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NFL

Draft Grades: Packers stürzen ab - Giants und Cowboys überraschen

SPOX-Redakteur gibt sein Fazit zum NFL Draft 2020 für alle 32 Teams ab.

Draft Grades: NFC EAST

Dallas Cowboys

Die Picks: WR CeeDee Lamb (1. Runde), CB Trevon Diggs (2. Runde), DT Neville Gallimore (3. Runde), CB Reggie Robinson (4. Runde), C Tyler Biadasz (4. Runde), Edge Bradlee Anae (5. Runde), QB Ben DiNucci (7. Runde).

Die Analyse: Großes Potenzial für den Stand heute besten Draft dieser Klasse. Weil die Cowboys eben keine verrückten Trades eingefädelt haben, um krampfhaft ihre Spieler zu bekommen, und weil sie zusätzlich dazu ganz klar Value über Need priorisiert haben. Andernfalls hätten sie an Position 17 ähnlich wie die Niners oder Falcons davor ebenfalls ihre Cornerback-Baustelle adressiert, statt mit dem überraschend abgerutschten CeeDee Lamb den potenziell besten Receiver dieser Klasse zu picken.

Lamb und Cooper können beide im Slot und Outside gewinnen, und was definiert die NFL im Jahr 2020? Es ist das Passspiel. Die Cowboys haben offensiv jetzt eine spektakuläre Feuerkraft und sollten jeder Defense in der NFL Probleme bereiten können, wenn Lamb gegen Nummer-2- und Gallup gegen Nummer-3-Cornerbacks steht. Gewissermaßen wurde Dallas für diesen Mut noch belohnt, indem in Trevon Diggs ein sehr gutes Cornerback-Prospect bis zu ihnen in Runde zwei fiel.

Gallimore in Runde 3 als Gap-Shooter ist, genau wie Diggs, ein weiterer Hinweis darauf, dass Dallas defensiv in eine aggressivere Richtung geht. Kann ein Jahr hinter McCoy und Poe in der Rotation spielen und dann aufsteigen. Mit Biadasz hat Dallas zudem eines der spannenderen Center-Prospects in Runde 4 bekommen. Ein Elite-Run-Blocker mit jeder Menge Explosivität, der perspektivisch die Travis-Frederick-Nachfolge antreten könnte. Und mit Anae einen sofortigen Rotations-Pass-Rusher in Runde 5 zu bekommen rundet das Ganze ab.

Die Note: 1+.

Philadelphia Eagles

Die Picks: WR Jalen Reagor (1. Runde), QB Jalen Hurts (2. Runde), LB Davion Taylor (3. Runde), S K'Von Wallace (4. Runde), OT Jack Driscoll (4. Runde), WR John Hightower (5. Runde), LB Shaun Bradley (6. Runde), WR Quez Watkins (6. Runde), OT Prince Tega Wanogho (6. Runde), LB Casey Toohill (7. Runde).

Die Analyse: Wenn wir davon reden, den Prozess eines Teams zu bewerten, dann muss man bei den Eagles mit dem zweiten Pick beginnen: Man mag über Jalen Hurts sportlich unterschiedlicher Meinung sein; ich selbst hatte ihn als Late-Third-Rounder mit dem Potenzial, der beste Backup-Quarterback der Liga zu werden. Aber die Idee, einen Spieler, der im Idealfall nie das Feld sieht, mit dem zweitwertvollsten eigenen Pick zu draften, passt was den Prozess und eben den Value des Picks angeht einfach nicht zusammen.

Das ändert sich auch nicht, wenn die Eagles ihm vielleicht ein paar Taysom-Hill-ähnliche Plays geben; und sollte es in Philadelphia tatsächlich Meinungen geben, dass man hohe Ressourcen investieren muss, weil man nicht glaubt, dass Carson Wentz fit bleibt - nun, dann sollte man sich eher früher als später nach einem neuen Starting-Quarterback umschauen.

Der Punkt mit den Eagles ist: Ansonsten war das einer der stärksten Drafts dieser Klasse. Philly fehlte es an Explosivität, Reagor, Hightower und Watkins (sowie Marquise Goodwin, der per Trade sehr günstig aus San Francisco kam, hier in die Bewertung aber nicht einfließt), werden dieses Problem komplett vergessen lassen. K'Von Wallace ist ein extrem guter Tackler, wahnsinnig kompakt gebaut und könnte im Slot starten. Driscoll bringt mindestens Swing-Tackle-Potenzial mit, genau wie Wanogho, der aufgrund seiner Knieprobleme fiel.

