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NBA

NBA Finals - Wie Stephen Curry nach dem schlechtesten Meeting aller Zeiten bei Under Armour landete

Von Ole Frerks
Stephen Curry gehört seit Jahren zu den populärsten NBA-Spielern.

Stephen Curry ist in der NBA das Gesicht von Under Armour und mittlerweile sogar Teilhaber an dem Unternehmen. Dabei startete seine Karriere einst bei Nike - und der 34-Jährige wollte nicht unbedingt etwas daran ändern. Doch dann fand ein denkwürdiges Meeting statt ...

Stephen Curry ist mit seinen Golden State Warriors nur noch einen Sieg von der Championship entfernt, es wäre die vierte seit 2015. Selbst ohne einen weiteren Ring gehört der 34-Jährige zu den Legenden des Sports, zu den prägenden Spielern dieser Ära - und zweifellos auch zu den Spielern mit dem größten Marketing-Potenzial.

Seine Spielweise begeistert, seine "kleine" Statur lässt viele Leute glauben, dass sie das, was er tut, vielleicht auch tun könnten, auch wenn das logischerweise Unsinn ist - aber das ist unerheblich. Curry ist neben LeBron James die größte NBA-Attraktion der letzten Dekade, und er ist aktuell auf Kurs für seinen ersten Finals-MVP-Award.

Und er trägt dabei: Schuhe von Under Armour. Das ist in der NBA eigentlich unerhört für Spieler mit seinem Status - angefangen mit Michael Jordan, über Kobe Bryant, LeBron James oder Kevin Durant tragen die größten Superstars in aller Regel Nike, kriegen vom in Oregon ansässigen Unternehmen teilweise ihr eigenes Logo.

Auch Curry war mal ein Nike-Athlet - er blieb es aber nicht, 2013 erfolgte der Wechsel zu Under Armour. Den Ausschlag dafür gab eine der schlechtesten Business-Präsentationen aller Zeiten.

Stephen Curry war nicht immer ein Superstar

Ein kurzer Blick zurück. Curry kam 2009 vom kleinen Davidson College in die NBA, war ein Nr.7-Pick mit Potenzial, aber nicht der Überflieger, als den man ihn später kennenlernte. Er unterschrieb einen gewöhnlichen Schuh-Deal bei Nike, wie ihn damals rund zwei Drittel aller NBA-Spieler hatten - kein eigener Schuh, aber eben ein Ausrüstervertrag.

Der Deal lief bis 2013 - bis dahin hatte Curry ein Jahr mit großen Knöchelproblemen (11/12), aber auch mehrere vielversprechende Saisons hingelegt. Speziell in der 12/13er Saison ging sein Stern auf, als er unter anderem ein 54-Punkte-Spiel im New Yorker Madison Square Garden hinlegte und einen Rekord für Dreier in einer Saison (272) aufstellte.

Zur Einordnung: Curry hat diese Marke seither SECHSMAL übertroffen, alle anderen NBA-Spieler zusammen immerhin siebenmal. Der derzeit gültige Rekord steht bei 402 und wurde von Curry im Jahr 2015/16 aufgestellt.

Nike und Stephen Curry: Ein denkwürdiges Meeting

Ganz so weit war man 2013 noch nicht, Star-Potenzial hatte Curry dennoch bewiesen - aber nicht genug, nach Ansicht von Nike, um Priorität zu genießen. Spieler wie Kyrie Irving oder Anthony Davis hatten von der jüngeren Spieler-Generation ein größeres Ansehen, Curry wurde unter anderem der Wunsch nach einem eigenen Basketball-Camp verwehrt.

Es gab also bereits eine gewisse Irritation auf Seiten Currys, als im August 2013 ein Gespräch über eine Vertragsverlängerung anstand. Diese Irritation wuchs jedoch schnell, aus mehreren Gründen. Zum einen schickte Nike kein "hohes Tier" zum Meeting, ein Zeichen, dass es nicht das wichtigste Gespräch in diesen Tagen war. Aber es war nicht das letzte Zeichen.

Ein Nike-Mitarbeiter begrüßte Curry als "Steph-ON", wie sich Dell Curry, der ebenfalls dabei war, später bei ESPN erinnerte. "Ich hatte schon öfter gehört, dass Leute seinen Namen falsch aussprechen. Das hat mich nicht überrascht. Was mich überrascht hat, war, dass es keine Korrektur gab." Und so in der Art ging es weiter.

