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NFL

Top 10: Die wichtigste Erkenntnisse aus Woche 4 in der NFL

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf die wichtigsten Takeaways zum NFL-Sonntag.

4. Arizona Cardinals: Hype trifft auf Realität

Die Arizona Cardinals waren ein gerne genannter Sleeper-Pick in der Offseason. Nicht unbedingt gleich für eine Chance auf den Super Bowl, aber um vielleicht in der Division für Probleme zu sorgen, eine reelle Chance auf die Playoffs zu haben und dort vielleicht auch Alarm machen zu können. Kyler Murray war ein beliebter Dark-Horse-MVP-Pick.

Nach vier Spielen muss man festhalten: Aktuell sind die Cardinals wie auch Murray noch ein gutes Stück davon entfernt. Und die Probleme sind vielschichtig, nach der Pleite gegen die Lions wurden sie auch bei der klaren Niederlage gegen die Carolina Panthers am Sonntag deutlich.

1.: Die Offense ist zu vorsichtig. Das hatte sich bei den Siegen über San Francisco und Washington schon angedeutet, und wurde nicht zuletzt damit erklärt, dass man seine Offensive Line gegen klar überlegene Defensive Lines verstecken wollte. Alles kurz, kaum vertikale Elemente in der Offense. Murrays Qualitäten als Runner glichen das in beiden Spielen aus. Gegen Detroit sah das dann anders aus - und gegen Carolina ging es wieder zurück zum Kurzpassspiel.

Alles in die Breite gezogen, auch im Run Game, sowie sehr viele Screens, die ins Nichts führten. Die Cardinals versuchen aktuell, eine äußerst präzise Kurzpass-Offense aufzuziehen; die aber wiederum lässt kaum Spielraum für Fehler. Und Arizona macht viel zu viele Fehler, als dass dieser Ansatz funktionieren könnte. Auch Murray selbst ist zu inkonstant gerade über die Mitte des Feldes.

Dazu kommt, dass Defenses sich mehr und mehr darauf einstellen und die Screens immer besser verteidigen. Murray in seiner Rookie-Saison war einer der besten Deep-Passer der Liga, aktuell nutzen die Cardinals dieses Mittel jedoch kaum. Und das trotz Hopkins, trotz Isabella, trotz Kirk. Eine Offense kann auch vertikal attackieren, wenn die Offensive Line unterstützt werden muss - genau das müssen die Cardinals hinbekommen.

Murray hatte gegen die Panthers 24 Completions für 133 Yards, und das ist inakzeptabel. Es sind auch die wenigsten Passing-Yards seit 1950, wenn der Quarterback mindestens 24 Completions hatte. Und innerhalb der Top 5 ist Murray jetzt schon zwei Mal in dieser Liste, auch seine 148 Yards gegen die 49ers im Vorjahr gehören hier dazu.

Arizona hat einen der gefährlichsten Running-Quarterbacks in der NFL, der zudem einen exzellenten Deep Ball hat. Und die Cardinals haben die Receiver, um vertikal zu attackieren. Aktuell geht der offensive Ansatz entgegen der größten eigenen Stärken, und unterstreicht stattdessen die Schwachstellen. Arizona muss Murray noch gezielter uns Run Game einbinden und gleichzeitig Defenses deutlich häufiger tief attackieren. Das würde ultimativ auch das Underneath Passing Game öffnen.

2.: Wo ist der defensive Plan? Die Safety-Verletzungssorgen muss man berücksichtigen; insbesondere der Ausfall von Budda Baker war ein großes Problem. Das Tackling war gegen Carolina schwach, aber ein anderes Thema ist viel besorgniserregender: Teams finden gegen die Cardinals-Defense schematische Ansätze - und Joseph fällt im Laufe der Partie nichts ein, das zu stoppen.

Gegen Carolina waren es mal Screens, mal Rollouts auf die rechte offensive Seite, die Arizona immer wieder komplett auf dem falschen Fuß erwischten. Der Pass-Rush ist weitestgehend komplett zahnlos und war gegen die durchaus angreifbare Panthers-Line überhaupt nicht präsent, und Joseph schafft es weiterhin nicht, über das Scheme Pressure zu kreieren.