Das ist eine unheimlich vielversprechende Draft-Klasse unter dem Strich, mit einigen Fragezeichen was den Gedankengang hinter dem Hurts-Pick an 53 Overall angeht.

Die Note: 2+.

New York Giants

Die Picks: OT Andrew Thomas (1. Runde), S Xavier McKinney (2. Runde), OT Matt Peart (3. Runde), CB Darnay Holmes (4. Runde), OG Shane Lemieux (5. Runde), LB Cam Brown (6. Runde), LB Carter Coughlin (7. Runde), LB T.J. Brunson (7. Runde), CB Chris Williamson (7. Runde), LB Tae Crowder (7. Runde).

Die Analyse: Es gibt zwei Teamverantwortliche, die mit ihrer Herangehensweise in diesem Draft am meisten überrascht haben - und beide sind in der NFC East: Cowboys-Boss Jerry Jones, sowie Giants-GM Dave Gettleman. So viele vermuteten Mekhi Becton mit dem Nummer-4-Pick, den zwar rohen, aber physisch wahnsinnig imposanten Tackle; Gettleman nahm den technisch deutlich weiteren sowie links und rechts einsetzbaren Andrew Thomas, um Daniel Jones zu beschützen.

In Runde 2 wären vermeintliche Gettleman-Spielertypen wie Epenesa oder Willie Gay verfügbar gewesen - er nahm McKinney, den ultra-flexiblen Bama-Safety und ein Top-10-Prospect auf meinem Board. Peart hat Starter-Tackle-Potenzial, wenn er sich physisch noch entwickeln kann; wenn man sich nach der nächsten Saison von Solder trennt, könnte Thomas auf links und Peart auf rechts starten. Ein Pick mit Weitsicht.

Holmes in Runde 3 war ein sehr guter Pick, ein Cornerback mit irrem athletischen Upside, der ebenfalls nicht direkt starten muss. Und selbst Lemieux in Runde 5 dahinter legt eine gewisse Weitsicht nahe, ein Mauler im Run Game, der Kevin Zeitler in zwei Jahren beerben könnte. Die Giants haben hier zwei sofortige sowie potenziell bis zu drei perspektivische Starter gefunden. Einzig ein Outside-Receiver früh an Tag 3 wäre noch wünschenswert gewesen.

Die Note: 1-.

Washington Redskins

Die Picks: Edge Chase Young (1. Runde), RB Antonio Gibson (3. Runde), OT Saahdiq Charles (4. Runde), WR Antonio Gandy-Golden (4. Runde), OL Keith Ismael (5. Runde), LB Khaleke Hudson (5. Runde), S Kamren Curl (7. Runde), Edge James Smith-Williams (7. Runde).

Die Analyse: An Chase Young ist natürlich absolut nichts auszusetzen. Man kann über "Pass-Rush vs. Coverage" diskutieren, aber Young ist schlicht auch das deutlich bessere Prospect als etwa Jeffrey Okudah, sodass ein möglicher Unterschied im Wert der Positionen durch die unterschiedliche Qualität der Spieler ausgeglichen wird. Ohne Trade-Down ein No-Brainer-Pick.

Allerdings, ähnlich wie bei den Bengals mit Burrow, war hier der ganz große Schwierigkeitsgrad auch nicht gegeben - und was passierte danach? Gibson ist ein super spannender Running-Back-Receiver-Hybrid; Runde 3 allerdings war doch sehr früh. Charles ist ein reines Projekt, auch Ismael wird noch länger Zeit brauchen, rein physisch gesehen.

Aus Value-Sicht war der physische Possession-Receiver Gandy-Golden in Runde 4 vermutlich Washingtons bester Pick, auch wenn die Redskins mit Kelvin Harmon einen nicht unähnlichen Receiver-Typ bereits in ihrem Kader haben. Gandy-Golden allerdings ist ein besserer Route-Runner. Auch ohne Zweitrunden-Pick hätte ich gerade in der Offensive Line auf mehr sofortige Hilfe für Dwayne Haskins nach dem Young-Pick gehofft.

Die Note: 3+.

Draft Grades: NFC NORTH

Chicago Bears

Die Picks: TE Cole Kmet (2. Runde), CB Jaylon Johnson (2. Runde), Edge Trevis Gipson (5. Runde), CB Kindle Vildor (5. Runde), WR Darnell Mooney (5. Runde), OT Arlington Hambright (7. Runde), OT Lachavious Simmons (7. Runde).

