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NFL

Third and Long - der Mailbag zum Spieltag: Rookie-Watch und zu wenig Hype für die Steelers?

Die Steelers und Big Ben stehen bei 10-0.

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Der Einfluss guter Defense - läuft die AFC der NFC davon?

jens_1990: Welchen Einfluss auf den Erfolg hat die Defense deiner Meinung nach noch? Geht es nur noch über High-Scoring-Offenses a la Chiefs? Ein kurzes Top 3 Defense Ranking?

Ich denke, man kann das aus zwei Richtungen angehen, auch wenn wir von der generellen Kaderplanung sprechen sowie darüber, wo wie viele Ressourcen rein gesteckt werden.

Man kann gezielt versuchen, eine dominante Defense aufzubauen. Indem man entweder immer wieder hohe Picks und anderweitige Ressourcen in die Defensive Line steckt (49ers, Steelers, Bears, Eagles, Colts), oder eine vielseitige, tiefe Secondary aufbaut, um dann über Blitzing zum Quarterback zu kommen und die Offense so aus der Bahn zu werfen (Ravens, Dolphins, Patriots, Buccaneers).

Hieraus lassen sich auch die Top-3-Defenses zusammenstellen. Für mich gehören Pittsburgh, die Rams, Tampa Bay, Baltimore und auch Chicago in diese Diskussion, Miami zumindest in der Pass-Defense. Aber letztlich Woche für Woche eben mit der Frage im Hinterkopf: Wie gut ist die Offense, gegen die es als nächstes geht?

Das führt zum generellen Einfluss der Defense, und das wäre meine einfachste Antwort: Eine Top-Defense kann ein Spiel entscheiden - ohne eine zumindest gute Offense führt das ultimativ aber nirgendwo hin. Einer Top-Offense auf der anderen Seite aber reicht eine durchschnittliche Defense als Komplementärstück, um ganz oben mitzuspielen. Ganz davon zu schweigen, dass echte defensive Dominanz selten länger als zwei, maximal drei Jahre anhält. Wenn überhaupt.

Ich selbst vertraue letztlich den defensiv geprägten Top-Teams einer jeweiligen Saison auch deshalb weniger, weil die Defense ultimativ stärker von der Offense abhängig ist als umgekehrt. Auch das haben wir allein dieses Jahr mehrfach gesehen; wenn es gegen eine Top-Offense geht, wird die vermeintliche Elite-Defense plötzlich komplett ausgehebelt.

Eine gute Defense kann ein Team durch die Regular Season tragen, gerade weil sie reicht, um schwache gegnerische Offenses komplett zu dominieren. Und das ist nicht unerheblich, hier werden immerhin die Karten für die Playoffs gemischt. Aber je kleiner das Teilnehmerfeld wird, je höher das Niveau wird, desto kleiner wird für mich der Einfluss der Defense auf den Ausgang der Partie.

NilleSB: Welche Teams im Mittelfeld brauchen nur noch ein bis zwei richtige Teile und welche sollten einen größeren Umbruch machen?

Das "Liga-Mittelfeld" ist von der Interpretation her natürlich ein großer Spielraum, deshalb picke ich einfach mal ein paar Kandidaten raus:

