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NBA

"LeBron fehlt noch ein Schritt zu Jordan"

Es kann nur einen geben! Wer gewinnt die NBA Finals 2017?

Erst jetzt zeigt sich der wahre Wert von Steve Kerr

Alex Schlüter: Die Warriors waren bis jetzt so stark, dass es gar nicht entscheidend war, wer da an der Seitenlinie steht. Da hat Kerr mit seinem Coaching-Stab also schon im Vorhinein ganze Arbeit geleistet. Der Ball wird geteilt, alle spielen selbstlos und gönnen dem Nebenmann den freien Schuss. In der Regular Season war allerhöchstens mal bei Stephen Curry so etwas wie ein Ego-Modus zu sehen, der dann aber sofort wieder von Kerr eingestellt wurde. In den Finals kann all das aber anders werden: Es wird engere Spieler geben, womit es für die Coaches der Warriors mehr Herausforderungen gibt. Denn die Cavs haben gezeigt, dass sie taktisch mutig agieren. Lue hat gegen Boston oder Toronto eine Menge getan, ist hohes Risiko eingegangen und war innovativ. Das aggressive Doppeln beispielsweise zeugt von einem strategischen Plan, und einen solchen wird es auch gegen die Warriors geben. Diese müssen deshalb von Spiel 1 an auf so etwas reagieren - und dann ist es sehr wertvoll, wenn ein Steve Kerr in jeder Auszeit und in jeder Pause Einfluss neben kann und nicht nur vor dem Spiel oder in der Halbzeit.

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Ole Frerks: Fans der Lakers oder ironischerweise auch der Cavaliers (damals!) dürften der These wohl beipflichten - ob fair oder nicht. Mike Brown ist ein extrem sympathischer Typ und meiner Meinung nach macht er es bisher auch genau richtig, indem er die Warriors einfach machen lässt. Das ist so ein intelligentes und (selbst-)motiviertes Team, dass man eben nicht ständig rumschreien oder von draußen Plays ansagen muss. Für das Gebrüll hat man ohnehin Draymond und die Offense ist dann am besten, wenn sie im Flow ist und Steph als Ballhandler auf das reagiert, was die Defense ihm gibt. Da mache ich mir also keine Sorgen. Was jedoch ein Punkt ist, in dem Brown auch in den bisherigen Spielen teilweise ziemlich chaotisch agierte, sind die Rotationen. Bei der enormen Klasse der Warriors kann man sich einige Fehler natürlich erlauben, aber ich will in den Finals als Warriors-Fan keine Minuten sehen, in denen Steph und KD beide auf der Bank sitzen. Brown ist nicht unbedingt der reaktionsschnellste Typ, wenn mal ein Matchup nicht funktioniert, da sehe ich den etwas mutigeren Lue im Vorteil. Wobei man gestehen muss: Auch Kerr hielt in den Finals letztes Jahr etwas zu lange an einigen Spielern fest, die nichts mehr auf die Kette bekamen. Von daher: Nominell ist der Wechsel von Kerr zu Brown ein "Downgrade", aber im Endeffekt wird es wahrscheinlich keinen riesigen Unterschied machen, zumal Kerr ja nicht aus der Welt ist.

Andre Voigt: Ich sehe das auch nicht so kritisch. Die Warriors-Offense ist sehr von Automatismen geprägt und agiert auch ohne Ansagen von außen auf unglaublich hohem Niveau. Und in den Finals wird es eher auf den Defensiv-Plan ankommen: Wie reagieren die Warriors auf das 4-1- oder 1-4-Pick-and-Roll der Cavs? Und umgekehrt: Was machen die Cavs gegen ein Pick-and-Roll mit Durant als Ballführer und Curry als Blocksteller - oder generell gegen das kleine Lineup? In dieser Hinsicht sind die Warriors gut aufgestellt. Defensiv-Koordinator Ron Adams ist ja da und auch Brown ist jemand, der sich über die Defense definiert. Außerdem: Die Gameplan-Änderungen von Spiel zu Spiel, auf die es in engen Serien ankommt, kann Kerr ja vornehmen. Und mir kann auch niemand erzählen, dass er nicht auch während des Spiels Einfluss nimmt und mal einen Waterboy mit Anweisungen aus der Kabine zur Bank schickt. Von daher sehe ich es als keine entscheidende Schwächung an, wenn er während der Spiele nicht an der Seitenlinie agiert.

Thorben Rybarczik: Ich bin da eher bei dir, Dre. Ich halte den offensiven Gameplan auch nicht für entscheidend, zumal die Anführer des Teams in Abwesenheit von Kerr noch eine Schippe draufgelegt haben und keinerlei Attitüden erkennen lassen. Alle wissen einfach, wann sie welches Play in welcher Situation laufen sollten. Vorkommnisse wie die während der Regular Season, als es mal so etwas wie einen Mini-Streit um eine ungeliebte Isolation von Durant gabt, kommen praktisch nicht mehr vor. Wertvoll könnte Kerr dann werden, wenn es mal nicht so läuft - wie zum Beispiel gegen die Spurs in der ersten Halbzeit. Dann gab es aber die Halbzeit-Ansprache von ihm. Und anschließend hatte man das Gefühl, dass die Warriors mit einer ganz anderen Körpersprache aufgetreten sind, trotz des hohen Rückstands. Das hat mich an die etlichen Runs aus der Vorsaison erinnert, während derer man immer das Gefühl hatte, dass die Warriors gewinnen werden, egal mit wie vielen Punkten sie hinten liegen. Soweit man das von außen beurteilen kann, zeichnet Kerr genau das aus: Er vermittelt Vertrauen und weiß, in welchen Situationen er was sagen muss, um seine Jungs aufzurichten. Dass er das nicht über die vollen 48 Minuten machen kann, ist zwar bitter, aber nicht entscheidend, solange er anderweitig auf das Team einwirkt.

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