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NBA, Dallas Mavericks: Willie Cauley-Stein bei den Mavs – der Trade in der Analyse

Von Lino Wilczewski
Willie Cauley-Stein soll bei Dallas den verletzten Dwight Powell ersetzen.

Die Dallas Mavericks haben sich nach dem Saisonaus von Dwight Powell Hilfe auf der Center-Position in Person von Willie Cauley-Stein geholt. Wo liegen die Stärken und Schwächen des Centers und was bedeutet der Deal für die Rotation der Mavs - und Maxi Kleber?

"Nun", sagte Mavs-Coach Rick Carlisle, als klar war, dass sein Starting Center Dwight Powell die restliche Saison mit einem Achillessehnenriss ausfallen würde: "Uns gehen die Big Men aus." Nur einen Tag nach seiner Aussage war schon ein Ersatz gefunden - Willie Cauley-Stein wurde per Trade nach Dallas geholt.

Der Center kam von den Golden State Warriors, im Gegenzug gaben die Mavericks ihre Rechte an einem Zweitrundenpick der Utah Jazz im kommenden Draft ab. Zudem schickten sie Isaiah Roby im Tausch für Justin Patton nach Oklahoma City, den sie wiederum umgehend aus dem Kader strichen, um Platz für Cauley-Stein zu schaffen.

Bedenkt man, dass Utahs Pick vermutlich gegen Ende des Drafts landen wird und Roby nicht eine einzige NBA-Minute gesehen hatte, scheinen die Mavs auf den ersten Blick nur einen geringen Preis für Cauley-Stein gezahlt zu haben - doch was bringt der 26-Jährige mit nach Texas?

Cauley-Stein: Vom Lottery-Pick zum Minimalvertrag

Nach drei Jahren an der University of Kentucky wurde Cauley-Stein im Sommer 2015 an sechster Stelle von den Sacramento Kings gedraftet. Am College mit diversen Defensive-Player-of-the-Year-Awards ausgezeichnet, schien der athletische Big Man maßgeschneidert für die Aufgaben eines modernen Centers: Abrollen und Verteidigen.

Doch in seinen vier Spielzeiten bei den Kings erfüllte Cauley-Stein die Erwartungen an einen Lottery-Pick nur bedingt. Sacramento schaffte es in keinem Jahr, eine Defensive aufzustellen, die im Ligavergleich besser als Rang 21 abschnitt - seine individuellen Statistiken waren mit 10,1 Punkten, 6,4 Rebounds, 0,9 Steals und 0,8 Blocks in nur 24 Minuten zwar solide, mehr aber auch nicht.

Es waren auch weniger die nackten Zahlen, die Sacramento-Fans und Franchise zuweilen negativ aufstießen, als vielmehr sein scheinbarer Unwille, in seiner Rolle des Rim-Protectors und Rebounders aufzugehen. So sorgte er beispielsweise nach zwei aufeinanderfolgenden 20-Rebound-Performances seiner Gegenspieler mit der Aussage "Sie bekommen ja auch 100 Millionen dafür" für Unmut in den Reihen der Anhänger.

Doch hatte ihn das Management der Kings auch nicht gerade in eine optimale Ausgangslage gebracht. Als DeMarcus Cousins auf der Fünf noch gesetzt war, musste Cauley-Stein in seinen ersten Jahren oft abseits seiner eigentlichen Position spielen - auch nach Cousins' Abgang verpflichteten die Kings in etwa Marvin Bagley oder Harry Giles permanent weitere Bigs. Als die Franchise ihn vor Beginn seines letzten Vertragsjahres nicht langfristig binden wollte, schienen die Zeichen auf Abschied zu stehen.

Cauley-Stein: Offensiv kein Powell-Ersatz?

So unterschrieb Cauley-Stein vergangenen Sommer in Ermangelung lukrativerer Deals einen Zweijahresvertrag über rund 2,2 Millionen US-Dollar pro Saison bei den Warriors, wobei eine Spieleroption ihm den Ausstieg nach dem ersten Jahr ermöglicht.

Bevor er zu den Mavericks getradet wurde, startete er dort in 37 seiner 41 Einsätze und kam dabei auf 7,9 Punkte, 6,2 Boards, 1,1 Steals und 1,1 Blocks. Auf den ersten Blick unterscheidet er sich damit nicht großartig von Powell (9,4 Punkte 5,7 Rebounds, 0,7 Steals, 0,5 Blocks) und auch die Spielweise der beiden ist nicht gänzlich verschieden - ob Cauley-Stein seinen verletzten Teammate im besten Angriff der Liga jedoch ersetzen kann, bleibt abzuwarten.

