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NBA

15 Freunde sollt ihr sein

Von Philipp Dornhegge
Gutgelaunte Rockets: In Houston ist die Teamchemie eines der Erfolgsgeheimnisse
© Getty

Bei der Vergabe des Prädikats "Titelkandidat" denkt vor der neuen NBA-Saison niemand an die Houston Rockets. Warum eigentlich nicht? Dank neu gewonnener Tiefe, enormem Zusammenhalt und Comebacker Yao Ming sollte mit den Texanern zu rechnen sein.

Wenn die NBA am kommenden Dienstag in die Saison 2010/2011 geht, werden wieder alle Augen auf die bekannten Topteams gerichtet sein: Natürlich auf die Lakers und die Celtics, auch auf die Orlando Magic.

Die Miami Heat sind neu, nachdem sich LeBron James und Chris Bosh mit Dwyane Wade zusammen taten. Zudem werden die Dirk-Nowitzki-Anhänger weiterhin daran glauben, dass die Mavericks zum Favoritenkreis gehören. Ein Team, dessen Name eigentlich nie fällt, ist Houston.

Warum eigentlich nicht? Klar, die Rockets haben keinen deutschen Superstar, keine spektakulären Highflyer, keine jungen Toptalente, auf die jeder schaut. In Houston gibt es auch keine altehrwürdige Arena, die Erinnerungen an alte Zeiten weckt, und in Houston gibt es vergleichsweise wenig Tradition.

Olajuwon prägte eine Ära in Houston

Zwei Meisterschaften und eine mehr oder weniger glorreiche Ära stehen zwar zu Buche: Hakeem Olajuwon prägte die späten 80er und die 90er Jahre und gewann 1994 und 1995 den NBA-Titel mit den Rockets.

Vielen Basketball-Fans sind diese Spielzeiten aber vor allem deshalb im Gedächtnis geblieben, weil es diejenigen waren, in denen Michael Jordan im zwischenzeitlichen Ruhestand war. Die Championships in dieser Zeit, sagen Spötter, waren deshalb nur die Hälfte wert.

Davon abgesehen interessieren die Rockets, gerade in Deutschland, kaum jemanden. Dabei sollte jeder NBA-Fan ruhig mal einen Blick auf das riskieren, was sich in den letzten Jahren in der texanischen Großstadt getan hat.

Auch wenn es derzeit sicher noch gewagt klingt: Es gibt genügend Faktoren, die dafür sprechen, dass die Houston Rockets 2011 im Kampf um die Meisterschaft ein Wörtchen mitreden könnten.

Die Teamchemie: Daryl Morey ist ein Mastermind. Der Manager ist bekannt dafür, in jeder Sekunde seines Arbeitstages in Gedanken die perfekte Abstimmung in seinem Team durchzuspielen. Dabei bedient er sich statistischer Erhebungen, die ihm verraten, wie erfolgreich ein Spieler ein ganzes Team macht und weniger, wie gut der Spieler selbst dabei aussieht.

Als er vor einiger Zeit von einem Journalisten gefragt wurde, ob das wirklich wahr sei und ob man diesen Zahlen vertrauen könne, sagte Morey: "Natürlich! Warum haben wir wohl Chuck Hayes im Kader?" Der Center im Körper eines Power Forwards steht stellvertretend für mehrere Spieler seiner Sorte.

Genauso wie Shane Battier, Jared Jeffries oder Brad Miller ist Hayes ein reiner Teamspieler, der alles tut, damit am Ende des Tages ein Sieg zu Buche steht. Und der sich nicht beschwert, wenn er mal den Ball nicht kriegt oder viel auf der Bank sitzt.

Diese Spieler kennen ihren Wert, halten den Stars den Rücken frei und setzen sie in Szene. Ein weiteres Indiz dafür, wie wichtig der Rockets-Organisation der Zusammenhalt ist: Trevor Ariza wurde weggetradet, weil er sich nicht mit Aaron Brooks verstand.

Yao Ming und die Star-Power: Im Allgemeinen gilt die Faustregel, dass man mindestens zwei Star-Spieler im Team haben muss, um Titel zu gewinnen. Die Lakers etwa haben Kobe Bryant und Pau Gasol, die Celtics hatten 2008 Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen. Michael Jordan hatte bei jedem Titelgewinn Scottie Pippen an seiner Seite.

Die Rockets sind in dieser Hinsicht nicht perfekt, aber doch sehr gut aufgestellt. Kevin Martin ist ein Shooting Guard mit All-Star-Format, der weit über 20 Punkte pro Spiel erzielen kann, ohne den Ball dominieren zu müssen. Point Guard Brooks wird von vielen aufgrund seiner geringen Körpergröße klein geredet, lieferte im Vorjahr aber knapp 20 Zähler im Schnitt, ordentliche Assistzahlen und war mehr als einmal der Go-to-Guy in der Crunchtime.

