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NBA - Die Minnesota Timberwolves in der Offseason: Schmucklos statt Homerun

Von Philipp Jakob
Karl-Anthony Towns ist der große Hoffnungsträger bei den Minnesota Timberwolves - Andrew Wiggins konnte diese Rolle nicht ausfüllen.
© getty

Mit D'Angelo Russell peilten die Minnesota Timberwolves im Sommer 2019 den großen Coup an. Der Point Guard landete jedoch bei den Warriors, Minnesota ging leer aus. Statt Aufbruchstimmung macht sich im hohen Norden Nüchternheit breit.

Minnesota Timberwolves: Die Transaktionen

Den wohl wichtigsten Neuzugang stellten die Timberwolves bereits am 1. Mai vor: Gersson Rosas übernahm die Rolle als President of Basketball Operations und damit die Zügel im Front Office, nachdem die Ära Tom Thibodeau in der vergangenen Saison ein jähes Ende fand.

Zum Einstieg in den neuen Job wollte Rosas ganz offensichtlich einen Knaller zünden. Kurz vor dem offiziellen Start der Free Agency galten die Timberwolves als Favorit auf D'Angelo Russell. Als klar wurde, dass Kyrie Irving den Point Guard bei den Nets ersetzen wird, bereiteten die Wolves-Fans schon die ein oder andere Flasche Sekt vor - doch die Warriors machten Rosas einen Strich durch die Rechnung.

Per Sign-and-Trade wechselte D-Lo in die Bay Area anstatt in den hohen Norden. Minnesota schlich sich trotz der Enttäuschung in den Deal mit ein und sicherte sich statt den Hauptpreis die Dienste von Shabazz Napier und Treveon Graham von den Nets. Anschließend fädelte Rosas noch mehrere kleinere Deals ein, um die Tiefe der Mannschaft zu adressieren.

So unterschrieben Noah Vonleh (1 Jahr, 2 Millionen Dollar) und Jordan Bell (1 Jahr, 1,6 Mio. Dollar) kurzfristige Verträge, Jake Layman wurde für drei Jahre und 11,3 Mio. Dollar gebunden. Keine allzu großen Namen, der kam dafür schon einige Woche zuvor im Draft.

Rosas wandelte den eigenen Pick per Trade mit den Suns in den 6. Pick um, um sich Texas-Tech-Guard Jarrett Culver zu sichern. Im Gegenzug musste Minnesota Dario Saric und den 11. Pick (Cameron Johnson) in Richtung Phoenix abgeben. Neben Saric verließen im Sommer zudem Taj Gibson (Knicks), Derrick Rose (Pistons), Anthony Tolliver (Blazers) und Tyus Jones (Grizzlies) die Franchise.

Minnesota Timberwolves: Die wichtigsten Daten 2018/19

Bilanz Regular SeasonOffensiv-RatingDefensiv-RatingNet-Rating
36-46 (Platz 11 im Westen)110,6 (13.)112,2 (24.)-1,6 (23.)

Minnesota Timberwolves: Die Strategie

Rosas ging aggressiv in seine erste Free Agency mit den Timberwolves. Das Ziel war eindeutig: Ein Star sollte her, der an der Seite von Franchise-Spieler Karl-Anthony Towns das Team in eine hoffentlich glorreiche Zukunft führen soll.

Russell erschien als Point Guard mit ausgewiesenen Scoring-Fähigkeiten und nicht zu vergessen als guter Freund des Centers als das perfekte Puzzleteil, seine Verpflichtung hatte entsprechend höchste Priorität.

Nach dem Korb des 23-Jährigen mussten sich die Wolves-Fans nun doch mit weniger glanzvollen Rollenspielern zufriedengeben. Die Timberwolves legten allerdings Wert darauf, mit den neuen Verpflichtungen keinen finanziellen Spielraum für die Zukunft zu opfern.

