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NFL

Third and Long: Trade-Kandidaten - und brauchen die 49ers einen neuen Quarterback?

SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet die Leser-Fragen nach dem Spieltag.

Mit dem ersten Saisonviertel im Rückspiegel und der Trade-Deadline zunehmend in Sichtweite stellt sich die alljährliche Frage: Wer könnte noch getradet werden? Außerdem: Brauchen die 49ers einen neuen Quarterback? Wie geht es weiter bei den Atlanta Falcons? Und sind die Carolina Panthers unterschätzt? SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet in seiner Kolumne Eure Fragen zum Spieltag.

Ihr wollt Fragen an die SPOX-NFL-Kolumne stellen? Das geht direkt hier an den Autor!

Trade-Deadline: Wo gibt es die Last-Minute-Shoppingtour?

Fünf Spieltage sind vorbei, und das Bild in der NFL wird klarer, zumindest was die Extreme angeht.

Will sagen: Die Giants und Jets werden mit den Playoffs genauso wenig zu tun haben wie die Jaguars, Broncos und Falcons. Die Packers, Bills und Seahawks dagegen sollten mögliche Urlaubspläne im Januar schonmal nach hinten verschieben.

Diese Szenarien werden sich über die kommenden Wochen zuspitzen und auf noch mehr Teams ausweiten, und bis zum 3. November kann diesen Entwicklungen Rechnung getragen werden - dann nämlich steht die Trade-Deadline in der NFL an.

Und Jahr für Jahr stellt sich somit die gleiche Frage:

Der Huub, Victor Hugenay, Sebastian von Horn: Wer sind mögliche Trade-Kandidaten?

Um das zu beantworten, müssen einige Parameter geklärt sein, beginnend mit einer simplen Frage: Welche Teams wollen überhaupt mitten in der Saison Spieler abgeben?

Es sind einerseits natürlich die Teams, deren Saison nirgendwohin mehr läuft. Wo sportlich klar ist, dass man schlicht keine Chance nach oben hat. Ein zusätzlicher Katalysator kann es dann sein, wenn ein genereller Umbruch bevorsteht. Etwa, wenn wie bei den Falcons und Texans bereits der Head Coach und der GM gefeuert wurden und ein alterndes, teures Team einen Neustart benötigt.

Und dann ist da der klassische Fall des einstigen Superstars, der den Zenit zwar überschritten hat, in einer ergänzenden Rolle bei einem starken Team aber noch einen Impact haben könnte - aktuell aber noch bei einer Franchise entweder im Umbruch oder im Niemandsland der Liga ist.

Mit diesen Ideen im Hinterkopf, einige Namen, die man Richtung Trade Deadline im Kopf behalten sollte:

A.J. Green, Wide Receiver, Cincinnati Bengals

Greens Comeback-Saison nach langer Verletzungspause war bislang enttäuschend. Bei den Bengals ist er mehr oder weniger nur noch der Nummer-3-Receiver, und Cincinnati als Team wird noch einige Zeit brauchen, bis man wieder angreifen kann - so vielversprechend Joe Burrow sich auch weitestgehend als Rookie präsentiert. Doch wenn die Bengals als Team für den nächsten Schritt bereit sind, wird A.J. Green kein Faktor mehr sein. Er wird dann auch gar nicht mehr im Team sein, Green ist 32 Jahre alt, sein Vertrag läuft aus.

All das macht ihn zum idealen Kandidaten für einen Trade zu einem Contender, das einen Nummer-2-Receiver braucht und Green als Role-Player einsetzen kann. Wie die Green Bay Packers, vielleicht auch die New England Patriots oder die Philadelphia Eagles.

David Johnson, Running Back, Houston Texans

Die Texans sind der ideale Kandidat, um einen großen Verkauf zu starten: Houston hat keinen Erst- oder Zweitrunden-Pick im kommenden Jahr, einen aktuell sehr teuren Kader, vier der ersten fünf Spiele verloren und den bisherigen Football-Alleinherrscher Bill O'Brien entlassen, was einen klaren Kurswechsel nahelegt. Johnson könnte ohne Dead Cap und mit Cap-Einsparungen in Höhe von neun Millionen Dollar für 2021 getradet werden.

Auch wenn man vermutlich keinen hohen Pick erhalten würde: Johnson spielt eine solide Saison, Houston könnte einen Day-3-Pick zurückerhalten und würde damit anfangen, Cap Space für nächstes Jahr zu kreieren. Die Frage wäre nur, welches Team als möglicher Abnehmer überhaupt in Frage kommt und kurzfristige Running-Back-Hilfe sucht.

Ryan Kerrigan, Edge, Washington Football Team

Nach vier Spielen hat Washington fünf Defensive Linemen mit acht oder mehr Pressures - Ryan Kerrigan ist keiner von ihnen. Er ist in der internen Hackordnung zunehmend hinter die Youngster Montez Sweat und Chase Young gerutscht, und man kann davon ausgehen, dass sich dieser Trend eher noch intensiviert.