Und dann wäre da noch Yao Ming. Der Chinese wäre ein potenzieller NBA-First-Teamer, wird nach einem Jahr Pause aber erst mal nur 24 Minuten pro Spiel spielen dürfen - seine anfälligen Füße sollen auf diese Weise geschont werden.

Auf lange Sicht und für die Fitness in den Playoffs könnte das aber genau die richtige Marschroute sein, denn Vizepräsident und Fitnesscoach Keith Jones betonte: "Wenn die Playoffs kommen, könnte die Sache anders aussehen. Wir reden hier nur über die Zeit bis Ende April."

Der Trainer: Rick Adelman gilt als Meister seines Fachs. Der 64-Jährige geht in seine 20. Saison als NBA-Headcoach und seine vierte mit Houston. 16 Mal erreichten seine Teams die Playoffs.

Besonders bekannt und beliebt ist Adelman aus seiner Zeit bei den Portland Trail Blazers, die er 1990 und 1992 in die Finals führte, und den Sacramento Kings, die unter seiner Regie und mit Superstar Chris Webber den seinerzeit attraktivsten Basketball der Liga spielten.

Was Adelman auszeichnet, ist die Tatsache, dass er seine Taktik an dem ihm zur Verfügung stehenden Spielermaterial ausrichtet. In Sacramento bedeutete dies vor allem Offensive pur, in Houston liegt der Schwerpunkt auf der Defense, die zwar Schnellangriffe kreieren kann, aber nicht muss. Auch im Set Play fühlen sich die Rockets wohl.

Die Bank: Nach Jahren des Herumdokterns am Kader hat Morey eine Truppe zusammengestellt, die sich in puncto Tiefe vor keinem früheren Rockets-Kader verstecken muss. Jede Position ist doppelt besetzt, unter den Körben hat Adelman sogar sieben Akteure zur Verfügung: Neuzugang Miller, Rookie Patrick Patterson, Hayes, Jordan Hill und Jeffries können allesamt Luis Scola oder Yao entlasten.

Ein wichtiger Punkt, wenn man den beiden Routiniers viele Verschnaufpausen geben will. Auf den kleineren Positionen hat man mit Kyle Lowry das ideale Spielmacher-Gegenstück zu Brooks. Lowry ist pfeilschnell, ein besserer Fastbreak-Spieler und Passgeber, dafür nicht so stark von außen.

Auf den Flügeln stehen Neuzugang Courtney Lee, der 2009 als Rookie mit den Orlando Magic in den Finals stand, und Chase Budinger in seinem zweiten Jahr für Treffsicherheit aus der Distanz.

Playoff-Tauglichkeit: Während in anderen Teams die Rollenspieler in wichtigen Momenten schon mal Nervenflattern bekommen, weil sie sich lieber auf ihre Stars verlassen, haben die Spieler der Rockets diese Ausrede nicht.

Als Yao 2009 in den Playoffs gegen die Lakers verletzt ausschied, brach der Underdog nicht etwa auseinander. Er machte weiter und zeigte begeisternde Spiele, in denen unter anderem die Sterne von Brooks und Scola aufgingen.

Auch in der vergangenen Spielzeit waren aufgrund der dünnen Personaldecke immer wieder die Rollenspieler gefordert, praktisch jeder durfte dann und wann einen wichtigen Wurf nehmen. Zwar ging dem Team gegen Ende der Saison die Luft aus, sodass Houston die Playoffs verpasste. Aber mental bereit für heiße Postseason-Schlachten sollten alle Spieler sein.

Das spricht gegen die Rockets: Yaos Verletzungsanfälligkeit ist natürlich ein Problem. Niemand kann ausschließen, dass sich der Chinese morgen das Bein bricht.

Ohne den Center müssten die Rockets ihre Ansprüche nach unten schrauben. Die Playoffs sind trotzdem Pflicht.

Es gibt darüber hinaus Experten, die unken, dass Houston zu viele brauchbare Spieler hat, die um Minuten konkurrieren. Sollte sich das schlecht auf die Stimmung auswirken, wäre Morey abermals gezwungen, einen Trade anzuzetteln.

Gerüchten zufolge soll Carmelo Anthony im Gespräch sein. Mehrere gute für diesen einen erstklassigen Spieler zu tauschen, könnte den Rockets helfen. Und wäre für die Nuggets in ihrer jetzigen Situation allemal interessanter als jeder Deal mit den Knicks.

NBA: Die Rollenspieler der Miami Heat im Porträt

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