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NBA Above the Break: Mailbag! LeBron James und Toronto, Celtics-Sixers, Zukunft der Spurs

LeBron James sprengt bei den Cavaliers weiter alle Superlative.
© getty

@kamil2_0: Schafft Milwaukee mit dem aktuellen Kader mal mehr als nur die erste Playoff Runde?

Die Bucks sind für mich eins der spannendsten Teams dieser Offseason, weil ihnen mehrere große Entscheidungen bevorstehen. Wichtiger als die Entscheidung, was mit Jabari Parker passiert, ist dabei für mich die Frage nach dem neuen Coach. In diesem Kader ist so viel mehr drin als das, was in dieser Saison herausgeholt wurde.

Joe Prunty wurde in letzter Zeit zum Buhmann, man muss dazu aber fairerweise sagen, dass er das Team mitten in der Saison übernommen hat. Einstudierte Systeme und vor allem die seit Jahren von Vorgänger Jason Kidd favorisierte hyperaktive Defense lassen sich nicht von hier auf gleich aus den Köpfen kriegen. Prunty hat sicher nicht alles richtiggemacht, er war als "lame duck" aber auch von Anfang an in einer schwierigen Situation.

Die nächste Coaching-Entscheidung muss dagegen sitzen. Deswegen bitten die Bucks derzeit ja auch jeden verfügbaren Coach zum Gespräch, wobei sich Kandidaten problemlos finden lassen, weil die Situation eben reizvoll ist. Giannis Antetokounmpo dürfte in den nächsten fünf Jahren mindestens einmal MVP werden, wenn seine Entwicklung so weitergeht.

Und der Kader ist auch sonst nicht übel besetzt - in der Serie gegen Boston hat jeder gesehen, was für ein Top-Spieler Khris Middleton ist, Thon Maker und Malcolm Brogdon sind talentiert, Tony Snell, John Henson und Matthew Dellavedova sind solide, wenn sie auch alle etwas zu viel Geld verdienen (gerade Delly). Dazu haben sie in Eric Bledsoe eigentlich auch noch einen ziemlich guten Point Guard, wenngleich dessen erste halbe Saison mitsamt Playoffs bei den Bucks wirklich nicht berauschend war.

Der Punkt ist aber: Ob mit Parker oder nicht, mit diesem Kader geht mehr, was allein schon an der erwartbaren Entwicklung von Giannis liegt, der auch immer noch erst 23 Jahre alt ist. Ich würde stark davon ausgehen, dass Milwaukee schon nächste Saison über die erste Playoffrunde hinauskommt.

@mouzChase: Drückt Toronto jetzt endgültig auf den Rebuildknopf oder nimmt man noch 3-4 Jahre gutes Niveau ohne Chance auf Titel mit?

Angesichts der Vertragsstruktur dürfte ein kompletter Rebuild für Toronto aktuell schwierig bis unmöglich sein. Der Kollege Robert Arndt hat es hier schon skizziert und ich sehe es ähnlich: 2017 war ein Rebuild möglich, jetzt wäre er allerdings nicht sinnvoll umsetzbar. Wahrscheinlicher ist, dass die Raptors Dwane Casey entlassen und versuchen werden, mit einem neuen Coach und einem wohl nur partiell veränderten Kader den nächsten Anlauf zu starten.

@iMia_San_FCB: Wie kann es sein, dass Toronto als No. 1 Seed im Osten für die Cavs nur Kanonenfutter ist?

Ich würde hier nicht von Kanonenfutter sprechen. Die Spiele 1 und 3 wurden in den letzten Sekunden entschieden. Tatsächlich hatten sie im ersten Spiel wirklich lange angedeutet, wie sie diese Serie zumindest hätten spannend gestalten oder sogar gewinnen können. Rund zehn Minuten vor Schluss führten sie noch mit 10 und LeBron James war zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gut im Spiel.

Leider hat sich dann nur mal wieder ein Problem zurückgemeldet, das die Raptors schon kennen und das nicht viel mit ihrer Spielweise oder ihrer grundsätzlichen Klasse zu tun hat. Sie haben es nicht geschafft, den Sack zuzumachen. Allein die gefühlt 25 verfehlten Putbacks von Jonas Valanciunas in den letzten Minuten waren fast schon albern und standen stellvertretend für dieses Problem - Cleveland hatte eigentlich keinen Grund, überhaupt noch in diesem Spiel zu sein, aber Toronto gab ihnen gewissermaßen eine schriftliche Einladung.