Nike öffnete die Tür für Under Armour

In einem Teil der vorbereiteten Präsentation tauchte der Name von Kevin Durant auf, wohl deshalb, weil anscheinend einfach eine alte Präsentation wiederverwendet worden war, wie Dell Curry spekulierte. "Danach habe ich nicht mehr wirklich aufgepasst", sagte Currys Vater, auch wenn er immerhin mitbekam, dass Nike auch weiterhin keinen Signatur-Schuh für seinen Sohn geplant hatte.

"Sie hatten Kobe, LeBron und Durant, das waren ihre drei Hauptdarsteller. Wenn wir geblieben wären, dann in der zweiten Reihe." Ein Angebot gab es dennoch, 2,5 Mio. Dollar pro Jahr hätte Nike Curry bezahlt. Die Tür für einen anderen Mitbewerber war nach diesem Meeting dennoch offen.

Dieser Mitbewerber war Under Armour - bis dahin eigentlich in erster Linie ein Football-Ausrüster, der jedoch sein Portfolio erweitern wollte. In Kent Bazemore hatte das in Baltimore ansässige Unternehmen sogar bereits einen Mitspieler von Curry in seinem Roster, der schon während der Saison permanent für einen Wechsel lobbyierte.

Kent Bazemore riet Curry zum Wechsel

Bazemore tat das aus eigenem Antrieb, wie er selbst 2016 in der Dan Le Batard Show behauptete. "Ich habe keine Scham, wenn es um die Marke geht. Ich nenne Under Armour ständig. Steph sagte, dass sein Deal ausläuft. Ich habe ihm gesagt: 'Komm hierher, hol' dir deinen eigenen Schuh.' Ich habe darüber mit niemandem geredet, ich habe ihm einfach all diese Dinge versprochen."

Ob es nun an Bazemore lag oder nicht, tatsächlich war Under Armour interessiert und unterbreitete Curry ein Angebot mit 4 Mio. Dollar jährlich und einem eigenen Signatur-Schuh. Curry sagte zu, das hatte zunächst aber gar nicht so viel zu bedeuten. Nike musste mitspielen, um diesen Wechsel wirklich zu ermöglichen.

Denn: Curry war im Prinzip Restricted Free Agent - will sagen, Nike konnte mit dem Angebot gleichziehen. Es hätte gereicht, wenn sie ihr Angebot um 1,5 Mio. Dollar jährlich aufgebessert hätten, dann hätte er bleiben müssen - Horror-Meeting hin oder her.

Nike unterschätzte Stephen Curry

Haben sie aber nicht. Letzten Endes hat die Firma mit dem Swoosh, die in der NBA nach wie vor wichtiger ist als jede andere, das Potenzial von Curry unterschätzt, so wie diverse Colleges, (mindestens) sechs NBA-Teams im Draft und unzählige andere. Auf seinen kometenhaften Aufstieg zum zweimaligen MVP und (bisher) dreimaligen Champion war eben niemand so wirklich vorbereitet.

Ihre Spitzenposition am Markt haben sie trotzdem behalten, die meisten der größten Namen werden trotzdem weiterhin von Nike ausgestattet, die meisten Schuhe von ihnen verkauft, zumal Air Jordan lose ja auch immer noch zu ihnen gehört. Verkraften konnten sie den Verlust unterm Strich sicherlich.

Das Meeting hätte man rückblickend vermutlich trotzdem gerne anders gestaltet. Eine eigene Power Point hätte Curry wohl doch verdient gehabt.

NBA Finals - Warriors vs. Celtics: Die Serie im Überblick (3-2)

SpielDatumUhrzeitHeimAuswärtsErgebnis
13. Juni3 UhrGolden State WarriorsBoston Celtics108:120
26. Juni2 UhrGolden State WarriorsBoston Celtics107:88
39. Juni3 UhrBoston CelticsGolden State Warriors116:100
411. Juni3 UhrBoston CelticsGolden State Warriors97:107
514. Juni3 UhrGolden State WarriorsBoston Celtics104:94
617. Juni3 UhrBoston CelticsGolden State Warriors-
7*20. Juni2 UhrGolden State WarriorsBoston Celtics-

*falls nötig

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