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"Er hat eine Zielscheibe auf der Brust": Erkenntnisse zu Spiel 3 der NBA Finals zwischen den Dallas Mavericks und Boston Celtics

Von Ruben Martin
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Ein Sieg fehlt Boston noch zum NBA-Titel: Die Celtics haben in den Finals einfach viel mehr Spielraum für Fehler - so werden auch bekannte Schwächen am Ende wettgemacht. Die Dallas Mavericks dagegen können die schlechte Defense von Superstar Luka Doncic nicht mehr auffangen. Erkenntnisse zu Spiel 3.

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Hier entlang zur Analyse von Spiel 3 und den Einzelnoten zu allen Spielern.

Spiel 4 findet in der Nacht auf Samstag (2.30 Uhr) statt.

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NBA Finals: Die Celtics sind zu gut zum Scheitern

Dass die Celtics die Finals gewinnen werden, ist mittlerweile natürlich keine steile These mehr. Die Statistik ist bekannt: Keine von bisher 153 Mannschaften hat bei einem Vorsprung von 3-0 in einer Serie noch verloren. In den Finals war dies zwölfmal der Fall, siebenmal wurde in Spiel 4 der Sweep perfekt gemacht. Es ist wohl also nur eine Frage der Zeit, bis Jayson Tatum, Jaylen Brown und Co. triumphal die Larry O'Brien Championship Trophy gen Himmel recken dürfen.

Hätte es überhaupt anders kommen können? Im Nachhinein muss man sagen: wohl kaum. Die Mavericks haben mit ihrer starken Serie gegen Minnesota überzeugt, nachdem die Wolves zuvor mit dem Triumph in der hart umkämpften Serie gegen den Titelverteidiger aus Denver auf sich aufmerksam gemacht hatten. So zog Dallas auch mich in seinen Bann, wie den Redaktionstipps vor Beginn der Serie zu entnehmen ist.

Doch spätestens in Spiel 2 wurde klar, dass Boston auf einem anderen Level agiert als Dallas, Minnesota, und alle anderen Mannschaften dieser Saison. Vielleicht wären die Nuggets mit Nikola Jokic ein schwieriges Matchup gewesen, doch mit dem heutigen Wissen wäre Boston auch in dieser Serie als Favorit einzuschätzen. Bei vielen Serien kann man im Nachhinein sagen, dass für einen anderen Sieger nur ein paar Kleinigkeiten hätten anders laufen müssen. So wie die Finals bislang laufen, fällt dieses Argument allerdings schwer.

Schließlich lief für Boston bisher lange nicht alles optimal, und dennoch steht es 3-0. Center Kristaps Porzingis machte zwar ein richtig gutes Spiel und danach immerhin ein solides, war in diesen Partien jedoch limitiert in seinen Minuten und fehlte in Spiel 3 komplett. Aufseiten von Dallas spielten in Kyrie Irving und Dereck Lively der zweit- und drittwichtigste Spieler diesmal richtig gut, dennoch reichte es nicht.

NBA Finals: Die Kluft zwischen Dallas und Boston ist zu groß

Klar, Doncic und die übrigen Reservisten hätten besser spielen können. Aber das ist der Punkt: Bei Dallas müsste fast jeder eingesetzte Spieler an seiner oberen Leistungsgrenze kratzen, um überhaupt ein Spiel gegen Boston gewinnen zu können. Oder umgekehrt müsste bei Boston eben sehr viel schief laufen.

Doch in Jayson Tatum trifft der vermeintlich beste Spieler der Celtics bereits nur 35,9 Prozent seiner Würfe in den Finals. Auch von Downtown hatte Boston bisher recht viel Pech. Die Celtics schießen die ganze Serie über quasi nur freie Dreier, weil sie konstant zum Korb ziehen können und immer jemand frei an der Linie steht. Das komplette Team muss von dort respektiert werden, in Spiel 3 traf sogar Porzingis-Ersatz Xavier Tillman direkt bei seinem ersten Distanzversuch der Postseason. Dementsprechend hatten die Mavs eher Glück, dass sie nicht noch übler unter die Räder kamen.