Diese nahm LeBron natürlich an und führte sein Team in die Overtime, aber auch dort hätte Toronto ja noch etliche Chancen gehabt, das Ganze wieder zu drehen. Die Raptors haben es nicht geschafft. Für mich war das der Knackpunkt der Serie - ein Sieg in Spiel 1 hätte die ganze Dynamik verändern können, einfach weil der Playoff-Losing-Streak gegen die Cavs vorbei gewesen wäre.

Seither wirkt es stattdessen wie eine selbsterfüllende Prophezeiung, dass sich die Raptors schon irgendwie selbst ins Bein schießen werden. Das macht sie für mich nicht zu einem schlechten Team, ich würde auch bezweifeln, dass sie gegen andere Playoff-Teams exakt diese Probleme hätten, aber es wirkt einfach nicht, als würden sie selbst daran glauben, dass sie LeBron schlagen können.

Das Selbstvertrauen ist hier für mich ein ganz entscheidender Faktor, abgesehen von der mittlerweile wirklich Playoff-tauglichen Defense der Cavs und natürlich LeBron: Die Cavs sind nicht auf einmal ein komplettes, überragend besetztes Team, ebenso wenig, wie Toronto "Kanonenfutter" ist - von 1 bis 12 sind die Kanadier vielleicht sogar das besser besetzte Team, wenn man die miese Form von DeRozan und Ibaka ausklammert.

Der Unterschied ist aber: Den Raptors fehlt am Ende des Spiels der klare Plan und der unmittelbare Glaube, um ein Spiel gegen Cleveland wirklich zu gewinnen und nicht nur eng zu halten. James hingegen strahlt das ultimative Selbstvertrauen aus - und wenn Cleveland bei Gleichstand 8 Sekunden vor dem Ende den Ball bekommt, weiß jeder bei den Cavs, was passieren wird. Die Raptors hingegen blicken einfach nur verdutzt drein und wissen nicht, wie ihnen geschieht.

@jaemma23: Welchen Move sollten die Raptors machen, um nächstes Jahr nicht von LeBron gefressen zu werden?

Der beste Move wäre, darauf zu hoffen, dass LeBron in die Western Conference wechselt.

Im Ernst: Finanziellen Spielraum hat Toronto nicht, signifikante Verstärkungen können nur per Trade kommen. Hier besteht nur leider das Problem, dass die wichtigen Rotationsspieler fast alle entweder langfristig und teuer unter Vertrag stehen oder noch auf ihren Rookie-Deals spielen, es gibt wenig Trade-"Filler". Im Zwischenraum stehen Valanciunas und Powell, aber keiner von beiden hat aktuell signifikanten Trade-Wert, ebenso wenig wie Lowry, DeRozan und Ibaka. Aus der Situation, in der die Raptors aktuell stehen, kommen sie nicht mit einem Move raus.

@Schnoeh: Ist LeBron human?

Klar, die Frage war rhetorisch - aber sie ist berechtigt, oder? LeBrons Playoff-Zahlen lesen sich wie aus einem Videospiel: 34,3 Punkte, 9,4 Rebounds und 9 Assists legt er im Schnitt auf. "Schlechte" Spiele bei ihm bedeuten heutzutage, dass er ein Triple-Double mit nur 24 Punkten auflegt. Zwei Game-Winner in letzter Sekunde hat er in diesen Playoffs auch schon aufgelegt, beide mit hohem bis völlig albernem Schwierigkeitsgrad. Der Mann ist 33 und wird nicht schlechter. Ich fühle mich schon albern, weil ich in der Serie auf die Raptors getippt hatte.

Nur noch einmal kurz zu dem Gamewinner in Spiel 3: Was mich noch mehr beeindruckt hat als der Wurf an sich, ist die Ruhe, die er dabei ausgestrahlt hat. Es wirkte fast wie in Zeitlupe, wie er den Ball nach vorne gebracht hat und jeder Anwesende wusste, dass er irgendwie treffen würde. Das ist die finale Stufe des Basketballs, die wohl nur eine Handvoll Spieler jemals erreicht hat.

Ich will hier nicht die hundertste GOAT-Diskussion führen, da diese selten zu etwas führen. Verschreckte, verzweifelte Gesichter wie die der Raptors am Ende von Spiel 3 hat auch Michael Jordan in den 90er Jahren zurückgelassen. Für mich ist es bizarr, dass in solchen Diskussionen immer die eine Seite "Recht haben" muss und dafür versucht, die andere schlechtzureden.

Lasst uns die Karriere von LeBron genießen, solange sie noch andauert. Man kommt nicht oft in den Genuss, einem der besten Athleten überhaupt auf der Höhe seiner Schaffenskraft zuzusehen.

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