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NBA - Orlando Magic verlieren Markelle Fultz nach gelungenem Saisonauftakt: Der Traumstart bekommt Kratzer

Markelle Fultz legte bis zu seiner Verletzung Karrierebestwerte bei Punkte pro Spiel und Assists pro Spiel auf.

Markelle Fultz war auf dem besten Weg, sich als wichtiger Bestandteil der Zukunft der Orlando Magic zu etablieren. Nun fällt der ehemalige Nr.1-Pick mit einem Kreuzbandriss für die komplette Saison aus. Der Traumstart der Magic erhält damit erste Kratzer, die Ernüchterung könnte bald noch größer werden.

Eigentlich könnte die Stimmung in Orlando so gut sein. Die Magic haben einen Traumstart hinter sich, sechs Siegen stehen nur zwei Niederlagen gegenüber. Die zweitbeste Bilanz der Eastern Conference gehört aktuell einem Team, dem vor wenigen Wochen ein ernüchterndes Erstrundenaus als höchstes der Gefühle für die Saison 2020/21 prognostiziert wurde - wenn überhaupt.

Statt den Kritikern die ausgedruckte Tabelle ins Gesicht zu pfeffern, war die Euphorie im Lager der Magic nach dem 105:94-Sieg gegen die Cleveland Cavaliers jedoch gedämpft. "Das ist ein heftiger Schlag für uns", brachte Nikola Vucevic die Gefühlslage in Zentralflorida auf den Punkt. "Es ist scheiße, das sind keine guten Nachrichten", fügte Terrence Ross an.

Der Grund: Markelle Fultz wird die komplette restliche Saison verletzungsbedingt verpassen. Nach nur wenigen Minuten im Spiel gegen die Cavs gab das linke Knie des 22-Jährigen bei einem Drive zum Korb nach. Fultz ging mit einem lauten Schrei zu Boden, konnte das Bein nicht mehr belasten und musste im Rollstuhl in die Katakomben gebracht werden. Noch am Abend teilte das Team die Diagnose mit: Kreuzbandriss.

Frust bei den Magic: Warum ausgerechnet Fultz?

Warum musste es ausgerechnet Fultz treffen? Dessen Verletzungshistorie, seit er im Draft 2017 an erster Stelle von den Philadelphia 76ers gepickt wurde, ist bestens bekannt, genau wie die Saga um seine mysteriösen Schulterprobleme, die später als Thoracic-Outlet-Syndrom diagnostiziert wurden.

In seinen ersten beiden Jahren in der NBA absolvierte der Point Guard nur 33 Spiele, bevor er im Februar 2019 für einen überschaubaren Gegenwert (Jonathon Simmons, Top-20-geschützter Erst- und ein Zweitrundenpick) nach Orlando verschifft wurde. Dort gelang Fultz in der vergangenen Saison ein vielversprechender Neuanfang, immer wieder war in Ansätzen zu sehen, warum Philly ihn 2017 zum Top-Pick auserkoren hatte.

Die Magic belohnten dies in der Offseason mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung über drei Jahre und 50 Millionen Dollar. Eine Investition nicht ohne Risiko in Anbetracht der bereits vorhandenen Krankenakte. Es schien sich zunächst auszuzahlen, setzte Fultz seinen Aufschwung zum Saisonstart doch fort.

Markelle Fultz bei den Magic: Aufschwung und Rückschlag

In den ersten drei Partien legte "Kelle" 20,7 Punkte bei einer Feldwurfquote von 49,0 Prozent sowie 4,3 Assists im Schnitt auf, inklusive eines neuen Karrierebestwerts gegen die Wizards (26). Auch wenn Fultz diese Zahlen in den vier Spielen bis zu seiner Verletzung nicht halten konnte, er hatte sich als wichtiger Bestandteil des Teams etabliert.

"Es ist einfach unglücklich für ihn", zeigte sich Vucevic deshalb niedergeschlagen. "Er schlägt sich zwei Jahre lang mit der Schulterverletzung rum, dann konnte er vergangene Saison endlich aufzocken. Das sollte nun ein großes Jahr für ihn werden. Er war bereit und startete fantastisch. Das ist echt scheiße für jemanden wie ihn, der sich so zurückgearbeitet hat."

Fultz war in den ersten Saisonspielen der wichtigste Playmaker im Team. Ungeachtet seines weiterhin wackligen - aber über die Jahre verbesserten - Wurfs kommt er dank seiner Athletik gut zum Korb, wo er entweder selbst hochprozentig am Ring abschließt oder mit seinem hervorragenden Passing für die Teamkollegen kreiert. Zudem macht er das Spiel der Magic schnell, ein Aspekt, der dem Team in der Vergangenheit fehlte.

So waren auch Fultz' gute Auftritte einer der Gründe für den geglückten Magic-Start, die zudem die viertbeste Defense der Liga stellen und Career-Highs von Vucevic (21,0 Punkte) und Ross (20,7) spendiert bekamen. Profitiert hat Orlando zudem sicherlich von der Kontinuität im Kader, während andere Teams durch das verkürzte Training Camp nicht eingespielt sind.

