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NBA - Trae Young und sein starker Saisonstart bei den Hawks: Atlantas Antwort auf James Harden

Trae Young ist der Star der Atlanta Hawks.

Trae Young zählt zusammen mit Karl-Anthony Towns oder Kyrie Irving bisher zu den dominanten Einzelspielern der noch jungen Saison. Der Point Guard der Atlanta Hawks steht sinnbildlich für die Aufbruchstimmung, die im Süden der USA vorherrscht. Eines ist Young aber mit Sicherheit nicht: zufrieden.

"Another day, another opportunity" - Wie ein Uhrwerk sendet Trae Young diese simple Nachricht via Twitter jeden Morgen in die Welt. Jeder Tag ist für den kleinen Spielmacher also eine neue Chance, eine Chance sich zu verbessern, eine Chance etwas zu bewegen.

In dieser noch sehr jungen Saison ist Young das definitiv gelungen. Auf 38 Punkte in Detroit folgten sogar 39 Zähler gegen die Magic, Gamewinner über die ausgestreckten Arme von Markelle Fultz von der Dreierlinie inklusive. Zwei Siege in zwei Spielen stehen für die Atlanta Hawks nun zu Buche, beides gegen Teams, die vergangene Saison in den Playoffs standen und dies auch in dieser Spielzeit anstreben.

Für Atlanta schien dies vor der Saison noch ein äußerst ambitioniertes Ziel zu sein. Klar, die Hawks sind jung und ein Liebling der League-Pass-Nerds, doch junge Teams gewinnen in der NBA meist nicht. Ein offizielles Ziel gaben die Hawks nicht aus, auch wenn Anführer Young seine Ambitionen gewohnt forsch formulierte.

Trae Young dominiert das Spiel der Atlanta Hawks

"Ich denke, dass wir diese Saison eine Chance auf die Playoffs haben", sagte Young vor der Saison zu Chris Haynes von Yahoo! Sports. "Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die das nicht glauben. Für mich ist das okay, aber ich glaube wirklich daran."

So sah auch sein Spiel in den ersten beiden Partien aus. Entschlossen, dominant, mit dem Hang zum Spektakulären. Da sind die gefürchteten tiefen Dreier, das harte Attackieren der Zone, die Suche nach dem Kontakt des Gegenspielers. Wie ein alter Hase dirigiert Young das Spiel der Hawks, schon mit 21 Jahren ist er unumstritten der Franchise Player, bei dem alle Fäden zusammenlaufen.

Siebenmal legte Young nun in seiner noch jungen Karriere mindestens 30 Punkte und 10 Assists auf, nur einem Spieler gelang dieses Kunststück seit Beginn der Saison 2018/19 häufiger - James Harden von den Houston Rockets (17-mal).

Die Hawks sind abhängig von Trae Young

Ähnlich wie Harden in der vergangenen Saison muss auch Young in Atlanta jede Menge Last schultern. Seine Usage Rate, also der Anteil an Aktionen, wenn er auf dem Feld steht, beträgt derzeit astronomische 39 Prozent, in etwa zu vergleichen mit der von Harden in der vergangenen Saison.

Es verwundert lediglich die Deutlichkeit, aber Fakt ist, dass Young der einzige echte Spielmacher im Team ist, alles ist auf seinen Spielwitz und seine Qualitäten ausgelegt. Er soll ständig kreieren, dafür soll der Rest des Teams Young so gut es geht defensiv verstecken, wo er weiterhin große Probleme hat.

Umso mehr muss Young offensiv liefern, um auch wirklich ein positiver Spieler auf dem Feld zu sein. Bisher gelingt dies mit Bravour. Mit Young haben die Hawks nach zwei Spielen (wie gesagt: kleine Stichprobe!) ein Net-Rating von 19,8, ohne ihn beträgt es -19,2, was die Abhängigkeit verdeutlicht. Es wird viel verlangt, vor allem für einen Zweitjahresprofi, doch vor Verantwortung ist der Guard noch nie zurückgeschreckt.

Another day, another opportunity.

Schon auf dem College war das so, als Young den Laden für Oklahoma im Alleingang schmiss und als erster Spieler das Land bei den Punkten und den Assists anführte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten als Rookie macht Young dies nun auch für die Hawks und das mit bislang beeindruckenden Zahlen.

