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NBA

"LeBrons Form ist für mich ein großes Rätsel"

Von Interview: Marcel Friederich
Swing Man Shane Battier (r.) spielt seit 2011 für die Miami Heat
© getty

Die Miami Heat stehen nach der Niederlage in Spiel drei der NBA Finals gegen die San Antonio Spurs mit dem Rücken zur Wand. Im Interview mit SPOX spricht Heat-Veteran Shane Battier über den schwächelnden LeBron James, seine spirituelle Lebenseinstellung und seine Liebe zum deutschen Bier.

SPOX: Nach dem überzeugenden Sieg im zweiten Finalspiel schien das Momentum für Ihre Mannschaft zu sprechen. Doch was ist dann im dritten Spiel passiert?

Shane Battier: Wir waren an diesem Abend überhaupt nicht fokussiert und haben eine ganz schwache Leistung abgeliefert. Natürlich muss man den Spurs großen Respekt zollen, weil sie den Ball super verteilt und ihre Würfe fast allesamt versenkt haben. Doch wir hätten das niemals zulassen dürfen. Wir waren überhaupt nicht aggressiv und haben wie Softies verteidigt. Das muss sich im vierten Spiel unbedingt ändern.

SPOX: Sinnbildlich steht die Leistung von LeBron James, der keinerlei Rhythmus fand.

Battier: Seine Form ist auch für mich ein großes Rätsel. Eigentlich hätte ich gedacht, dass es für LeBron in diesem Jahr psychologisch viel leichter ist, in den Finals zu glänzen. Denn durch seinen ersten Titelgewinn im Vorjahr gegen Oklahoma City hatte er eine ganze Menge Ballast abwerfen können. Deshalb dachte ich selbst, dass er jetzt in den Finals viel befreiter aufspielen kann.

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SPOX: Was ist los mit James?

Battier: Ehrlich gesagt - ich habe keine Ahnung.

SPOX: Ist der Erfolgsdruck, der auf ihm lastet, einfach zu groß?

Battier: Nein. Druck kann definitiv nicht der Grund dafür sein.

SPOX: Warum sind Sie sich da so sicher?

Battier: Man muss sich vor Augen führen: LeBron ist ein einzigartiger Spieler, der erste Basketball-Superstar der Twitter- und Facebook-Generation. Diesen Kram hatte es zu den Zeiten von Michael Jordan ja noch gar nicht gegeben. Es ist unglaublich, wie viele Menschen LeBron über die neuen Medien erreicht. Und wie viele Menschen sich über ihn austauschen. Schon als er 15, 16 Jahre alt war und noch an der High School spielte, wurde er auf Schritt und Tritt verfolgt. Fast täglich wird er wie an der Flughafenkontrolle durchleuchtet. Jeder einzelne Postgame-Kommentar, sogar jedes einzelne Kleidungsstück von ihm wird in den Medien thematisiert. Twitter, Facebook & Co. hat diesen "LeBron-Hype" in den vergangenen Jahren noch um ein Vielfaches gesteigert. Täglich steht er deshalb unter Druck, nichts Falsches zu äußern oder nichts Falsches anzuziehen. Mit Druck kennt er sich also bestens aus. Deshalb bin ich überzeugt, dass er im vierten Spiel eine Trotzreaktion zeigen wird.

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SPOX: Wie ist es für Sie als Teamkollege, den "LeBron-Hype" täglich hautnah mitzuerleben?

Battier: Das ist richtig faszinierend. Ob ich es positiv oder negativ faszinierend finden soll, weiß ich allerdings nicht. Besonders während den Finals ist der Rummel enorm.

SPOX: Nicht nur James, sondern auch Sie selbst befinden sich nicht in Bestform. In den Finals stehen Sie nur 6,5 Minuten pro Partie auf dem Feld und trafen von acht Dreipunktwürfen lediglich einen.

Battier: Es ist für mich eine schwierige Situation. Ich liebe den Wettkampf und würde unserer Mannschaft wahnsinnig gerne weiterhelfen. Doch ich bekomme es derzeit leider nicht gebacken. Woran das liegt, weiß ich leider auch nicht so recht. Aber sofern wir am Ende wieder den Titel gewinnen, ist es ganz egal, wie ich persönlich durch die Finals gestolpert bin. Am Ende zählt nur der Teamerfolg.

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SPOX: Abgesehen vom NBA-Titel im Vorjahr haben Sie in Ihrer langen Karriere noch einen anderen Titel gewinnen können: die College-Meisterschaft 2001 mit den Duke Blue Devils. Welcher Titel bedeutet Ihnen mehr?