Die Analyse: Mit Jaylon Johnson in Runde 2 könnte Chicago einer der besseren Picks dieses Drafts gelungen sein. Auf meinem Board ein Top-25-Prospect, viel wichtiger aber: Ein herausragender Scheme-Fit. Johnson als Zone-Corner mit Antizipation und Spielintelligenz könnte in Chicago eine Turnover-Maschine werden. Die Bears blitzten unter Pagano nicht so aggressiv wie vermutet, aber sie waren extrem flexibel darin und brachten Blitzer von überall her. Bleibt es eine Art Hybrid-Defense zwischen Fangio und Pagano, wird Johnson darin bestens aufgehoben sein.

Cole Kmet dagegen war für mich einer der schlechtesten Picks in Runde 2. Aus eigener Analyse-Sicht - Kmet war mein Nummer-5-Tight-End mit einer Viertrunden-Grade -, aber auch was das Roster Building angeht. Chicago hatte im Moment des Picks zehn Tight Ends im Kader, gerade erst Jimmy Graham gut bezahlt; und Kmets Upside ist athletisch einfach limitiert, dazu ist er nicht der dominante TE-Blocker, den man angesichts seiner Statur erwarten könnte.

Darüber hinaus stört mich bereits seit einer Weile die generelle Draft-Strategie der Bears. Trotz limitierter Draft-Ressourcen ging man erneut zwei Mal für Spieler hoch, in Runde 5 für Mooney und Gipson ließen sich die Bears einen 2021er Viertrunden-Pick kosten. Keine schlechten Spieler, gerade Gipson könnte in zwei, drei Jahren wirklich interessant werden. Aber die Idee, sie als "müssen wir haben"-Prospects zu bewerten, ist schwer nachvollziehbar.

Die Note: 3-.

Detroit Lions

Die Picks: CB Jeff Okudah (1. Runde), RB D'Andre Swift (2. Runde), Edge Julian Okwara (3. Runde), OG Jonah Jackson (3. Runde), OG Logan Stemberg (4. Runde), WR Quintez Cephus (5. Runde), RB Jason Huntley (5. Runde), DL John Penisini (6. Runde), DL Jashon Cornell (7. Runde).

Die Analyse: Okudah als bester Cornerback der Klasse für ein Scheme, das Man Coverage und Coverage insgesamt glasklar in den Fokus rückt, ist ein perfekter Fit und abgesehen von einem Downtrade der No-Brainer-Pick für die Lions an 3. Gut für Detroit, dass die Derrick-Brown-Gerüchte hier nicht stimmten. Okwara in Runde 3 ist für mich fantastischer Value auf einer großen Baustelle im Lions-Kader, Jackson könnte der beste Pass-Blocking-Guard dieser Klasse und Stemberg der beste Run-Blocking-Guard dieser Klasse werden.

Man kann darüber diskutieren, wie sinnvoll es ist, Guards in Runde 3 und Runde 4 zu nehmen - aus Positional-Value-Sicht eine der am weitesten hinten anzusiedelnden Positionen. Zumindest aber hatte Detroit hier einen großen Need und beide könnten als Rookie starten.

Okudah, Okwara und Jackson heben die Klasse also schon ordentlich an, Cephus könnte zusätzlich eine Possession-Underneath-Option neben Marvin Jones und Kenny Golladay werden. Allein: Warum draften die Lions D'Andre Swift 35 Overall? Mit Xavier McKinney, Grant Delpit, Trevon Diggs oder auch A.J. Epenesa, der ein hervorragender Scheme-Fit gewesen wäre, noch auf dem Board? Das ist in puncto Prozess kaum zu begreifen. Swift ist ein toller Spieler und ein echter Receiving-Back, doch ist das bei der Kritik hier nicht der Punkt.

Die Note: 2.

Green Bay Packers

Die Picks: QB Jordan Love (1. Runde), RB A.J. Dillon (2. Runde), TE Josiah Deguara (3. Runde), LB Kamal Martin (5. Runde), OL Jon Runyan (6. Runde), OL Jake Hanson (6. Runde), OL Simon Stepaniak (6. Runde), S Vernon Scott (7. Runde), Edge Jonathan Garvin (7. Runde).

Die Analyse: Der große "Was um alles in der Welt"-Draft. Der offensichtliche Punkt zuerst: Jordan Love hat einen tollen Arm und einen spektakulären Release, und die Situation in Green Bay - wo er ein bis zwei Jahre sitzen und lernen kann gerade auch was das Spielverständnis angeht - ist für ihn ideal. Und auch wenn ich Love noch ein gutes Stück tiefer als Mitte der ersten Runde hatte, würde ich nicht einmal den Uptrade kritisieren: Wenn man einen Quarterback als seinen Franchise-QB der Zukunft ausgemacht hat, sollte man sich den holen.