  • Die Minnesota Vikings werden die Saison vermutlich mit sieben oder acht Siegen beenden, was wir von der Passing-Offense sehen, macht aber Mut. Die Vikings brauchen defensiv dringend Upgrades, im Pass-Rush, aber auch auf Cornerback. Wenn dann die offensive Herangehensweise passt, kann man Minnesota nächstes Jahr wieder definitiv zu den Playoff-Kandidaten zählen.
  • Die Las Vegas Raiders finde ich aktuell extrem spannend. Derek Carr spielt eine sehr gute Saison, man erkennt einen klaren Plan in der Zusammenstellung dieser Offense - und der macht sich bezahlbar. Was ist das Ceiling von diesem Konstrukt? Vielleicht ist das sogar die falsche Frage, sondern die Herangehensweise müsste eher sein: Wenn die Raiders nur Spiele gewinnen können, indem die Offense konstant am Limit spielt, ist das keine Erfolgsformel. Las Vegas braucht Pass-Rusher und Cornerbacks, um defensiv zumindest eine gewisse Base Line zu haben. Wenn Carr und die Offense dann ihr aktuelles Level halten können, wäre Las Vegas auch vor der kommenden Saison ein klarer Playoff-Kandidat - und in der Postseason sehe ich die Raiders auch dieses Jahr schon.
  • Die Baltimore Ravens rutschen mehr und mehr ins Mittelfeld ab, sollten aber vergleichsweise einen klaren Plan in der Offseason haben. Baltimore braucht Outside-Receiver, um das Feld offensiv wieder zu öffnen, sowie Upgrades in der Offensive Line, um auch gegen Stacked Boxes wieder laufen zu können. Beides dürfte machbar sein, und dann sind die Ravens womöglich schnell auch wieder ein Titelkandidat.
  • Kritischer steht es letztlich um all die Teams, die vor allem dank einer guten Defense oder guter offensiver Umstände im Mittelmaß stehen, aber eben eine Quarterback-Antwort finden müssen. Chicago, Denver, womöglich auch Cleveland, und etwas weiter gedacht vielleicht auch San Francisco. Einen wirklich radikalen Umbruch würde ich unter diesen Teams nur den Bears anraten, aber klar ist auch: gute Umstände reichen nicht, wenn der Quarterback nicht zumindest gut genug ist, das sehen wir Jahr für Jahr.

VerPutzer: In den letzten Jahren war immer die Rede davon, dass die NFC so viel stärker war als die AFC. Mit Ausnahme der Eagles hat aber fast immer das AFC-Team den Super Bowl gewonnen. Sind die Kräfteverhältnisse aktuell umgekehrt? Ist das von Dauer? Warum? Und gewinnt jetzt die NFC den SB regelmäßiger?

Bei der NFC hatte ich über die letzten Jahre meist den Eindruck, dass die Spitzengruppe breiter ist. Es gab, gewissermaßen, Jahr für Jahr mehr Teams, die ernsthafte Titelkandidaten waren, während es in der AFC zumeist eine kleine, klar definierte Spitze und dann eine große Lücke zum Rest der Conference gab. Aber diese kleine Spitze war qualitativ eben immer mindestens auf Augenhöhe mit der breiten Spitzengruppe in der NFC - und mehrfach sogar noch darüber.

Was die Zukunft angeht, erwarte ich eher noch eine stärkere Verschiebung des Gleichgewichts Richtung AFC; denn perspektivisch sehe ich nicht nur die Spitze, sondern eben auch die Breite in der Spitze in der AFC besser.

In der NFC wird es über die nächsten zwei bis drei Jahre Umbrüche geben. Aaron Rodgers, Drew Brees, Tom Brady, Matt Ryan, Matt Stafford - Teams werden neue Quarterbacks finden müssen und das geht zumeist mit einer generellen internen Neusortierung einher, selbst wenn man einen guten Übergang hinbekommt.

Die AFC dagegen hat über die letzten Jahre einen enormen Boost in puncto Quarterback-Qualität bekommen: Patrick Mahomes, Deshaun Watson und Lamar Jackson wären die drei prominentesten Namen, doch auch dahinter der Aufstieg von Josh Allen, die furiosen Rookie-Saisons von Justin Herbert und Joe Burrow - wenn man die Superstar-Quarterbacks der nächsten zehn Jahre sucht, dann findet man die meisten aussichtsreichen Kandidaten in der AFC. Und aller Voraussicht nach wird auch Trevor Lawrence, eines der größten Quarterback-Talente der letzten Jahre, in der AFC (Jets/Jaguars) landen.

Was hat die NFC da entgegen zu setzen? Dak Prescott wäre so jemand, Russell Wilson sollte noch einige Jahre auf Top-Niveau haben, Kyler Murray könnte sich perspektivisch in der Liga-Spitze etablieren. Aber sonst? Wenn wir selbst nur die Quarterbacks für die nächsten fünf Jahre gegenüberstellen, ist die AFC mehrere Stufen über der NFC, und das dürfte sich dann auch sportlich doch deutlich bemerkbar machen.

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