Beide sind nicht für ihr großartiges Spacing bekannt (wofür die Mavs Kristaps Porzingis oder Maxi Kleber haben), sondern punkten lieber als Abroller. Dabei ist Cauley-Stein laut Second Spectrum etwas ineffizienter - er verwandelte seine Chancen durchschnittlich in 1,29 Punkte (23. unter Spielern mit mindestens 50 Würfen), Powell belegte mit 1,46 Zählern Platz 4. Wobei man nicht außer Acht lassen darf, dass Cauley-Stein bisher eben auch nicht von Luka Doncic in Szene gesetzt wurde.

Cauley-Stein: Seine Statistiken in der NBA

SeasonTeamSpieleMinutenFG%FT%REBSTLBLKTOVPTS
2015-16SAC6621,456,364,85,30,71,00,77,0
2016-17SAC7518,953,066,94,50,70,60,98,1
2017-18SAC7328,050,261,97,01,10,91,512,8
2018-19SAC8127,355,655,18,41,20,61,011,9
2019-20GSW4122,956,061,46,21,11,20,97,9
Karriere 33623,953,661,26,40,90,81,09,8

Cauley-Stein: Verstärkung für die Defensive der Mavs

Am anderen Spielfeldende hingegen könnte Dallas nach dem Trade besser dastehen, vor allem an den Brettern. Laut Statistiken der NBA holte Cauley-Stein sich 19,2 Prozent aller möglichen defensiven Abpraller. Zwar gehört er damit nicht zu den absoluten Top-Reboundern (88.), doch ist er in dieser Hinsicht ein deutliches Upgrade gegenüber Powell, der sich nur 13,2 Prozent (230.) sicherte.

Auch als Ringbeschützer macht Cauley-Stein eine etwas bessere Figur. Er hielt gegnerische Angreifer bei einer Feldwurfquote von 51,7 Prozent (15.), wenn er der nächste Verteidiger war, Powell schaffte es lediglich auf 59 Prozent (40.). Zudem holt der Ex-King unter allen Centern die achtmeisten Deflections (3,3), Powell liegt mit 2,5 pro Partie nur auf Rang 24.

Insgesamt sind das keine meilenweiten Unterschiede, zumindest ein kleines Upgrade dürfte der Neuzugang in der Defensive aber allemal sein. Vermutlich wird er zwar ein wenig Anlaufzeit benötigen, um sich im System der Mavericks zurechtzufinden, die Playoffs beginnen aber auch noch nicht morgen.

Cauley-Stein in der Mavs-Rotation: Gleiche Minuten für Kleber

Ebenfalls ist natürlich noch nicht in Stein gemeißelt, ob Cauley-Stein in der Mavs-Rotation tatsächlich Powells Minuten als Starter übernehmen wird - es scheint jedoch die wahrscheinlichste Variante zu sein. Maxi Kleber kam auch in den Spielen nach Powells Verletzung von der Bank, an seinen Minuten hat sich im Vergleich zu vorher nichts geändert. Der Deutsche dürfte durch die Addition also nur bedingt beeinflusst werden.

Als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Integration muss Cauley-Stein eine gesunde Arbeitseinstellung mitbringen. Coach Carlisle ist nicht gerade dafür bekannt, einen unendlich langen Geduldsfaden für Spieler zu haben, die ihre Rolle nicht wie erwartet erfüllen - das haben in der Vergangenheit beispielsweise Auseinandersetzungen mit Rajon Rondo oder Nerlens Noel bewiesen.

Ansonsten haben die Mavericks noch immer genügend Flexibilität, um vor der Trade Deadline aktiv zu werden. Neben einem weiteren Zweitrundenpick können sie eine Trade-Exception in Höhe von knapp 10 Millionen US-Dollar nutzen, außerdem könnte Courtney Lees auslaufender Vertrag über 12,8 Millionen US-Dollar für Teams von Wert sein, die Capspace für den kommenden Sommer freischaufeln möchten.

Wie sehr Cauley-Stein den Mavericks letztendlich weiterhelfen wird und ob er den Ruf, der ihm in Sacramento zuweilen nacheilte, widerlegen kann, lässt sich nicht vorhersagen. Fakt ist aber, dass die Mavericks mit einem späten Zweitrundenpick nahezu nichts aufgeben mussten, um dies herauszufinden - sie können also nur gewinnen.

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