Man konnte dem West-Champion vor der Serie gute Chancen zuschreiben, weil Doncic und Irving gerade in der Crunchtime die Fähigkeit haben, die zwei besten Spieler auf dem Parkett zu sein. Das war bisher aber nicht der Fall. Darüber hinaus wurde zudem unterschätzt, wie überlegen die Celtics bei den Spieler 3-6 sind. Ist Jrue Holiday nun der drittbeste Spieler, mit sechs Nominierungen im All-Defense-Team? Oder Porzingis, der riesige Shotblocker mit gefährlichem Dreier und stark verbessertem Post-Up? Oder entscheidet man sich doch für Derrick White, einen der besten Guard-Verteidiger der Saison? Diese schwere Wahl zeigt schon, wie hoch die Qualität beim Champion in spe ist.

Zum Vergleich: Bei den Mavs müsste man sich bei der Wahl der dritten Geige wohl zwischen Dereck Lively II und P.J. Washington entscheiden. Bei allem Respekt an die starke Rookiesaison des Centers wird klar, wo hier der Unterschied liegt. Offensichtlich hat man Doncic und Irving etwas zu viel zugetraut, ohne nennenswerte Hilfe gegen eine absolute Elite-Defense. Ein Beispiel: In der ersten Hälfte von Spiel 3 gab es ganze vier Körbe, die nicht durch Doncic oder Irving erzielt oder vorbereitet wurden. Das Duo war an 41 von 50 Punkten direkt beteiligt.

Mavericks vs. Celtics: Die Stats-Leader in der Übersicht

KategorieMavericksCeltics
PunkteKyrie Irving (35)Jayson Tatum (31)
ReboundsDereck Lively II (13)Jaylen Brown (8)
AssistsLuka Doncic (6)Jaylen Brown (8)
StealsDereck Lively II (2)Al Horford (2)
BlocksDaniel Gafford (1)White/Tillman (2)
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NBA Finals: Luka Doncic muss besser verteidigen (können)

Zudem lässt sich jetzt auch festhalten, dass über die Defense von Irving und Doncic zu wenig gesprochen wurde. Angesichts der bisherigen Finals ist es umso beeindruckender, was die übrigen Mavs im Playoff-Verlauf aufgefangen haben und wie Coachg Jason Kidd um die Schwächen seiner Superstars herumgeplant hat. Daniel Gafford und Dereck Lively II haben sehr viel geholfen, auch die Flügelspieler um Derrick Jones Jr. und P.J. Washington wurden zurecht gelobt.

Boston ist mit seinem Arsenal an Dreierschützen perfekt dafür ausgestattet, die Schwächen von Doncic und Irving zu bestrafen. Joe Mazzulla gelingt es mit seinem Scheme exzellent, die Big Men Gafford und Lively abseits des Balls zu beschäftigen, sodass ihr Weg als Help-Defender zu weit ist. Selbst wenn sie doch rechtzeitig und aus guter Position helfen können, kann Boston die Rotation der Mavs bestrafen. Lively wirkte in Spiel 1 und 2 teilweise richtiggehend verloren. Verständlich für einen 20 Jahre alten Rookie, aber dennoch ungewohnt.

Was seine Defense angeht, darf er sich auch bei Doncic bedanken. Man fühlt sich an den letzten Playoff-Lauf der Utah Jazz mit Rudy Gobert erinnert: Seine Vordermänner verteidigten da zeitweise so schlecht, dass das selbst der mehrfache Defensive Player of the Year das nicht mehr auffangen konnte - hatte er etwa nachgelassen? Mit besseren Verteidigern vor ihm war er in Minnesota dann jedoch prompt wieder der König der Verteidiger.

