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NFL

Third and Long Week 3: "Haben wir uns bei den Packers geirrt?"

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt in seiner wöchentlichen Kolumne zurück auf den Spieltag in der NFL.

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Simon, YaSte und Burton77767: Welches sind deine Top-5-Rookie-Überraschungen nach 3 Spielen?

Mit "Überraschungen" fallen Spieler wie CeeDee Lamb, Joe Burrow oder auch Chase Young für mich hier raus - dass diese Spieler schnell gut sein würde,n war zu erwarten, und bisher haben sie diese Erwartungen auch erfüllt. Auch Bears-Corner Jaylon Johnson und Bucs-Safety Antoine Winfield hatte ich hoch auf der Liste, und auch die beiden hatten sehr, sehr gute Starts in ihre Rookie-Saison.

Positiv überrascht dagegen bin ich bisher von:

Justin Herbert, QB, Chargers: Das Debüt gegen die Chiefs war eine der Positiv-Überraschungen der bisherigen Saison. Herbert attackierte - wie auch gegen die Panthers am Sonntag - aggressiv Downfield, wenn er die Chance hatte, ging durch seine Reads und gab der Chargers-Offense ein komplett anderes und deutlich besseres Gesicht als sie es mit Tyrod Taylor in der Woche davor gezeigt hatte. Einige "Rookie-Fehler" gab es in beiden Spielen, doch jetzt gilt es aus Chargers-Sicht, an die positiven Punkte anzuknüpfen. Gegen die Panthers wurde L.A. offensiv sehr vorsichtig, setzte viel auf Screens und wollte lange Drives zusammen basteln. Besser beraten wäre man aber vermutlich, wenn Herbert seinen Arm im vertikalen Passspiel häufiger nutzen darf.

Mekhi Becton, OT, Jets: Musste am Sonntag gegen die Colts verletzt raus, bis dahin war er in einer Saison voller Finsternis der eine große - im wahrsten Sinne des Wortes - Lichtblick bei den Jets. Becton, physisch ein absolutes Monster, wirkte vor dem Draft wie ein Tackle, der einfach aufgrund seiner Physis im Run-Blocking funktionieren sollte, im Pass-Blocking aber noch Nachholbedarf hat. Bislang allerdings war er in der Summe der beste Offensive Lineman für Gang Green und wirkte ein gutes Stück weiter als gedacht. Egal, wer 2021 Quarterback für die Jets spielen wird - in Becton scheint New York seinen Left Tackle gefunden zu haben.

Laviska Shenault, WR, Jaguars: Das generelle Talent bei Shenault war nicht die Frage; die Frage war am ehesten, inwieweit sich seine Stärken auf die NFL übertragen würden. Im College war er ein echtes Schweizer Taschenmesser, wurde überall eingesetzt und war sehr häufig das primäre Target bei wie für ihn designten Plays. Mit dem Ball in der Hand ist er wie ein Running Back, gleichzeitig kann er auch als isolierter Receiver Downfield gewinnen. Damit seine Stärken voll zur Geltung kommen, braucht es aber eine sehr spezifische Rolle - in Jacksonville hat er diese vom Start weg erhalten. Jay Gruden setzt Shenault genau auf diese Art ein: Mal als Running Back aus dem Backfield, mal im Slot, dann wieder bei Jet Sweeps und im nächsten Moment als isolierter X-Receiver. Das Spiel gegen die Dolphins unterstrich, dass Jacksonville Nummer-1-Receiver D.J. Chark braucht, um offensiv zu funktionieren - in diesem Tandem aber kann Shenault noch eine sehr gute Rookie-Saison spielen.

Antonio Gibson, RB, Washington: Gibson war eine der größeren Wildcards dieser Draft-Klasse. Ein Receiver, der im College vereinzelt als Runner eingesetzt wurde, kaum aber eine traditionelle Running-Back-Rolle bekleidete. In Washington waren sie offenbar optimistisch, dass er diese ausfüllen kann, und bisher rechtfertigt Gibson dieses Vertrauen. Die Statur dafür hat er ohnehin, doch Gibson hat auch bereits ein besseres Gefühl für Lücken und dafür, wie sich die Blocks vor ihm entwickeln, wenn er "klassisch" aus dem Backfield den Ball erhält, als erwartet. Jetzt muss Washington ihn nur noch im Passspiel besser und vielseitiger einsetzen, ihn häufiger auch mal in den Slot und nach außen ziehen, damit er auch wirklich diese Matchup-Waffe werden kann.

Javon Kinlaw, DT, 49ers: Ich mochte Kinlaw zwar Pre-Draft ziemlich, dachte aber, dass er deutlich mehr Zeit brauchen würde, um sich in der NFL zurechtzufinden. In der Run-Defense sieht man die Probleme auch nach wie vor, doch was er bereits als Pass-Rusher zeigt, ist mehr als ansprechend. Dass Kinlaw in seiner Rookie-Saison kein 1:1-Ersatz für DeForest Buckner sein kann, war absehbar - dass er den Niners aber seit dem ersten Spiel eine echte Interior-Pass-Rush-Präsenz gibt, könnte im Zuge der Ausfälle in der Defensive Line noch eine sehr große Rolle spielen.

