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NFL

Third and Long Week 3: "Haben wir uns bei den Packers geirrt?"

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt in seiner wöchentlichen Kolumne zurück auf den Spieltag in der NFL.

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Packers, Rookies, Giants und Playoffs - Eure Fragen

Andreas Castro: Haben wir uns bei den Packers geirrt? Haben sie letztes Jahr nicht über ihren Möglichkeiten gespielt, sondern waren real?

Den zweiten Teil der Frage würde ich mit einem klaren Nein beantworten. Die 2019er Packers haben letztlich deutlich mehr Siege eingefahren als die Leistungen auf dem Platz nahegelegt hätten. Das war ein inkonstantes Team mit einigen sehr glücklichen Siegen und wenigen überzeugenden Auftritten gegen die Top-Teams der Liga. Green Bay 2019 war grob zusammengefasst ein 10-Siege-Team, das 13 Spiele gewonnen und dann ein gutes Playoff-Spiel gegen ein Seahawks-Team, das sich zusätzlich selbst im Weg stand, abgeliefert hat.

Und trotzdem muss man nach drei Spielen sagen, dass die Packers bislang über drei Spiele deutlich besser spielen als ich erwartet hatte - beziehungsweise, man muss es eingrenzen: Aaron Rodgers und Matt LaFleur sind ein gutes Stück besser als gedacht, und hier lag ich selbst vor der Saison offensichtlich daneben.

LaFleur überrascht mich komplett mit seinem Play-Calling. Die Play-Action-Designs sehen exzellent aus, Green Bay kommt so zu seinen Big Plays und hat aber auch ein ausgeprägtes Kurzpassspiel via Play Action für einfache Completions und Yards nach dem Catch aufgezogen, und alles funktioniert extrem gut zusammen - das ist auch ein maßgeblicher Grund dafür, dass Green Bay, zudem hinter einer exzellenten Offensive Line, ein extrem gutes Run Game aufziehen kann.

Das hier etwa ist exemplarisch der Deep Shot zu Allen Lazard, kurz vor Green Bays erstem Touchdown:

Green Bay kommt bei First Down in einer typischen Run-Formation raus. Alles ist eng in der Mitte des Feldes komprimiert, und Green Bay gibt der Defense jede Menge Aspekte, die diese verarbeiten muss. Die Motion von links nach rechts beim Snap als potenzielle Ballübergabe, dann der angetäuschte Run nach rechts - die Saints-Defense reagiert, die Verteidiger machen unweigerlich mit dem Flow des Play-Designs einige Schritte zur Seite.

Das reicht, um Lazards Speed zünden zu lassen. Als sein Gegenspieler Marshon Lattimore merkt, was wirklich passiert, muss er bereits Boden auf den Receiver gut machen - und schafft das nicht mehr. Zwei Plays später standen die Packers in der Endzone.

Dazu ist eine Befürchtung mitnichten eingetreten, ganz im Gegenteil: Die Packers haben keineswegs den Schritt hin zu einer Run-First-Offense unternommen, sondern sind in neutralen Spielsituationen über die ersten drei Wochen eines der Pass-lastigeren Teams in der NFL. Um genau zu sein sind sie nach den Seahawks (wie wir natürlich alle dachten) Platz zwei, was Pass-Frequenz in neutralen Spielsituationen angeht.

Und dann ist da Rodgers selbst, der auf einem Level spielt, das ich ihm über mehrere Spiele so nicht mehr zugetraut hatte. Beide diese Dinge spielen natürlich zusammen - im Sinne von: Rodgers profitiert von dem, was LaFleur entwirft -, aber Rodgers' individuelle Klasse gerade bei Würfen in engste Fenster ist überdeutlich sichtbar. Und sie ist wichtig, denn bei allem Lob für LaFleur und für die Play-Designs ist auch klar zu beobachten: Die Packers brauchen diese Play-Designs und Rodgers in Topform, denn abgesehen von Davante Adams fehlen Green Bay wie befürchtet die Receiver, die konstant Eins-gegen-Eins-Duelle gewinnen würden.

An diesem Punkt lässt sich an die Offseason-Kritik anknüpfen, die ich nach wie vor für berechtigt halte, auch wenn die Packers eine der Positiv-Überraschungen dieser Saison sind - beide diese Dinge können zutreffen.

A.J. Dillon in Runde 2 und Josiah Deguara in Runde 3 zu wählen und abgesehen von Devin Funchess, der sich schließlich für einen Opt-Out entschied, nichts für die Receiver-Gruppe zu machen sind nicht plötzlich gute Entscheidungen, nur weil die Offense besser funktioniert als erwartet. Und obwohl die Offense bisher gut aussieht, war eben auch schon sichtbar, dass die individuelle Receiver-Qualität noch ein Thema werden kann.

