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NBA

NBA Legenden-Serie: Der "Punch" - wie Rudy Tomjanovich beinahe sein Leben verlor

Rudy Tomjanovich prägte die Houston Rockets über drei Jahrzehnte wie fast niemand sonst.

Rudy T: Vom Spieler zum Coach

1981 beendete der Mann mit kroatischen Wurzeln seine aktive Karriere, blieb den Rockets jedoch erhalten und arbeitete fortan für zwei Jahre als Scout. Es folgten knapp neun Jahre als Assistant Coach für Bill Fitch und Don Chaney, bevor Tomjanovich nach dessen Entlassung im Jahr 1992 erstmals den Posten als Head Coach einnehmen durfte.

Die Rockets hatten zu diesem Zeitpunkt in Hakeem Olajuwon einen absoluten Superstar in ihren Reihen, mit dem sie seit 1985 immer die Playoffs und 1986 sogar überraschend die Finals erreicht hatten. Von 1988 bis 1991 war jedoch viermal in Serie in der ersten Runde Schluss und unter Chaney schien sich das Team in die falsche Richtung zu entwickeln.

Rudy T sollte das abwenden, trotz einer 16-14-Bilanz unter ihm wurden 1992 trotzdem erstmals die Playoffs verpasst. Doch dann begann die erfolgreichste Ära der Franchise-Geschichte. "Es war frustrierend, wie wir zuletzt gespielt haben", wurde er noch 1992 vom Chicago Tribune zitiert. "Dabei haben wir so viel Potenzial. Ich versuche es auf meine Weise und wir werden sehen, was passiert."

Ein "Players' Coach"

Tomjanovich fand mit seinem recht lockeren Coaching-Stil, der ihm den Ruf als "Players' Coach" einbrachte, einen Zugang vor allem zu Olajuwon, den Chaney vor ihm nicht hatte und der zu diesem Zeitpunkt als "etwas schwieriger Charakter" galt. Er stellte den Nigerianer auch spielerisch noch mehr ins Zentrum als sein Vorgänger.

Olajuwon verankerte nicht mehr nur die Defense, eine Spezialität fast aller Tomjanovich-Teams, sondern wurde auch offensiv besser eingesetzt als je zuvor. So paradox das klingt: Obwohl ein Lowpost-Meister der Fixpunkt der Rockets-Offense war, war diese Mitte der 90er durchaus modern.

Denn: Um Olajuwon herum versammelte Houston viel Shooting, um diesem möglichst viel Platz zu schaffen. Als Folge verteilte Hakeem mehr Assists als je zuvor und erreichte auch bei den Punkten seinen persönlichen Peak - und die Rockets landeten von 1993 bis 2001 IMMER in der Top 3 bei den versuchten Dreiern.

"Unterschätze nie das Herz eines Champions!"

Schon in der zweiten vollständigen Saison erreichten die Rockets ihren Höhepunkt. Der Rücktritt von Michael Jordan hatte ein Machtvakuum kreiert, in das Olajuwon vordrang: 1994 wurde er MVP und Defensive Player of the Year, letzteres zum zweiten Mal in Serie. Der Nigerianer war der beste Spieler der Liga - und die Rockets wurden zum besten Team. Nach einer 7-Spiele-Abnutzungsschlacht gegen die New York Knicks stemmten Olajuwon und Co. zum ersten Mal in der Franchise-Historie die Larry O'Brien Trophy in die Höhe.

Noch berühmter ist heute jedoch der zweite Titel - denn dieser kam überraschender. Mit der Verpflichtung von Clyde Drexler während der Saison hatten die Rockets ihre Repeat-Ambitionen unterstrichen, doch die Spielzeit 94/95 verlief inkonstant und damit enttäuschend. Houston ging lediglich als sechstplatziertes Team in die Western Conference Playoffs, die Titelkandidaten waren andere.

Doch Tomjanovich verlor den Glauben ebenso wenig wie Olajuwon, der auf dem Weg zum Titel unter anderem den frisch gekürten MVP David Robinson in den Schatten stellte und danach gegen die Orlando Magic um den jungen Shaquille O'Neal seinen zweiten Finals-MVP in Serie eintütete.

"Unterschätze nie das Herz eines Champions!", jubelte Tomjanovich noch in der Halle, nachdem sein Team zum zweiten Mal die Spitze des Olymps erklommen hatte. Auch dieser Ausspruch ging in die Geschichte der Liga ein.

Robert Horry hielt Rudy T für den Besten

Weitere Meisterschaften folgten danach nicht mehr, Tomjanovich arbeitete jedoch unermüdlich weiter, häufte Siege an und landete mehr als einmal aus purer Erschöpfung im Krankenhaus. Gleichzeitig beeindruckte sein Stil ligaweit so sehr, dass mehrere Legenden, darunter Drexler, Charles Barkley und Scottie Pippen, ihren Weg nach Houston fanden, weil sie eben für ihn spielen wollten.

"Er hat es verstanden, dass er, obwohl er der Coach war, manches nicht sehen konnte, was wir auf dem Court gesehen haben", erklärte Ex-Rocket Robert Horry vor Jahren im Players' Tribune. "Er hat uns gefragt, was los ist, wie wir spielen wollten. Nach meiner persönlichen Erfahrung war T der großartigste NBA-Coach."

Große Worte von jemandem, der bekanntlich auch für Phil Jackson und Gregg Popovich gespielt hat. Auch letzterer hat sich jedoch über die Jahre immer wieder für Tomjanovich als Hall-of-Famer ausgesprochen und zuletzt im Dezember betont, dass es ein "Mysterium" sei, warum dieser noch nicht in die Ruhmeshalle aufgenommen wurde.

"The Punch"? Ein Stolperstein

Nun ist es so weit. Tomjanovich, der insgesamt 33 Jahre am Stück bei den Rockets verbrachte, bevor er 2004/05 noch ein 41 Spiele andauerndes Intermezzo bei den Lakers absolvierte und danach mit dem Coaching aufhörte, bekommt endlich seinen Wunsch. Und einen viel schöneren Zusatz zu seinem Namen als "der Typ, der geschlagen wurde", wie er noch als Rockets-Coach laut Eigenaussage lange genannt wurde.

Seinen Frieden mit dem Schockmoment seines Lebens hat Tomjanovich derweil schon lange gemacht. "Es war ein Stolperstein in meinem Leben", sagte er vor Jahren zur Los Angeles Times. "Aber ich habe es überstanden, und vielleicht bin ich dadurch ein besserer Mensch geworden."

Und ein Hall-of-Famer.

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