Montag, 27.01.2014

Marco Sturm macht Schluss

"Mein Akku ist einfach leer"

In Marco Sturm hat einer der bekanntesten deutschen Eishockey-Spieler seinen Rücktritt erklärt. "The German Rocket" setzte in der NHL aus deutscher Sicht Maßstäbe, nur zu Meisterehren ist er nie gekommen.

Marco Sturm spielte in seiner Karriere unter anderem für die Boston Bruins
© getty
Marco Sturm spielte in seiner Karriere unter anderem für die Boston Bruins

Als deutschen NHL-Rekordspieler wird ihn so schnell keiner ablösen, aber der Traum vom Titel bleibt für immer unerfüllt: Marco Sturm hat einen endgültigen Schlussstrich unter seine beeindruckende, aber unvollendete Karriere als Eishockey-Profi gezogen. Der 35-Jährige begründete diesen schon länger absehbaren Schritt mit Motivationsproblemen. Seine Sehnsucht nach dem in 19 Profijahren noch fehlenden Meistertitel war nicht mehr groß genug.

"Mein Akku ist einfach leer", sagte Sturm der Fachzeitschrift Eishockey-News: "Ich hätte nicht mehr die 100 Prozent, die nötig gewesen wären, geben können, gerade auch vom Kopf her. Und darum konnte es letztlich nur diese eine Entscheidung geben." Er verspüre Wehmut, aber auch "eine gewisse Erleichterung".

Einzigartig in der NHL

Sturm tritt ab - und hinterlässt große Fußstapfen. Kein Deutscher spielte öfter in der NHL (1002), keiner erzielte dort mehr Tore (251), keiner sammelte dort mehr Punkte (509). Auch Uwe Krupp kommt an diese Bestwerte nicht heran, allerdings gewann Krupp im Gegensatz zu Sturm zweimal den begehrten Stanley Cup.

In der vergangenen Saison lockte der Trainer Krupp den in der NHL aussortierten Sturm zu den Kölner Haien, beide wollten gemeinsam die Meisterschaft in der Deutschen Eishockey Liga feiern. Doch im Finale scheiterte Köln an Meister Eisbären Berlin.

Fokus auf die Familie

Auch eine Rückkehr zu den Haien wird es nicht mehr geben. Er habe darauf gewartet, "ob dieses Verlangen nochmals kommt", sagte Sturm, "aber irgendwie hat es ganz einfach nicht mehr gekribbelt". Er wolle jetzt die freie Zeit mit seiner Familie genießen, Frau und Kinder hätten während seiner aktiven Karriere "sehr viel einstecken und mitmachen" müssen. Zurzeit trainiert Sturm zu Hause in Florida die Nachwuchsmannschaft seines Sohnes. Einem Engagement im Profi-Eishockey stehe er offen gegenüber.

Sein Ruf in der Szene ist exzellent. Der zuverlässige Arbeiter und Scorer wanderte bereits als 19-Jähriger nach Nordmerika aus, um seinen Traum von einer NHL-Karriere zu verwirklichen. Zuvor war er im Draft an 21. Stelle von den San Jose Sharks ausgewählt worden. In sieben Jahren in Kalifornien avancierte "The German Rocket" zum Publikumsliebling und Leistungsträger.

Karriere mit zwei Kreuzbandrissen

Nach seinem ersten Kreuzbandriss und dem Lock-out wechselte der Flügelstürmer 2005 zu den Bosten Bruins, wo er fünf Jahre ebenfalls zumeist überzeugte. Doch nach seinem zweiten Kreuzbandriss geriet Sturm zum Tauschobjekt, er wurde zwischen den Klubs Los Angeles Kings, Washington Capitals, Vancouver Canucks und Florida Panthers hin- und hergeschoben. "Es war für mich sehr enttäuschend, wie ich behandelt wurde", hat er einmal gesagt.

Trotz dieses unwürdigen Abschieds aus der NHL ist Sturm zufrieden mit dem, was das Eishockey-Leben ihm beschert hat. "Außer dem Stanley Cup habe ich alles erreicht. Ich habe über 1000 Spiele in der NHL gemacht. Ich bin wirklich glücklich, wie meine Karriere gelaufen ist", sagte Sturm.

Das letzte seiner insgesamt 54 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft hatte der viermalige Olympiateilnehmer bei den Winterspielen 2010 in Vancouver bestritten.

Marco Sturm im Steckbrief


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