"Die NHL ist mehr Entertainment"

Von Interview: Michael Graßl
Montag, 09.03.2015 | 13:48 Uhr
Jochen Hecht spielt seit 2013 wieder in der DEL bei den Adlern
© getty
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Playoff-Time in der DEL - und Jochen Hecht ist mittendrin. Vor dem Viertelfinal-Duell mit den Nürnberg Ice Tigers (19.30 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Mannheims Routinier im Interview bei SPOX über die Titelchancen der Adler, Hausarbeit und die Unterschiede zur NHL.

SPOX: Herr Hecht, mit dem Playoff-Start beginnt für Sie die schönste Zeit des Jahres. Ihre Frau dürfte das aber anders ganz sehen, oder?

Jochen Hecht: Das stimmt (lacht). Auf die Spielerfrauen wartet zuhause nun eine ganze Menge Arbeit. Die Männer haben für Hausarbeit erst mal keine Zeit mehr.

SPOX: Sie hatten nach der letzten Partie in der DEL-Hauptrunde drei Tage frei. Haben Sie diese Zeit noch mal intensiv für Ihre Familie genutzt?

Hecht: Es hat gut getan, vor der Vorbereitung auf das erste Playoff-Spiel genügend Zeit mit der Familie zu haben. Wir haben außerdem mit der Mannschaft einen Kasinoabend veranstaltet. So konnten die Trainer, Betreuer, Spieler und unsere Frauen einen schönen gemeinsamen Abend verbringen.

SPOX: Im Gegensatz zu Ihnen hat Ihr Gegner, die Nürnberg Ice Tigers, bereits drei Spiele durch die Pre-Playoffs in den Knochen. Ist es ein Vorteil für Sie, dass Sie ausgeruhter ins Viertelfinale gehen können?

Hecht: Nein, das glaube ich nicht. Sie können sich von Sonntag bis Mittwoch erholen, das ist ausreichend. Ich glaube sogar, dass die Ice Tigers in den ersten beiden Spielen einen Vorteil haben.

SPOX: Inwiefern?

Hecht: Sie starten mit einem Hoch in die Serie und haben gerade die Pre-Playoffs erfolgreich überstanden. Gegen uns haben Sie jetzt nichts mehr zu verlieren. Von Vorteil für sie ist sicherlich, dass sie durch die drei Spiele bereits im Playoff-Feeling sind und keinerlei Nervosität mehr haben. Wir dagegen haben nur trainiert. Ingolstadt im letzten Jahr war das beste Beispiel, welche Signalwirkung von einer erfolgreichen Pre-Playoff-Serie ausgehen kann.

SPOX: Ingolstadt hatte bei seinem Siegeszug von den Pre-Playoffs bis zur Meisterschaft nicht ein einziges Mal Heimrecht, gewann im Finale sogar drei von vier Spielen in Köln. Sie haben sich mit den Adlern den Heimvorteil für die Playoffs gesichert, aber ist das wirklich noch so ein großer Vorteil?

Hecht: Der Heimvorteil ist nicht mehr das, was er früher einmal war. Der Vorteil besteht hauptsächlich daraus, dass man eine gewisse Routine vorfindet. Das heißt, man schläft in seinem eigenen Bett und weiß, was man zu essen bekommt. Die Auswärtsmannschaften sind aber genauso erholt, da sie meistens ein Tag vorher anreisen und am Spieltag schon vor Ort sind. Zuhause ist zusätzlich der Druck vorhanden, gewinnen zu müssen.

SPOX: Dieser Druck ist in den Playoffs noch viel größer als in der Hauptrunde. Ist das der Grund, warum die Intensität des Spiels in den Playoffs so zulegt?

Hecht: In den Playoffs zählt einfach jedes Spiel und jeder Fehler kann den Genickbruch und somit das Aus bedeuten. Wir arbeiten das ganze Jahr für diese Partien, deshalb kitzelt jeder Spieler weitere zehn bis 20 Prozent aus seinem Körper. Auch mental, denn Playoffs sind vor allem eine Kopfsache. Am Ende geht es nur darum, dass der Gegner mehr Fehler macht. Und Fehler passieren oft, wenn die geistige Frische fehlt.

SPOX: Sie sprechen aus Erfahrung, haben nicht nur in Deutschland einige Playoffs gespielt, sondern auch in der NHL 59 Postseason-Begegnungen absolviert. Wo liegt der Unterschied zwischen Deutschland und Amerika?

Hecht: Die Vorbereitungen der Teams laufen sehr identisch ab, in Amerika steigt allerdings die Intensität auf dem Eis noch mehr an, alles wird schneller und aggressiver. In der NHL wird zudem im Scouting-Bereich akribischer gearbeitet. In den Scouting-Reports, die die Spieler bekommen, wird so ziemlich alles festgehalten, was man über die Stärken und Schwächen seiner Gegner wissen muss.

SPOX: Werden in den Scouting-Reports auch besondere Rituale oder Macken der einzelnen Spieler festgehalten? Die Playoffs sind bekanntermaßen nicht nur die Zeit der langen Bärte.

Hecht: Nicht im Speziellen. Aber das ist auch nicht notwendig, denn jeder Spieler hat dieselben Ticks, die er schon während der Vorrunde hatte. Das läuft in den Playoffs genau so weiter, kein Spieler ändert etwas am Tagesablauf oder beim Aufwärmen. Man ändert ja auch nicht während der Saison seine Trikotnummer (lacht).

SPOX: Spieler verbinden oft besondere Zahlen oder Ereignisse mit Ihren Rückennummern. Sie haben während Ihrer Karriere mehrmals die Rückennummer gewechselt. Warum sind Sie bei der 55 hängen geblieben?

Hecht: Die ersten drei NHL-Spiele in meiner Karriere habe ich mit der Nummer 55 absolviert. Als ich endgültig den Sprung in den NHL-Kader schaffte, habe ich mir die 17 ausgesucht, weil ich diese schon in Deutschland trug. Als ich zu Buffalo getradet wurde, war die 17 schon vergeben und weil ich mit der 71 viel Verletzungspech hatte, wurde es wieder die 55.

Seite 1: Hecht über Hausarbeit, die DEL-Playoffs und seine Trikotnummer

Seite 2: Hecht über die Unterschiede zur NHL, Kölns Albtraum und das Karriereende

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