Wintersport

Hirscher: "Das waren Psychokriege"

Von APA
Zum zweiten Mal nach 2013 hat Marcel Hirscher in Kitzbühel gewonnen
© GEPA

Nachgefragt bei Marcel Hirscher, der am Sonntag zum zweiten Mal nach 2013 den Slalom auf dem Ganslernhang in Kitzbühel gewonnen hat.

Mit einem fulminanten Finallauf hat sich Marcel Hirscher am Sonntag zum zweiten Mal nach 2013 den Sieg auf dem Ganslernhang in Kitzbühel geholt. Der Salzburger setzte sich dank überlegener Laufbestzeit 0,76 Sekunden vor dem Briten Dave Ryding und 1,11 vor dem Russen Alexander Choroschilow durch.

Nach dem Slalom in Levi und dem Riesentorlauf in Alta Badia war es der dritte Saisonsieg für Hirscher sowie sein insgesamt 42. Weltcupsieg, der 20. Sieg in einem klassischen Slalom. Da Disziplin-Spitzenreiter Henrik Kristoffersen im ersten Durchgang ausschied, übernahm Hirscher mit 80 Zählern Vorsprung wieder die Führung. Auf dem Weg zum sechsten Gesamtweltcup hat er nun 1.080 Zähler auf dem Konto und bereits 388 Vorsprung auf den Norweger.

Frage: Können Sie die Ausgangslage vor dem Slalom kurz beschreiben?

Marcel Hirscher: "Der Super-G (am Freitag; Anm.) hat schon sehr viel Energie gebraucht. Es waren sehr intensive Trainingseinheiten und Psychokriege. In der Früh bin ich noch eine Einheit gefahren. Der Rennski von Wengen war im Training nicht gut, dann entscheidet man sich halt für das, was am Vortag am besten war. Und dann muss man sich trauen, im zweiten Durchgang das andere zu nehmen. Das sind schon Entscheidungen mit Tragweite. Aber wenn es so ausgeht, ist es natürlich unbeschreiblich."

Frage: Mit wem haben Sie die angesprochenen Psychokriege ausgetragen?

Hirscher: "Mit mir selbst. Auf der einen Seite der Gesamtweltcup, auf der anderen Seite das Einzelrennen. Natürlich hat mir der Ausfall von Henrik (Kristoffersen; Anm.) auch ein bisschen geholfen, Entscheidungskraft zu finden, in welche Richtung der zweite Durchgang gehen muss. Aber es stecken schon auch sehr viele Emotionen dahinter."

Frage: Wo landet dieser zweite Durchgang unter all den guten Läufen, die Sie bisher gefahren sind?

Hirscher: "Ich weiß nicht. Ich hab das erste Mal ein bisschen nachgedacht bei der letzten Welle vor dem Ziel: War das jetzt gut? Und dann geht es eh schon wieder dahin, und dann bist du im Ziel. Dann war es gut. Aber so richtig wissen tue ich nichts mehr. Das schaue ich mir dann noch an. Es muss gut gewesen sein, aber ich habe nicht mehr viele Erinnerungen daran."

Frage: Befindet man sich da total im Flow-Zustand?

Hirscher: "Ja sicher. Du hörst nicht mehr viel. Gott sei Dank, sonst würde ich wahrscheinlich oft ausfallen."

Frage: Sie sorgen in dieser Saison oft für Spannungsmomente. Das kann aber dauerhaft nicht das Ziel sein, oder?

Hirscher: "Nein, das ist nicht meine Wunschvorstellung. Meine Nerven sind auch nicht mehr die besten."

Frage: Inwieweit bestärkt es Sie, dass bereits mehr als 1.000 Punkte relativ früh in der Saison gesammelt haben?

Hirscher: "Gar nicht. Leider."

Frage: Wie beurteilen Sie den zweiten Platz von Dave Ryding?

Hirscher: "Ich habe schon seit längerem wahrgenommen, was für ein brillanter, sauberer Skifahrer er ist. Das habe ich vor Jahren schon im Europacup gesehen und wie er in den Weltcup gekommen ist. Er fährt sauber wie ein Skilehrer. Jetzt ist er schnell auch noch. Meine höchste Bewunderung für solche Leute, weil das ist nicht so wie bei uns, wo man alles hinten nach getreten kriegt und Himmel auf Erden hat, sondern 'hard work'."

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