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NBA - Markelle Fultz in seiner ersten Saison bei den Orlando Magic: (Fast) zurück zum alten Ich

Markelle Fultz scheint sich in seinem ersten Jahr im Trikot der Orlando Magic von seinem Ruf als Draft-Bust ein wenig erholen zu können.

Nach eineinhalb Jahren Pleiten, Pech und Schulterverletzungen bei den Philadelphia 76ers ist Markelle Fultz zurück auf dem Parkett. In seiner ersten Saison im Trikot der Orlando Magic zeigt er in Ansätzen, was ihn ausmacht. Nur eine Qualität aus vergangenen Jahren ist weiterhin nicht auffindbar.

Ziemlich genau vor einem Jahr weilte Markelle Fultz in Los Angeles. Zwar aus beruflichen Gründen, aber nicht wie es sich der Nr.1-Pick von 2017 oder die Philadelphia 76ers vorgestellt hätten: Statt Gastauftritten im Staples Center war Reha angesagt.

Wann er aufs Parkett zurückkehren würde, war zu diesem Zeitpunkt vor einem Jahr komplett offen. Genauso wie die die Frage, ob Fultz überhaupt nochmal in der besten Basketballliga der Welt würde Fuß fassen können. Seine mysteriöse Schulterverletzung - Diagnose: Thoracic-Outlet-Syndrom - schien seine komplette Karriere zu unterlaufen.

Es roch nach Bust. Kurz vor der Trade Deadline 2019 zogen die Sixers die Reißleine und verfrachteten den ehemaligen Hoffnungsträger für Jonathon Simmons und zwei Zweitrundenpicks nach Florida. Mehr Gegenwert war für diese Version des Markelle Fultz nicht mehr drin.

Nun, gut zwölf Monate später, hat sich Fultz scheinbar von den Pleiten, Pech und Pannen seiner ersten eineinhalb Jahre in der NBA gelöst. Bei seinem Comeback im ersten Spiel der neuen Saison setzte er direkt ein Ausrufezeichen, gegen die Nets vor wenigen Tagen folgte das beste Spiel seiner noch jungen Karriere: 25 Punkte, Karrierebestwert, dazu 5 Rebounds, 4 Assists und 2 Steals bei 11 von 20 aus dem Feld und 4 Turnover.

Doch viel wichtiger als dieser Scoring-Ausreißer: Fultz ist endlich in der Normalität der NBA angekommen. Vorbei die Zeiten, in denen wöchentliche Gerüchte über seinen Gesundheitszustand die Runde machten und Sixers-Fans jede Aktion des ehemaligen Top-Picks bis ins kleinste Detail sezierten. Stattdessen sorgt der 21-Jährige wieder für sportliche Highlights.

Persönlicher 7:0-Fultz-Lauf bringt Magic den Sieg

Ironischerweise startete Fultz mit einem Airball von Downtown in die Partie gegen Brooklyn. Im Anschluss folgten aber 9 Punkte in dreieinhalb Minuten, zwei aggressive Layups mit viel Körperkontakt, ein Midrange-Jumper und schließlich doch noch ein erfolgreicher Dreier. Im Schlussabschnitt drehte er erneut auf, mit 7 Zählern in Folge lotste der Point Guard sein Team zu einem 15:1-Lauf und schließlich zum Sieg.

"'Kelle ist komplett duchgedreht. Er hat das Spiel übernommen, was wundervoll ist. Ich bin so glücklich für ihn", freute sich Aaron Gordon für den in der Vergangenheit so gebeutelten Teamkollegen. "Er ist ein großes Talent. Es freut mich, dass er einen Rhythmus findet."

Während seines persönlichen Runs im letzten Durchgang tankte er sich gegen den sechs Zentimeter größeren und sieben Kilo schwereren Spencer Dinwiddie zum Korb durch, versenkte einen Transition-Layup und legte dann auch noch mit seinem zweiten Dreier der Partie aus der linken Ecke nach.

"Mir gefiel es nicht, wie oft er zum Korb gekommen ist", zeigte sich Nets-Coach Kenny Atkinson mit der eigenen Defense unzufrieden. "Mit den Dreiern können wir leben, aber all die Abschlüsse am Ring ... das war zu viel."

Nets-Coach über Fultz: "Er hat ein großartiges Spiel gemacht"

Genau in dieser Hinsicht ist Fultz allerdings am schwersten zu stoppen, was er in dieser Saison endlich unter Beweis stellen kann. Selbst wenn Verteidiger seinen Dreier - berechtigterweise - nicht respektieren und Abstand halten, der ehemalige Top-Pick schafft es dank der Mischung aus Athletik, Länge, und purer Stärke dennoch, zum Korb zu ziehen. Auch gegen körperlich theoretisch überlegene Verteidiger.

In der Zone angekommen hilft ihm sein guter Touch, auch mit Körperkontakt gegen die gegnerischen Ringbeschützer abzuschließen. In der Restricted Area trifft er 2019/20 starke 62,8 Prozent seiner Versuche, das reicht für einen Top-15-Wert unter allen Guards.