Niko Backspin und Niklas Sonnenschein: Was machen die Giants falsch?

Man müsste es mit der traurigen Gegenfrage beantworten: Wo sind die Lichtblicke? Was gibt Hoffnung? Denn aktuell sehe ich ein Team, das auf der Stelle tritt - und ich habe nicht allzu viel Optimismus, dass sich das im Laufe dieser Saison gravierend ändern wird.

Die Offensive Line ist ein Problem, und selbst falls sich Rookie Andrew Thomas stabilisiert - abgesehen von Kevin Zeitler bleiben die anderen Spots Wackelkandidaten, insbesondere in Pass-Protection. Jason Garrett wirkt sehr vorsichtig, das Run-Game aber funktioniert überhaupt nicht und bei Daniel Jones häufen sich Woche für Woche schon wieder die Turnover.

Dann ist die Coverage weitestgehend wacklig, es fehlt die individuelle Qualität im Pass-Rush. Kurzum: Das ist einer der schwächsten Kader der Liga, zwar mit einzelnen positiven Ausreißern auf den offensiven Skill-Positionen sowie defensiv etwa in Person von Dexter Lawrence. Und ich sehe ein Risiko, dass die Giants nach diesem Jahr in einen radikalen Neustart gehen müssen. Mit neuem GM und potenziell auch neuem Coach sowie neuem Quarterback.

Die andere große Frage lautet: Was passiert, sollten die Giants den Nummer-1-Pick haben? Jones scheint intern ein hohes Standing zu haben - würde Dave Gettleman selbst bei einer derart verkorksten Saison im Amt bleiben? Und falls ja: Würde er dann sein Veto zugunsten von Daniel Jones einlegen?

Denn auch wenn Jones für mich in seiner bisherigen NFL-Karriere schon mehr positive Aspekte gezeigt hatte als ich erwartet habe, ist er nach wie vor einer der schlechtesten Starting Quarterbacks der Liga. Jones sollte keine Rechtfertigung dafür sein, sich einen Trevor Lawrence entgehen zu lassen.

Florian Braun: Wie werden wir Ende der Saison über Wentz, Darnold und Haskins denken?

Über Wentz hatte ich bereits gestern nochmals ausführlicher geschrieben, in meinen Augen beginnen für ihn jetzt die Wochen der Wahrheit. Die Eagles spielen jetzt gegen die 49ers, die Steelers und die Ravens - allesamt schwierige Aufgaben, doch die Chance, sich gegen eine machbarere Defense wieder in die Spur zu bringen, hat Wentz gerade gegen die Bengals liegen lassen.

Es ist somit alles andere als ausgeschlossen, dass Philadelphia ohne Sieg in das Woche-7-Duell mit den Giants geht, und sollte Wentz in den Spielen gegen deutlich unangenehmere Defenses nicht das Ruder herumreißen, wäre spätestens das ein Punkt, an dem man sehr ernsthaft über einen Quarterback-Tausch sprechen müsste. Die Saison wäre an dem Punkt selbstredend gelaufen und in Philadelphia wird man sich die Frage stellen müssen: Ist Wentz wirklich der Franchise-Quarterback?

Denn hier ist die ganz nüchterne Wahrheit: Wentz war über drei seiner ersten vier NFL-Jahre solide bis gut, mit einem krassen Ausreißer nach oben 2017. Doch nicht nur ist diese Saison jetzt drei Jahre her, Wentz war in jener 2017er Saison auch in allererster Linie schlichtweg herausragend bei Third Down - eine "Qualität", die statistisch selten über einen längeren Zeitraum auf einem so extremen Level bleibt. Also, was haben die Eagles in Wentz wirklich? Ich sehe die nächsten Wochen als ganz entscheidend für die Beantwortung dieser Frage - und war noch nie pessimistischer was Wentz' Bewertung angeht.

Zu Darnold und Haskins: Haskins ist bislang einer der schlechtesten Quarterbacks dieser Saison. Fraglos unter schwierigen Umständen, doch sollte Washington am Ende im Draft die Chance auf eines der Top-QB-Prospects haben, dürfte Haskins unter dem neuen Trainerstab und generell der neuen Führungsriege wenige Fürsprecher haben.

Ähnliches Bild mit Darnold. Ich gehe fest davon aus, dass die Jets im Frühjahr einen Top-3-Pick und einen neuen Coach haben werden. Und auch wenn Darnold in einzelnen Highlight-Plays sein theoretisches Potenzial nach wie vor andeutet, reicht das einfach nicht, um ihm dann nach drei Jahren nochmals eine Chance zu geben und dafür die Gelegenheit auf eines der Top-Quarterback-Prospects im Draft verstreichen zu lassen.

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