Und so sind die Packers ein Team, das wunderbar versinnbildlicht, dass Analyse nur sehr selten mal strikt schwarz-weiß gesehen werden sollte. LaFleur und Rodgers gehören für mich zu den größten positiven Storylines dieser noch jungen Saison - und wie gut könnte die Offense noch werden, wenn man ernsthafte Ressourcen in einen Nummer-2-Receiver investiert hätte? Denn, und hier kann man den Bogen zum Einstieg schlagen: Die Defense ist nach wie vor ziemlich, ziemlich inkonstant. Green Bay kann sich nicht darauf verlassen, dass die Defense das Team tragen wird, sollte die Offense irgendwann für einige Spiele einen Durchhänger haben.

Prämiumsender: Welches 3-0-Team verpasst die Playoffs?

Die Chicago Bears sind hier die offensichtliche Antwort. Am Ende fragt erst einmal niemand, wie genau man seine Spiele gewonnen hat - wenn es aber darum geht, den weiteren Saisonverlauf vorherzusagen, dann spielt das "Wie" sehr wohl eine Rolle.

Die Bears hatten gegen Detroit eine späte Aufholjagd, als die dezimierte Lions-Defense in Coverage komplett eindimensional wurde und selbst dann muss Detroit das Spiel mit dem Pass zu De'Andre Swift eigentlich gewinnen. Es folgte ein unspektakulärer Sieg gegen ein sehr schwaches Giants-Team, sowie jetzt dieser Erfolg in Atlanta. Nochmal: Ein Sieg ist ein Sieg für die Tabelle, aber nichts von dem, was die Bears bisher machen, scheint sonderlich stabil für den Rest der Saison zu sein.

Ich sehe Nick Foles mit Blick auf die weiteren Partien als Upgrade gegenüber Trubisky, doch die Leistungen der Bears legen nicht nahe, dass hier ein ungeschlagenes Team steht - und die Verletzung von Tarik Cohen hilft natürlich wenig. Chicago, da bleibe ich bei meiner Preseason-Prognose, wird sich am Ende im grauen Mittelfeld einfinden und rund acht Spiele gewinnen.

Ansonsten würde ich unter den 3-0-Teams noch Tennessee herausstellen. Die Titans wackeln defensiv einfach enorm, sodass auch die Rückkehr von Adoree' Jackson nicht alles wieder ins Lot rücken wird. Und die Offense ist in Ordnung, gegen Minnesota gab es endlich auch mal wieder zwei tiefe Big Plays, insgesamt aber war es alles andere als ein gutes Spiel gegen ein sehr wackliges Vikings-Team.

Nicht nur könnte Left Tackle Taylor Lewan jetzt ausfallen, auch die Rückkehr von A.J. Brown ist weiter offen und generell läuft Tennessees Offense noch nicht so rund und effizient wie in den Hochphasen der vergangenen Saison. Tannehill zeigt Licht und Schatten und das Run-Game ist bestenfalls solide. Setzt sich das alles fort, werden die Colts die Lücke zu den Titans auch in der Tabelle bald schließen.

GerryG: Muss ich mir Sorgen um das Passspiel von Kyler Murray machen?

Von "Sorgen" darf man noch ein gutes Stück weit weg sein, und doch gibt es einen klaren Aspekt, in dem Murray besser werden muss: Er muss konstanter darin werden, die Coverage nach dem Snap zu lesen, wenn die Defense sieben (oder acht) Verteidiger in Coverage zurückfallen lässt.

Anders gesagt: Die meisten von Murrays gravierenden Fehlern als Passer kommen gegen einen 4-Men-Rush, wenn die Defense darauf bedacht ist, möglichst viele Räume in Coverage zuzustellen.

Gegen Detroit kam die zweite Interception so, als er aus komplett sauberer Pocket den Ball überhastet in ein Fenster warf, das nicht da war, und Jamie Collins den Ball abfing. Den dritten Pick warf er zwar, nachdem er Pressure ausgewichen war, doch auch hier hatte er außerhalb der Pocket Zeit und warf leicht in den Rücken von Hopkins, sodass Jeff Okudah die Lücke schließen konnte. Und eine vierte Interception hätte er haben müssen, als er wieder aus sauberer Pocket zu spät über die Mitte warf und womöglich seinem Arm zu sehr vertraute.

Inkonstantes Passing aus sauberer Pocket war bereits in seiner Rookie-Saison ein Thema, und hier muss sich Murray noch deutlich steigern. Gleichzeitig aber sah die Offense gegen die Lions phasenweise auch wieder sehr gut aus und bewegte den Ball mühelos.

Um ein ernsthaftes Wort unter den Playoff-Anwärtern mitzureden, muss die Offense konstant auf einem hohen Level spielen. Und das beginnt - bei allen Big Plays die, er als Runner liefert, und bei all den sehenswerten Pässen, die er auch gegen Detroit wieder hatte - bei Murrays Konstanz. Arizona braucht eine konstante Base-Line, und die wiederum kommt über die Production aus einer sauberen Pocket.

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