Trae Young: Seine Statistiken in der NBA

SpieleMinutenPunkteFG%3P%AssistsStealsTurnover
8331,019,642,433,38,10,93,8

Trae Young: Traumstart in die neue Saison

Zwei Spiele sind natürlich ein sehr kleiner Maßstab, aber durchschnittlich 38,5 Punkte, 9 Assists, 11 verwandelte Dreier und eine Feldwurfquote von knapp 59 Prozent sind eine Hausnummer. "Ich glaube, er hat gezeigt, dass er im Sommer hart gearbeitet hat", befand Mitspieler John Collins nach dem Spiel in Detroit.

"Es ist noch früh, aber er hat die Latte sehr hoch gelegt und bewiesen, dass es ihm ernst ist. Wenn er ins Rollen kommt, dann wird es für jeden Gegner schwierig." Vor allem dann, wenn Young tatsächlich dem Spiel mit seinen Stärken den Stempel aufdrücken kann. Der Guard wirkt diese Spielzeit noch einmal eine Ecke explosiver, er schließt besser gegen die großen Spieler am Korb ab.

Zudem nimmt er - trotz Training mit Kobe Bryant - weniger Würfe aus der Mitteldistanz und ballert dafür bisher satte zehnmal pro Partie von draußen auf dem Korb. Ihn aus dem Spiel zu nehmen, ist inzwischen deutlich schwieriger. Young dürfte nun jede Strategie gegen ihn gesehen haben, das Gegengift steht so jederzeit parat.

Trae Young bisher nicht zu stoppen

Auffällig war dies gegen Detroit mit Coach Dwane Casey, einem Defensiv-Guru, der nicht davor zurückschreckt, auch in der Regular Season die Strategie mehrfach zu wechseln. Die Pistons nahmen Young nach dessen Explosion im ersten Viertel viel früher auf, sie versuchten zu verhindern, dass er überhaupt an den Spalding kam. Das Pick'n'Roll wurde aggressiver verteidigt, es kamen Double Teams, nur half es alles nichts.

"Ich habe immer das Gefühl, dass ich heiß bin", versuchte Young das zu erklären. "Wenn ein, zwei Würfe fallen, habe ich meinen Rhythmus und versuche dann den bestmöglichen Wurf zu finden. Das werde ich so fortsetzen, um irgendwann noch effizienter und noch besser zu werfen."

Another day, another opportunity.

Es wirkt beinahe getrieben. Young scheint dies zu brauchen, darum ist er auch nie um markige Worte verlegen. So schien Young in der vergangenen Saison beleidigt, als viele Experten analysierten, dass Atlanta mit dem Trade von Luka Doncic, der ihnen Young und einen Erstrundenpick (es wurde Cam Reddish) brachte, einen Fehler begangen hatte.

"Luka ist ein guter Junge und er wird sicher mal ein guter Spieler, aber ich werde ein besserer Spieler sein", sagte ein trotziger Young im November 2018 zu einem Zeitpunkt, als er noch Schwierigkeiten mit der Umstellung auf die NBA hatte. "Ich verstehe nicht, warum wir nicht beide Erfolg haben können. Ich höre immer nur, dass Atlanta einen großen Fehler gemacht hat."

Trae Young: Nächstes Ziel All-Star

Youngs Saisonstart zeigt: Ein Fehler war es nicht, für keins von beiden Teams. Sowohl Dallas als auch Atlanta haben mit dem Trade gewonnen, beide befinden sich in einer exzellenten Situation. Aber Young wäre nicht Young, wenn er nicht schon längst eine neue Motivation gefunden hätte.

Das All-Star-Wochenende 2020 in Chicago hat er im Visier, diesmal soll nicht nur eine Teilnahme an der Skills Challenge herausspringen. Der Auftakt der Saison war mehr als vielversprechend, in der kommenden Nacht gibt es für Young dann den ersten echten Härtetest, wenn die Hawks mit den langarmigen Philadelphia 76ers die wahrscheinlich beste Defense der Liga empfangen (ab 0.30 Uhr im League Pass).

Another day, another opportunity.

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