Aber Kerrigan ist kein schlechter Pass-Rusher, und vor allem wäre er eine sofortige Verstärkung für Teams, die Pass-Rush-Hilfe benötigen. Arizona könnte so ein Kandidat sein, infolge der Verletzung von Chandler Jones. Seattles Pass-Rush ist schlicht nicht vorhanden. Kansas Citys Front kreiert zu wenig Druck außerhalb von Chris Jones. Bedarf sollte es geben.

Dwayne Haskins, Quarterback, Washington Football Team

Dwayne Haskins hat nicht nur nach vier Spielen unter dem neuen Regime in Washington seinen Startplatz verloren - er wurde prompt zur Nummer 3 degradiert und erhielt in einer Trainingseinheit unter der Woche Berichten zufolge nicht einmal Snaps.

Es ist komplett offensichtlich, dass Ron Rivera in Washington nicht langfristig (oder kurzfristig) mit Haskins plant. Washington ist ein ernsthafter Kandidat, um im kommenden Draft einen Quarterback auszuwählen und sollte das der Plan sein, dann wird Haskins' Value ab jetzt Woche für Woche runter gehen.

Haskins hat Talent, er ist noch für einige Jahre sehr günstig und auch für ein Team, das potenziell "nur" perspektivisch einen Nachfolger sucht. Wie die Colts, wie die Steelers, wie potenziell die Lions oder Chicago.

Le'Veon Bell, Running Back, New York Jets

Das Le'Veon-Bell-Experiment bei den Jets ist krachend gescheitert, und auch wenn es dafür zahlreiche Faktoren gibt, kann man nicht sagen, dass Bell selbst seinen Teil geleistet hätte und schlicht Pech hatte.

Könnte er anderswo eine gute Rolle finden? Vielleicht, doch ähnlich wie bei David Johnson fällt es schwer, Abnehmer zu finden. Die Jets in jedem Fall stehen vor einem tiefgreifenden Umbruch, es sollte der größte Umbruch ligaweit über die nächsten zwei Jahre werden. Einen alternden Running Back mit einem Cap Hit über 13,4 Millionen Dollar in der kommenden Saison werden sie dafür nicht brauchen.

Marco Hdm und AlighatorMilch: Sollten die 49ers nach der Saison versuchen, einen guten Quarterback zu bekommen, um mit dem Team in der Division nochmal angreifen zu können?

Ehrlicherweise war das nicht mein primärer Takeaway zu diesem Spiel. Garoppolo war schlecht, das ist unbestreitbar. Für mich die Kernfrage in diesem Spiel bleibt jedoch: Warum hat Garoppolo überhaupt gespielt? Er hat nicht voll trainiert, er war für jeden vom Start weg sichtbar nicht fit - warum haben die Niners ihn direkt wieder reingeworfen, um dann zur Halbzeitpause festzustellen, dass er doch nicht gesund genug ist? Diese Nachfragen und Vorwürfe müssen sich John Lynch und Kyle Shanahan gefallen lassen.

Was die Position generell angeht: San Francisco würde ab 2021 finanziell problemlos aus dem Vertrag rauskommen. Aber das ist immer leichter gesagt als getan, denn was wäre denn die Alternative? Jameis Winston? Versuchen, Prescott mit sehr viel Geld aus Dallas loszueisen? Ich sehe da Stand heute kein realistisches Szenario, mit dem die Niners ein Upgrade, das zudem noch in Shanahans Offense passt, finden würden.

Wenn wir vom Draft reden, ist es eine andere Situation. Hier sollten die 49ers absolut die Augen offenhalten und schauen, ob sich eine Gelegenheit bietet. Auch in der ersten Runde. Aber meine Meinung zu Garoppolo bleibt unverändert: Ein guter Game Manager, den Shanahan bei all seiner Genialität nach wie vor braucht, um seine Offense auch auf dem Feld umzusetzen.

Insofern ist es schnell gesagt, dass man einen besseren Quarterback als Garoppolo braucht - aber man muss auch erst einen besseren Kandidaten finden, der dann auch zu Shanahan passt.

Doch sollte das nach diesem peinlichen Auftritt gegen Miami nicht im Vordergrund stehen. Sondern eben eher die Tatsache, dass Garoppolo offensichtlich weit weg von voller Gesundheit vorschnell reingeworfen wurde. Oder die Tatsache, dass die Niners in der Kaderplanung die Secondary abermals komplett ignoriert haben. Oder auch die Tatsache, dass die Offensive Line längst nicht so stark spielt wie letztes Jahr und gerade Mike McGlinchey eine ziemlich durchwachsene Saison spielt.

All das sehe ich nach dieser Niederlage noch vor der Quarterback-Diskussion auf der Agenda.

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