Dann aber wurde es wild, und zwar sehr. A.J. Dillon war für mich ein Siebtrunden-Prospect; ein Running Back, der Platz braucht, um Tempo aufzunehmen und dann eben Physis mit Power kombinieren kann, als Receiver aber kaum eine Rolle spielen wird. Eine schlechte Version von Derrick Henry, und selbst mit der Idee, dass Aaron Jones nach der kommenden Saison Free Agent wird, war das unglaublich hoch für Dillon. Gleiches gilt für Deguara, der - wie Coach Matt LaFleur bereits bestätigt hat - in die H-Back/Fullback-Rolle mutmaßlich ähnlich zu der von Kyle Juszczyk in San Francisco rutschen wird.

Damit aber kommt man vielleicht auch zum Kern des ganzen Ansatzes in Green Bay: Dieser Draft schreit förmlich danach, dass Matt LaFleur die Offense seines einstigen Lehrmeisters Kyle Shanahan nachbauen will. Daran ist zunächst einmal nichts auszusetzen, doch die Entscheidungen in diesem Draft senden deutliche Warnsignale: Bei der Idee, Shanahans Offense nachzubauen, priorisierten die Packers den Running Back und den Fullback - und das ist aus Value-Sicht komplett daneben.

Shanahans Offense ist nicht so gefährlich, weil Juszczyk gelegentlich als Matchup-Waffe ein Big Play hat. Ihre Qualität liegt auch nicht darin, dass sie den besten Running Back aufs Feld schickt, die vergangene Saison hat das eindrucksvoll untermauert. Die Qualität liegt in den Play-Designs, in der Offensive Line, und in den After-Catch-Kapazitäten der Receiver und Tight Ends. Die Packers, so lässt sich dieser Draft deuten, in dem sie Scheme-Fits gedraftet, dafür aber irre viel bezahlt haben, wollen die Grundidee der Shanahan-Offense umsetzen, halten dafür aber die Value-Tabelle falsch herum.

Die Note: 5.

Minnesota Vikings

Die Picks: WR Justin Jefferson (1. Runde), CB Jeff Gladney (1. Runde), OT Ezra Cleveland (2. Runde), CB Cameron Dantzler (3. Runde), Edge D.J. Wonnum (4. Runde), DT James Lynch (4. Runde), LB Troy Dye (4. Runde), CB Harrison Hand (5. Runde), WR K.J. Osborn (5. Runde), OL Blake Brandel (6. Runde), S Josh Metellus (6. Runde), Edge Kenny Willekes (7. Runde), QB Nate Stanley (7. Runde), S Brian Cole II (7. Runde), OL Kyle Hinton (7. Runde).

Die Analyse: "Ausufernd" beschreibt diesen Draft wohl am besten. Die Vikings gingen bereits mit zwei Erstrunden-Picks in den Draft, und nach einigen Downtrades mit 13 (!) Day-3-Picks in den Schlussspurt. Minnesota nutzte dieses Kapital, um bereits einen zusätzlichen Viert- und Fünftrundenpick 2021 zu ertraden; dieser Value fließt hier definitiv mit rein.

Die beiden Cornerbacks, Gladney und Dantzler, sollten hervorragend zu Mike Zimmer passen, es sind meine beiden Top-Picks in dieser Klasse. Cleveland in Runde 2 ist ebenfalls Value, mit der Frage dahinter, ob Josh Jones nicht die bessere Option gewesen wäre. Aber der generelle Ansatz, Cornerback, Receiver und Offensive Line zu priorisieren, gibt ebenfalls Pluspunkte aus strategischer Sicht.

Über die Auswahl mit dem ersten Pick lässt sich streiten. Jefferson ist ein sehr guter Slot-Receiver, aber vermutlich auch nicht mehr - hätte Minnesota nicht ein X-Receiver wie etwa Tee Higgins oder Denzel Mims besser zu Gesicht gestanden, auch damit Adam Thielen flexibler eingesetzt werden kann? Das aber ist fraglos Klagen auf hohem Niveau. Troy Dye in Runde 4 könnte als Box-Cover-Matchup-Spieler ebenfalls eine gute Rolle bekommen. Gute Strategie, mehrere sehr gute Picks, ein paar kleine Kritikpunkte.

Die Note: 1-.

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