Davon kann in Dallas keine Rede sein. Wobei man trennen muss: Irving verteidigt "normal" schlecht, so wie viele der Offensivstars, die sich irgendwann leisten konnten, ihre Defense zu vernachlässigen. Zudem stimmte im Playoff-Verlauf sein Einsatz. Für einen schwachen Verteidiger können die meisten Teams gut im Verband kompensieren, manchmal sogar für zwei. Doch wie Doncic bisher in einigen Phasen der Finals verteidigte, das kann nicht mehr aufgefangen werden. "Er hat eine Zielscheibe auf der Brust", fasste Kidd zusammen: "Er muss verteidigen können."

Seine vielen Verletzungen spielen sicher eine Rolle, doch Doncic agierte teilweise auch einfach zu unkonzentriert. In seiner verheerendsten Sequenz war er zudem mehr mit den Schiedsrichtern beschäftigt als mit dem Weg zurück in die Defense. "Wir konnten nicht körperlich spielen", wollte er sich anschließend herausreden: "Sechs Fouls in den NBA Finals ... Komm schon, Mann. Das muss besser sein." Darüber kann man streiten. Über folgende Tatsache aber nicht: Besser muss vor allem er selbst sein.

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NBA Finals: Die Celtics machen weiter bekannte Fehler

Es dürfte ihnen in den Finals höchstwahrscheinlich nicht mehr zum Verhängnis werden, dementsprechend wird es kein so großes Thema sein wie in der Vergangenheit. Aber sowohl Jaylen Brown als auch Jayson Tatum werden den ein oder anderen Celtics-Fan wieder zur Weißglut getrieben - und schmerzhaft an die Playoff-Pleiten der vergangenen Jahre erinnert haben - , als sie mal wieder ohne erkennbaren Grund einen Stepback-Dreier mit 10 Sekunden auf der Wurfuhr nahmen.

Das ist vor allem dann unverständlich, wenn sie mit fast jedem Zug zum Korb Erfolg haben und 82 Prozent ihrer Abschlüsse am Ring treffen. So machten die Mavs aus einem 70:91 im Schlussviertel noch ein 92:93. Tatum selbst war in einer Auszeit zu hören, wie er an seine Teamkollegen appellierte: "Wir kriegen gute Würfe, aber wir können noch bessere kriegen. Begnügt euch nicht mit Stepbacks, außer die Wurfuhr läuft ab. Da nehme ich mich selber nicht raus. Zieht weiter zum Korb und wir kriegen einen guten Wurf." Sprachs - und nahm 1:35 Minuten vor dem Ende einen ganz schrecklichen Sidestep-Dreier.

"Wir sind eine neue Mannschaft. Wir haben aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt", erklärte Brown nach dem Spiel. Angesichts einer Bilanz von 15-2 in der Postseason kann man den Celtics nicht viel vorwerfen. Aber ganz abgelegt hat man die Fehler der Vergangenheit nicht.

Brown nahm in der Schlussminute ebenfalls einen schwierigen Jumper, anstatt nach einem besseren Wurf zu suchen. Doch er traf. Und wer trifft, hat am Ende Recht. Ob die Celtics in dieser Hinsicht so viel gelernt haben, oder einfach anderweitig besser geworden sind, die Diskussion kann dann in der kommenden Saison fortgesetzt werden. "Wer weiß, ob wir so ein Spiel in der Vergangenheit verloren hätten", sagte White: "Aber wir haben nun einfach so viele Wege, Spiele zu gewinnen."

NBA Finals - Celtics vs. Mavericks: Die Serie in der Übersicht

SpielDatumUhrzeitHeimAuswärtsErgebnis
17. Juni (Fr)2.30 UhrBoston CelticsDallas Mavericks107:89
210. Juni (Mo)2 UhrBoston CelticsDallas Mavericks105:98
313. Juni (Do)2.30 UhrDallas MavericksBoston Celtics99:106
415. Juni (Sa)2.30 UhrDallas MavericksBoston Celtics
5*18. Juni (Di)2.30 UhrBoston CelticsDallas Mavericks
6*21. Juni (Fr)2.30 UhrDallas MavericksBoston Celtics
7*24. Juni (Mo)2 UhrBoston CelticsDallas Mavericks