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NBA

NBA Finals - Wie Bucks-Forward P.J. Tucker in Bamberg seine Karriere rettete: "Er war wie ein wilder Stier"

P.J. Tucker kam erst kurz vor der Trade Deadline 2021 zu den Milwaukee Bucks.

Bucks-Star Tucker in der BBL: "P.J. hat alles zerlegt"

In Zahlen ausgedrückt: In der D-League kam er auf eine Dreierquote von 28,6 Prozent und drückte nur selten von Downtown ab, einige Jahre später in Bamberg steigerte er seine Ausbeute auf 46,1 Prozent bei knapp zwei Versuchen pro Spiel.

"Stefan hat mir sehr geholfen mit meinem Wurf", sagte Tucker später gegenüber hoops.co.il. "Vor allem mit der Balance meines Wurfs. Er hat jeden Tag mit mir gearbeitet. Er hat gewiss einen Anteil daran, dass ich es zurück in die NBA geschafft habe." Auch wenn Weissenböck diese Lorbeeren teils von sich weist, denn: "Am Ende muss immer der Spieler den Ball reinwerfen."

Das gelang Tucker im Laufe der Saison 2011/12 in der BBL so gut, dass er die Bamberger zum ersten Threepeat der Klubgeschichte führte und schließlich sogar als Finals-MVP ausgezeichnet wurde. "P.J. hat alles zerlegt, dann waren wir Meister und auf einmal war er wieder weg", fasst Weissenböck die letzten Saisonmonate lachend zusammen.

Doch Tucker selbst hatte sich nicht nur spielerisch weiterentwickelt, er nahm aus seinen Europa-Jahren weitere wichtige Lektionen mit: "Ich habe gelernt, ein Profi zu sein. Wenn du da rübergehst und die Sache ernst nimmst, dann kannst du viel über das Spiel lernen."

Mit den Ehren als Deutscher Meister und Deutscher Pokalsieger wagte er den Schritt zurück über den großen Teich, über die Summer League erspielte er sich einen Vertrag bei den Phoenix Suns. Im Wüstenstaat etablierte er sich nach einigen Jahren Verzögerung endlich in der besten Basketballliga der Welt, nach viereinhalb Jahren ging es per Trade zu den Raptors, kurz darauf unterschrieb er bei den Houston Rockets.

P.J. Tuckers Statistiken für Brose Bamberg und in der NBA

LigaTeamSaisonsG / MINPunkteReboundsFG%3FG%
BBLBrose Bamberg144 / 27,416,27,158,447,5
NBAToronto Raptors241 / 16,94,13,742,040,0
NBAPhoenix Suns5377 / 29,08,05,943,334,7
NBAHouston Rockets4268 / 31,86,55,839,736,5
NBAMilwaukee Bucks120 / 19,92,62,839,139,4

P.J. Tucker: Ein wichtiges Puzzleteil der Bucks

An der Seite von James Harden erlebte er seine erfolgreichsten Jahre, seine neue Gefahr von Downtown, sein bulliger Körper trotz der geringen Körpergröße von 1,96 Meter sowie sein unbändiger Einsatz machten ihn zu einem wichtigen Puzzleteil der Small-Ball-Rockets Ende der vergangenen Dekade. Und brachten ihm auch abseits seiner beeindruckenden Sneaker-Kollektion Ansehen in Liga-Kreisen ein.

"Er hat eine Nische für sich gefunden und diese Nische hat er perfekt bedient", lobt Weissenböck. "Allein dadurch, dass er seinen Wurf verbessert hat, hat er sich selbst die Tür zur NBA wieder geöffnet. Und für die Rockets war er in dieser Rolle extrem wichtig." Gleiches gilt nun auch für die Bucks.

Kurz vor der Trade Deadline sicherte sich Milwaukee die Dienste des heute 36-Jährigen, der mit seiner bissigen Defense in den Playoffs selbst Kevin Durant - so gut es eben ging - auf die Nerven ging. "Er ist lautstark, er ist ein Anführer, er treibt uns an, großartig zu sein", schwärmte Giannis Antetokounmpo zuletzt. "Er ist definitiv ein wichtiger Teil dieses Teams."

Die Bucks wissen neben dem sportlichen Aspekt auch die Charaktereigenschaften Tuckers zu schätzen, die ihn bereits in Bamberg auszeichneten. Seine Toughness hat in der Bierstadt in der Vergangenheit gefehlt. "Er ist ein wenig wild, aber nicht im negativen Sinne", betont Weissenböck. "Er hat seine Ecken und Kanten, aber die Spieler haben es geliebt, mit ihm zu spielen und mit ihm in die Schlacht zu ziehen. Das ist auch zehn Jahre später in Milwaukee zu sehen."

P.J. Tucker in den Finals: Einfluss hält sich (noch) in Grenzen

Sein Wille und seine Energie sind auch nach 15 Jahren im Profigeschäft noch ungebrochen, auch wenn man merkt, dass sein Körper bereits einige Kilometer abgespult und einige Gefechte gegen größere Bigs ausgetragen hat. In den bisherigen Finals hielt sich der Einfluss des Defensiv-Spezialisten ausgerechnet gegen sein Ex-Team noch in Grenzen.

In Spiel 1 schloss Deandre Ayton nach zahlreichen Switches dank seiner Größenvorteile hochprozentig über ihn ab. Gegen Chris Paul oder Devin Booker, den Tucker zu gemeinsamen Suns-Zeiten noch selbst anstachelte, besser zu werden, machte er seine Sache ordentlich, abmelden konnten er und die Bucks das Guard-Duo aber bisher nicht. Auf der anderen Seite des Courts strahlt Tucker abgesehen von ein paar Offensiv-Rebounds und vereinzelten Eckendreiern keine Gefahr aus.

Sein ehemaliger Wegbegleiter in Bamberger Tagen, als Tucker noch als Allrounder glänzte, ist sich dennoch sicher, dass er im Verlauf der Serie ein Faktor sein kann. "In Spiel 3 wird er wieder alles zeigen, jetzt werden die Weichen gestellt", sagt der Coach. "Wenn es 0-3 steht, kann ich mir nicht vorstellen, dass noch etwas passiert."

Tucker und die Bucks werden dies in der Nacht auf Montag (ab 2 Uhr live auf DAZN) natürlich zu verhindern versuchen. Für seinen Traum vom Titel bekommt er womöglich nicht nochmal eine zweite Chance.

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