Die Karrierestatistiken von Markelle Fultz

Saison (Team)G / MINPunkteReboundsAssistsFG%3FG%FT%
2017/18 (Sixers)14 / 18,17,13,13,840,5047,6
2018/19 (Sixers)19 / 22,58,23,73,141,928,656,8
2019/20 (Magic)72 / 27,712,13,35,146,526,773,0
2020/21 (Magic)8 / 26,912,93,15,439,425,089,5

Orlando Magic: Ist die Euphorie bald verflogen?

Allerdings ist es fraglich, ob die Magic den Erfolg aus den ersten beiden Saisonwochen langfristig konservieren können. So profitierte das Team von Head Coach Steve Clifford von einem relativ leichten Spielplan (2x Cavs, 2x Thunder, 2x Wizards, 1x Miami und 1x Sixers) - die Magic-Gegner stehen zusammengerechnet bei einer Saisonbilanz von 19-23.

Die gegnerische Dreierquote (32,3 Prozent, der ligaweit drittschlechteste Wert) muss nicht die gesamte Spielzeit über auf diesem schwachen Niveau bleiben. Auf der Gegenseite ist es schwer, sich auszumalen, wie die ohnehin unterdurchschnittliche Offense (108,4 Punkte pro 100 Ballbesitze, Platz 19) einen Schritt nach vorne machen soll, erst recht ohne Fultz.

Unter allen 30 Teams nehmen die Magic die wenigsten Würfe in der Restricted Area, also in direkter Ringnähe, und die drittwenigsten Dreier - dafür die meisten Mitteldistanzwürfe. Eigentlich ist es kein vielversprechendes Rezept, so wenig auf die beiden effizientesten Abschlüsse im Basketball zu vertrauen. Der Kader ohne Shooter oder elitäre Ring-Finisher verspricht hier kaum Besserung.

In den kommenden Tagen wartet nun ein hartes Programm auswärts bei den Rockets und Mavs, gegen Milwaukee sowie zweimal in Boston und in Brooklyn. In zehn Tagen könnte die anfängliche Euphorie, die mit der Fultz-Verletzung ohnehin einen Schuss vor den Bug genommen hat, so gut wie verflogen sein.

Orlando Magic: Mehr Verantwortung für den Rookie

Ohne Fultz wird wohl Rookie Cole Anthony den Starterposten bei den Magic übernehmen. Trotz seines Shooting-Slumps überzeugte der Nr.15-Pick bisher mit wenig Fehlern, als solider Ballverteiler und guter Verteidiger. Die beiden letztgenannten Aspekte werden in der Starting Five sein Fokus bleiben, um Vucevic oder Aaron Gordon zu füttern. Sein Shooting kann nur noch besser werden, auch im Vergleich zu Fultz.

Ohne den eigentliche Point Guard der Zukunft wird es auf der Eins jedoch schnell düster in Orlando. Michael Carter-Williams laboriert derzeit an einer Prellung am Fuß, daher muss Jordan Bone als Backup agieren. Ein Rookie und ein Two-Way-Player als einzige etatmäßige Point Guards sind langfristig kein Erfolgsrezept für ein Team mit Playoff-Ansprüchen.

Womöglich muss sich Orlando auf dem Trade-Markt nach einem Veteranen umsehen, der auf der Eins mehr Stabilität liefern kann. Spätestens jetzt schmerzt der Abgang von D.J. Augustin in der Free Agency sehr. Zusätzlich ist Orlando auf noch mehr Produktion von Vucevic, Ross, Gordon oder auch Evan Fournier (14,8 Punkte) angewiesen, sobald sich der Franzose von seinen Rückenproblemen erholt hat.

Fultz und Isaac: Die angeschlagene Magic-Zukunft

Der große Wurf ist damit nicht möglich. Viel bedeutsamer als der kurzfristige sportliche Rückschritt durch die Fultz-Verletzung sind ohnehin die eventuellen langfristigen Auswirkungen auf die Zukunft der Franchise. Fultz und Jonathan Isaac bekamen in der Offseason jeweils neue Verträge, sie sollen die Grundbausteine erfolgreicher Magic-Teams der kommenden Jahre sein. Doch beide sind verletzt und damit ein Symbol für die ungewisse Zukunft des Teams.

Isaac, einer der Lichtblicke der Magic zu Beginn der Saison 2019/20, wurde vergangene Saison erst durch eine Knieverletzung ausgebremst und zog sich kurz nach seinem Comeback in der Bubble ebenfalls einen Kreuzbandriss zu. Auch er wird die komplette Spielzeit verpassen und damit genau wie Fultz ein wichtiges Jahr seiner individuellen Entwicklung verlieren.

Seit beide 2017 in die Liga kamen, hat Isaac 136 und Fultz 113 von 245 möglichen Partien in der Regular Season absolviert. Der Point Guard könnte zudem den Start der nächsten Spielzeit verpassen, laut Kevin Pelton (ESPN) kam seit 2014 kein Spieler früher als elf Monate nach seinem Kreuzbandriss aufs Parkett zurück. Womöglich nutzt er die Zeit, um weiter an seinem Wurf zu arbeiten und somit nach seinem Comeback als besserer Spieler zurückzukehren.

"Ich weiß, dass dieses Unglück mich nur noch stärker machen wird. Ich glaube an meine Brüder und dieses Team, wir haben noch so viel mehr zu beweisen", zeigte sich Fultz nach seiner Diagnose kämpferisch und zuversichtlich, dass er wieder komplett fit wird. Wirklich aufmuntern konnte er damit in Orlando aber erstmal niemanden.

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