Battier: Das waren auf jeden Fall zwei unterschiedliche Erlebnisse. 2001 war mein Senior-Jahr am College, ich war Kapitän und Leader des Teams. Ich wusste genau, dass ich nur noch diese eine Chance auf die NCAA-Meisterschaft besitze. 1999 hatten wir bereits im Endspiel gestanden, verloren dieses jedoch. Deshalb war der Titel 2001 etwas ganz Besonderes für mich. Aber auch die NBA-Meisterschaft wird immer einen besonderen Platz in meiner Karriere einnehmen, obwohl ich dabei nur Rollenspieler gewesen bin. Dennoch war ich sehr gut in Schwung und habe in den Finals viele Dreier getroffen. Deshalb waren diese beiden Titel von der Entstehung her ganz unterschiedlich. Aber am Ende waren sie gleich schön.

SPOX: Stehen Sie mit dem legendären Duke-Coach Mike Krzyzewski noch in Kontakt?

Battier: Ja, wir haben ein gutes Verhältnis und sprechen ab und zu. Seine Ratschläge nehme ich mir jedes Mal sehr zu Herzen. Und im Sinne des amerikanischen Basketballs habe ich mich riesig gefreut, als öffentlich wurde, dass er weiterhin die Nationalmannschaft coacht. Obwohl er schon so lange im Geschäft ist, achtet er in jedem Training auf das kleinste Detail. Er ist ein großartiger Motivator und eine echte Respektperson, auch für unsere Superstars.

SPOX: Im Internet ist zu lesen, dass Sie am College den Schwerpunkt Religion gewählt haben. Stimmt das?

Battier: Ja. Ich bin ein spiritueller Mensch und respektiere alle Religionen auf dieser Welt. Offiziell gehöre ich der evangelisch-lutherischen Kirche an, aber auch alle anderen Religionen faszinieren mich sehr. Deshalb habe ich mich am College entschieden, mehr darüber zu erfahren und Religion als Schwerpunkt auszuwählen.

SPOX: Beten Sie regelmäßig?

Battier: Ich bete jeden Tag und bedanke mich auf diesem Weg dafür, dass ich solch ein gutes Leben führen darf. Ich bin unheimlich dankbar, dass mich höhere Mächte so sehr gesegnet haben - mit meiner Familie und mit meinem Beruf. Meine spirituelle Einstellung hilft mir dabei, ein geordnetes und glückliches Leben zu führen.

SPOX: Wird es vor dem vierten Finalspiel noch ein besonderes Stoßgebet in Richtung Himmel geben?

Battier: Nein, für Siege in der NBA bete ich nicht. Ich bete zwar, dass es keine Verletzungen gibt und bedanke mich für die Möglichkeit, überhaupt in der NBA spielen zu dürfen. Aber ich bete nicht für sportliche Siege, das wäre Blödsinn. Bei den gegnerischen Mannschaften gibt es ja auch religiöse Spieler. Und davon abgesehen: Ich glaube, Gott hat viel wichtigere Dinge zu tun, als sich um die NBA-Finals zu kümmern. (lacht)

SPOX: Ebenfalls ist im Internet zu lesen, dass Sie Deutsch sprechen können?

Battier: (auf Deutsch mit leichtem US-Akzent) Ja, ein bisschen... ich spreche ein bisschen Deutsch!

SPOX: Wie kam es dazu?

Battier: (wieder in Englisch) Sechs, sieben Jahre lang habe ich die deutsche Sprache an der Middle School und High School erlernt. Das ist aber schon lange her, so dass ich viele Vokabeln leider wieder vergessen habe. Doch als ich vor ein paar Jahren in Deutschland zu Besuch gewesen bin, da hatte die Verständigung erstaunlich gut geklappt. Als ich die Sprache täglich um mich herum hatte, konnte ich mich an viele Vokabeln plötzlich wieder erinnern.

SPOX: Wo sind Sie bei Ihrem Deutschland-Besuch genau gewesen?

Battier: Ich war in München - und habe dort das leckere Weißbier probiert! Das war ein richtiger Genuss im Vergleich zu den amerikanischen Bieren, die echt langweilig schmecken. Sobald ich meine Karriere beendet habe, habe ich mir vorgenommen, nochmals nach München zu reisen und das Oktoberfest zu besuchen.

SPOX: Ihr Vertrag bei den Heat läuft noch ein Jahr bis zum Saisonende 2014. Zu diesem Zeitpunkt werden Sie 36 Jahre alt sein. Haben Sie bereits beschlossen, ob Sie Ihre Basketball-Schuhe dann an den Nagel hängen?

Battier: Ja, es ist gut möglich, dass ich im Sommer 2014 meine Karriere beende. Aber ich weiß noch nicht, was ich danach genau machen werde. Zu gegebener Zeit werde ich mich mit meiner Familie darüber beraten. Was immer es am Ende auch sein mag - es muss etwas Dynamisches sein. Etwas, das mich herausfordert und nah am Puls der Zeit ist. Einen langweiligen Bürojob brauche ich nicht.

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