Im kommenden Sommer läuft der Vertrag von Jeff Teague, der 2019/20 noch 19 Mio. Dollar überwiesen bekommt, aus. Der Free-Agency-Markt ist dann aber überschaubar und bis Gorgui Diengs Kontrakt (2 Jahre, 33,5 Mio. Dollar) aus den Büchern gestrichen wird, dauert es noch ein wenig. Von Andrew Wiggins mal ganz zu schweigen

Der Kader der Minnesota Timberwolves

Point GuardShooting GuardSmall ForwardPower ForwardCenter
Jeff TeagueJosh OkogieAndrew WigginsRobert CovingtonKarl-Anthony Towns
Shabazz NapierJarrett CulverJake LaymanNoah VonlehGorgui Dieng
Treveon GrahamKeita Bates-DiopNaz ReidJordan Bell
Tyrone Wallace

Minnesota Timberwolves: Die Schwachstellen

Vor gut zwei Jahren bekam Wiggins eine vorzeitige Vertragsverlängerung über fünf Jahre und 147,8 Mio. Dollar vorgelegt, die der Nr.1-Pick von 2014 dankend annahm. Die Timberwolves wurden mit diesem Deal jedoch alles andere als glücklich.

Wiggins konnte sein enormes Gehalt bisher nicht rechtfertigen, ist aber noch bis 2023 an die Franchise gebunden. In der Offseason machten Spekulationen um einen möglichen Trade die Runde, Minnesota müsste in einem potenziellen Deal wohl einige zusätzliche Assets abgeben. Für einen Star im Gegenzug hätte Minnesota wohl die Wiggins-Reißleine gezogen. Nun scheint aber am wahrscheinlichsten, dass die Franchise ihren ehemaligen Hoffnungsträger noch einige Jahre an der Backe hat.

Auch deshalb blieben Minnesota nicht viele Optionen in der Free Agency. Die Neuen liefern zwar Tiefe, ob sie das Team wirklich besser machen im Vergleich zu den Abgängern Rose, Gibson und Co., ist jedoch fraglich. In Sachen Shooting dürfte es weiterhin mangeln, auch in der Defense bleiben Löcher.

Minnesota Timberwolves: Der Hoffnungsträger

Galten Wiggins und Towns lange Zeit als vielversprechendes Duo, ruhen mittlerweile die Hoffnungen fast allein auf KAT. So wirklich scheint niemand mehr daran zu glauben, dass Wiggins seine Karriere in Minnesota noch einmal umbiegen kann.

In Person von Towns haben die Wolves aber einen der besten Big Man der Liga im Team. In den vergangenen beiden Jahren trat Towns zwar nicht ganz so dominant auf wie zu Beginn seiner Karriere (nicht umsonst wählten ihn die 30 General Manager 2017 zum besten Center der Liga), doch seit der Übernahme von Ryan Saunders als Interimscoach schraubte er seine Statistiken und seine Effizienz wieder nach oben.

Im Sommer strichen die Timberwolves den ersten Teil von Saunders Jobbezeichnung und machten den erst 33-Jährigen zum "richtigen" Head Coach. Er soll dazu beitragen, das Talent von Towns komplett entfalten zu lassen. Eine ähnliche Aufgabe wird auf Saunders auch bei Culver zukommen. Der 20-Jährige gilt als variabler Scorer, der von allem ein bisschen was kann. Langfristig könnte er sich zur zweiten Option neben KAT entwickeln.

Minnesota Timberwolves: Das Fazit

Die Timberwolves brauchen einen weiteren Star an der Seite von Towns, um die anstehende Prime des 23-Jährigen möglichst gut auszunutzen. Wiggins kann diese Rolle nicht ausfüllen, Russell wollte es offenbar nicht - der Korb des neuen Warriors-Stars war schmerzhaft.

Statt Aufbruchstimmung machte sich in der Offseason Nüchternheit in Minnesota breit. Im stark umkämpften Westen, in dem sich viele Teams über den Sommer verbessert haben, misslang den Wolves genau dieses Vorhaben. Teampräsident Rosas vermied zwar grobe Patzer, der ersehnte Homerun gelang ihm aber nicht.

Die Note: 4

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