Gleichzeitig ließ er sich in Carolina mehrfach in Soft-Zone-Coverages und generell von Joe Brady komplett abkochen und fand immer wieder keine Antworten auf die Crossing Routes mit Yards nach dem Catch bei langen Second und Third Downs. Zum wiederholten Male zu viele (und dann ein Mal zu wenige) Verteidiger auf dem Platz gehen ebenfalls auf Joseph.

Und dann ist da der Umgang mit Isaiah Simmons. Obwohl die Cardinals im Laufe der Partie bei ihrem sechsten Safety angekommen waren, wurde Simmons nur sehr vereinzelt und fast nur auf Linebacker eingesetzt. Einen Rookie langsam ran zu führen ist schön und gut, aktuell aber scheint der einzige Plan zu sein, ihn gelegentlich als Sub-Package-Linebacker einzusetzen. Ohne Plan B. Ohne Mut, ihn auszuprobieren und auch Fehler machen zu lassen. Stattdessen durfte ein desolater Curtis Riley auf Safety spielen und in Watte gepackt wird Simmons sich nicht verbessern.

3.: Die Konstanz fehlt. Das lässt sich übergreifend feststellen, ist aber gerade in den größten Extremen vor allem bei der Offense feststellbar.

In allen Spielen - gegen die Panthers noch deutlich am wenigsten - hatte die Offense gute, teilweise sehr gute Phasen. Aber eben nur Phasen. Mehr einzelne Drives als irgendetwas darüber hinaus. Gegen Washington reichte das für einen klaren Sieg; gegen Detroit kostete es die Cardinals bereits den Sieg und gegen Carolina fand Arizona nur sehr vereinzelt einen offensiven Rhythmus.

In diesen Punkt passt auch das vorläufige Fazit. Es ist nach wie vor ein Team, das Talent, aber auch viele Baustellen hat. Insbesondere in der Defense, doch auch in der Offensive Line. Enttäuschend ist, das bislang die offensive Entwicklung ganz spezifisch mit Blick auf die Passing Offense ausgeblieben ist. Kingsbury hat letztes Jahr eindrucksvoll gezeigt, dass er sich auch im Laufe einer Saison deutlich umstellen kann. Aktuell scheint das abermals notwendig.

5. Selbstverschuldete Tristesse bei den Chicago Bears

Die Situation für Bears-Fans ist wohl mit keinem Wort besser zusammenzufassen als mit dem Wort "Tristesse". Sicher, Chicago steht 3-1 - aber was ist die realistische Aussicht für die weitere Saison? Wie kamen diese Siege zustande? Und was sagt das für den weiteren Saisonverlauf aus?

In der Vorwoche kam Nick Foles noch als Retter in der Not - die Bears nahmen Mitch Trubisky schließlich doch raus und Foles führte Chicago zum Comeback-Sieg über die Falcons. Der Auftritt gegen eine fraglos starke Colts-Defense zeigte Chicago knallhart die Grenzen auf. Zumindest in dieser Partie.

Das nämlich ist und bleibt der zentrale Punkt: Mit Foles haben sich die Bears einen Quarterback geholt, der heiß laufen kann und zu einzelnen Highlight-Spielen in der Lage ist; er ist ein Upgrade gegenüber Trubisky. Gleichzeitig aber waren bessere Optionen in der Offseason zu haben, Chicago wählte den vertrauten Weg mit einem Quarterback, den die Coaches kennen.

Damit haben sie selbst auf ihre Saison allerdings einen Deckel gepackt. Foles wird tiefe Bälle werfen und Risiken eingehen und er wird mehr innerhalb der Struktur liefern als Trubisky. Doch selbst dieser Struktur fehlt es weiterhin an einer grundlegenden Identität, so zumindest scheint es. Und darauf zu bauen, dass Foles' "guten Phasen" oft genug und zum richtigen Zeitpunkt kommen - was Chicago zu einem potenziellen Playoff-Team machen würde - war von Anfang an ein sehr fragwürdiges Risiko. Das Colts-Spiel war die erste Erinnerung daran.

Wahrscheinlicher dürfte es sein, dass wir nach einem Foles-Durchhänger in der zweiten Saisonhälfte doch noch einmal Mitch Trubisky sehen.

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