Gegen die Nets gingen sogar sieben seiner zehn Abschlüsse in direkter Ringnähe durch die Reuse. "Er hat einen tollen Job gemacht, zum Korb zu ziehen", musste deshalb auch Atkinson zugeben. "Er hat uns in der Transition weh getan. Er hat ein großartiges Spiel gespielt."

Die Karrierestatistiken von Markelle Fultz in der NBA

SaisonTeamG / MINPunkteReboundsAssistsFG%3FG%
2017/18Sixers14 / 18,17,13,13,840,50
2018/19Sixers19 / 22,58,23,73,141,928,6
2019/20Magic36 / 26,511,434,445,925,4

Markelle Fultz: Grundsolide ist ein Gewinn

Es war bei Weitem nicht der erste gute Auftritt von Fultz im Trikot der Magic. In einer Phase von Mitte November bis Mitte Dezember legte er in zehn Spielen in Folge mindestens 12 Punkte auf. Sein Schnitt beläuft sich 2019/20 auf 11,4 Zähler, 4,4 Assists und 3 Rebounds in 26,5 Minuten.

Sicherlich keine Monster-Zahlen, zudem fehlt ein wenig die Konstanz. Dennoch scheint Fultz langsam aber sicher in der NBA anzukommen, den Starterplatz hatte er schon nach wenigen Partien von Konkurrent D.J. Augustin erobert. Vor allem, wenn man bedenkt, wo der Guard noch vor einem Jahr stand, sind grundsolide Leistungen ein Gewinn für Fultz und die Magic. Zudem liefert er mehr als nur schnöde Zahlen.

Defensiv agiert der 21-Jährige auf einem starken Niveau, dazu macht er mit guter Transition das Spiel der Magic schnell. Auch öffnen seine Penetrationen Räume für die Kollegen, die Fultz immer wieder auf spektakuläre Art und Weise findet.

Und: Nachdem er in seinen ersten eineinhalb NBA-Jahren nur ganze 33 Spiele absolvierte, stand er für Orlando in der aktuellen Saison in 36 der 37 Partien auf dem Parkett.

Markelle Fultz: Kommt das Shooting jemals zurück?

"Das wichtigste für mich ist, dass ich mir die Zeit genommen habe, um gesund zu werden", erklärte Fultz gegenüber The Athletic. "Ich fühle mich sehr gut. Ich habe mir Zeit genommen, um sicherzugehen, dass meine Schulter in Ordnung ist - und alles mit meinem Körper in Ordnung ist. Und jetzt bin ich wieder ich."

Fast zumindest. Denn der Dreier aus guten, alten College-Tagen ist weiterhin nicht auffindbar. Nur schwache 25,4 Prozent der Distanzwürfe des ehemaligen Scharfschützen finden den Weg durch die Reuse, für die University of Washington waren es 2016/17 noch 41,3 Prozent Dreierquote bei 5 Versuchen pro Partie.

Dabei sieht Fultz' Wurfbewegung nach den Diskussionen aus den vergangenen Jahren, er habe unterbewusst oder womöglich durch falsches Training seinen Wurf zerstört, durchaus flüssig aus. Auch seine Freiwurfquote von 74,4 Prozent spricht für ihn. Dennoch versenkt der Magic-Guard außerhalb der Zone nur 32,2 Prozent seiner Würfe, gerade von Downtown sind viele seiner Jumper zu kurz.

Markelle Fultz bei den Magic: The sky is the limit

Mit den Shooting-Problemen passt er sich wunderbar den Teamkollegen an. Die Magic haben die viertschlechteste Dreierquote der gesamten Liga (33,4 Prozent), generell sorgt die Offense des aktuell Siebtplatzierten im Osten für wenig Freudensprünge (104,5 Offensiv-Rating, viertschlechtester Wert).

Fultz kann die Magic, die seit Jahren auf der Suche nach einem fähigen Point Guard der Zukunft sind, immerhin ein wenig stabilisieren. Ohne ihn stürzt das Offensiv-Rating auf katastrophale 99,3 ab, von einem Top-Team sind die Magic aber auch mit ihrem Starting Point Guard weit entfernt.

Das verspricht immerhin geringen Druck für Fultz. Der kann sich in Orlando in Ruhe entwickeln, abseits vom Medienrummel der vergangenen Jahre. "Seit er bei uns ist, legt er eine großartige Einstellung an den Tag", lobte Head Coach Steve Clifford. Fultz sei ein natürlicher Arbeiter und er und seine Schulter werden von Woche zu Woche gesünder. Dann komme irgendwann auch das Shooting zurück, ist sich Clifford sicher.

"Das ist der furchteinflößende Part. Viele Leute sehen mich jetzt und denken, dass ich so bleiben werde", sagte Fultz. "Das Ding ist, ich weiß, dass ich besser werde. Solange ich weiter die Arbeit reinstecke und das tue, was ich tun muss, ist nach oben alles möglich."

Mit seinen 21 Jahren ist noch einiges an Potenzial da, auch wenn er den Ansprüchen an einen Nr.1-Pick vielleicht nie gerecht wird. Dennoch ist eines bereits jetzt sicher: Der totale Bust, der er vor gut einem Jahr in Los Angeles noch zu sein schien, ist Markelle Fultz sicher nicht.

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