speed-Werten hinter sich.

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