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NBA - Frank Ntilikina bei den New York Knicks: Die letzte Chance für Frankie Smokes

Von Lino Wilczewski
Die Zukunft von Frank Ntilikina bei den New York Knicks ist ungewiss.

Nach einer vielversprechenden FIBA-Weltmeisterschaft steht Frank Ntilikina in der NBA eine richtungsweisende Saison bevor. Während der Franzose bei den New York Knicks den Sprung machen will, rankten sich in den vergangenen Tagen einmal mehr Trade-Gerüchte um ihn. Wie geht es nun weiter für Frankie Smokes?

Als die Franzosen acht Minuten vor Ende des Viertelfinalspiels gegen Team USA beim Stand von 65:72 eine Auszeit nahmen, standen für sie alle Zeichen auf Niederlage. Innerhalb von vier Minuten hatte Frankreich einen 3:12-Lauf kassiert - dass nun ausgerechnet die Einwechslung von Frank Ntilikina das Blatt wenden würde, hätten wohl höchstens seine engsten Verwandten gedacht.

2 Assists, einen Pull-Up-Dreier und einen Step-Back ins Gesicht von Kemba Walker später hatte der French Prince sein Team aber tatsächlich zurück auf Kurs gebracht - und Frankreich machte die Sensation perfekt, auf dem Weg zur Bronzemedaille in China. Mit Ntilikina in einer prominenten Rolle, wie man sie von ihm in der NBA noch nicht gesehen hat.

Auch in New York weckte sein couragierter Auftritt Hoffnung auf mehr. "Das war ein großer Moment. Dass er am Ende der springende Funke war, hat seinem Selbstbewusstsein wirklich, wirklich geholfen", freute sich Knicks-Coach David Fizdale für seinen Schützling.

Frank Ntilikinas holpriger Start in New York

Ein wenig Futter für das Selbstbewusstsein konnte Ntilikina auch gebrauchen, lief doch der Beginn seiner NBA-Karriere alles andere als geschmiert. An Nummer Acht von den New York Knicks gedraftet, wollte der damalige GM Phil Jackson den Europäer direkt in seine berühmte Triangle Offense integrieren. "Wir hoffen, dass er einen rasanten Start hinlegt und unserem Team schnell weiterhelfen kann", sagte er nach dem Draft - es folgte das Gegenteil.

Zwar deutete der damals 19-Jährige bereits früh sein enormes defensives Potential an, doch kämpfte er in der Offensive mit großen Problemen. Seine Punkteausbeute nach zwanzig Spielen war mau (4,3 Punkte pro Spiel) und wurde nur noch von der Feldwurfquote unterboten (34 Prozent).

So dauerte es unter den strengen Augen der New Yorker Medien nicht lange, bis sein Name immer häufiger mit den Worten "Draft" und "Bust" kombiniert wurde. Dass sich dann zu allem Überfluss LeBron James einschaltete und die Draft-Entscheidung der Knickerbockers öffentlich kritisierte, half nicht weiter. "Die Knicks haben die Chance auf einen wirklich guten Spieler verpasst", sagte James, der Dennis Smith Jr. den Vorzug gegeben hätte: "Er hätte ein New Yorker werden sollen."

Im weiteren Verlauf warfen Verletzungen Ntilikina immer wieder zurück. Vergangene Saison absolvierte der Franzose nur 43 Spiele, er wechselte ständig zwischen Parkett und Seitenrand. Die einzige Konstante neben seiner geringen Feldwurfquote waren in dieser Zeit die Trade-Gerüchte um seine Person - nicht mehr als einen Zweitrunden-Pick hätten die Knicks laut SportsNet New York im Vorfeld des letzten Drafts für ihn verlangt.

Die Karriere-Statistiken von Frank Ntlikina

SeasonSpieleStartsMinutenFG%3P%FT%RebAstStlBlkTOPkt
2017-1878921,936,431,872,12,33,20,80,21,75,9
2018-19431621,033,728,776,72,02,80,70,31,35,7
Karriere1212521,635,430,573,52,23,10,80,31,55,9

Mit Selbstbewusstsein aus der Sommerpause

Doch zu Beginn der Preseason stand der Franzose noch immer im Kader von Coach Fizdale - nach seinen Auftritten für die Nationalmannschaft mit einem gestiegenen Ansehen. "Ich glaube, er kehrt mit einer komplett neuen Denkweise in diese Saison zurück", sagte der Trainer im Rahmen der Vorbereitung: "Was ihn zurückgehalten hat, waren seine Verletzungen. Dieses Jahr ist er gesund."

Auch sein neuer Konkurrent im Backcourt, Elfrid Payton, glaubt, dass Ntilikina von vielen Leuten zu früh abgeschrieben wurde: "Frank ist sehr talentiert. Er hat extrem lange Arme, besonders in der Defensive macht er einem zu schaffen. Es ist verrückt, wie schnell diese Liga einen Spieler in eine Schublade stecken will."

Ob Ntilikina seine Label etwas vorschnell bekam, sei dahingestellt - zumindest in der Preseason liefert er seinen Kritikern weiter Munition. Obwohl er seinen Distanzwurf über den Sommer eigens mit einem Shooting Coach überarbeitet hatte, möchte der Ball einfach nicht fallen - eine durchschnittliche Wurfquote von 29,4 Prozent erinnert stark an die vergangenen Spielzeiten.

Auch im Kampf um eine Starterrolle spielte der Franzose hinter Elfrid Payton klar die zweite Geige, mit Dennis Smith Jr. kehrt bald ein weiterer Rivale von der Verletztenliste zurück. Beide sind sicherlich keine absoluten Hochkaräter auf ihrer Position, zumindest defensiv ist der 21-Jährige seinen Konkurrenten um Einiges voraus. Wenn seine Würfe jedoch weiterhin so selten ihr Ziel finden, dürfte er es schwer haben, sich durchzusetzen - vor allem, weil er neben R. J. Barrett oft abseits des Balles spielen wird.

New York Knicks vor dem Scheideweg

Wie geht es für Ntilikina in New York also weiter? General Manager Scott Perry bleibt noch bis zum Ende des Monats Zeit, eine Vertragsoption zu ziehen, die den Aufbauspieler auch für die Saison 2020/21 an die Knickerbockers binden würde. Verzichtete Scott darauf, könnte der Franzose im kommenden Sommer als Unrestricted Free Agent den Markt erkunden.

Alternativ dazu steht nach wie vor die Möglichkeit eines Trades im Raum. Wie Vince Ellis von der Detroit Free Press am Freitag berichtete, scheinen die Detroit Pistons ihr Interesse am Guard bekundet zu haben. Das Team hoffe demnach, "ein junges Talent günstig zu erwerben, das sich mit zunehmendem Alter positiv entwickelt." Auch hier stellt sich aber die Frage, wie viele Minuten Ntilikina in einer PG-Rotation mit Reggie Jackson und Derrick Rose letztendlich sehen würde.

Die Zukunft von Frankie Smokes bleibt also weiterhin spannend. Die Knicks halten die Karten in der Hand und sind in einer Lage, in der eigentlich nichts wichtiger ist als die Entwicklung junger Spieler. Ntilikina ist noch immer erst 21 Jahre alt.

Bald sollte sich zeigen, ob die WM nur ein Ausrutscher nach oben war - oder ein verspäteter Startschuss.

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