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NBA

Das Kampfschwein und die Scharfschützen

Von Martin Gödderz
Mike Miller (r.) und Zydrunas Ilgauskas sollen die Leader der zweiten Fünf der Miami Heat sein
© Getty

Der Fokus bei den Miami Heat liegt auf den drei großen Superstars. Doch abseits des Top-Trios hat sich das Team aus Florida mit zahlreichen weiteren Spielern eingedeckt. Darunter ein alter Kumpel von LeBron James, ein verlorener Sohn und ein Alleskönner.

Vor der Sommerpause misteten die Miami Heat nahezu den kompletten Kader aus. Der Plan: auf dem Free-Agent-Markt kräftig zuschlagen. Wie inzwischen jeder weiß, setzten die Verantwortlichen ihr Vorhaben perfekt in die Tat um.

Mit Dwyane Wade, LeBron James und Chris Bosh spielen drei der besten Spieler der Welt mittlerweile in Florida. Diese drei verkörpern gemeinsam zwar schon die pure Weltklasse, könnten alleine aber rein gar nichts gewinnen. Für eine NBA-Meisterschaft braucht es neben vieler anderer Faktoren vor allen Dingen ausgezeichnete Rollenspieler.

Neben den drei Superstars bemühte sich Miami deshalb um Veteranen, die sich an der Seite von James und Co. einen Titel sichern wollen. Meist für das Minimalgehalt heuerten verdiente Spieler in Miami an, um sich ihren ewigen Traum vom Titel zu erfüllen.

Während ein Eigengewächs und ein Talent weiterhin in Miami spielen, kamen ein meisterschaftserprobter, scharf schießender Heimkehrer, ein Allrounder und ein Litauer, den James selbst zu seinen engsten Freunden zählt. Die fünf wichtigsten Rollenspieler der Heat im Porträt.

Mario Chalmers - Der Talentierte

Der 24-jährige Aufbauspieler wird in seinem dritten Jahr in Miami eine komplett andere Rolle im System der Heat übernehmen. War er in den letzten beiden Jahre neben Dwyane Wade noch hauptsächlich für den Aufbau der Heat zuständig, wird er nach der Ankunft von LeBron James und Co kaum noch den Ball in den Händen halten, auch wenn er auf der Eins starten wird.

Vielleicht ist Chalmers sogar erleichtert, schließlich wirkte er im letzten Jahr häufig überfordert und machte gegenüber seiner Rookie-Saison einen deutlichen Schritt zurück. Trotz seiner nur 31,8-prozentigen Trefferquote von jenseits der Dreierlinie im letzten Jahr ist Chalmers eigentlich ein guter Schütze von außen, der mit einem passablen Jumper ausgestattet ist.

Trifft er wieder konstanter, so kann der Aufbau eine Hilfe in der Offensive werden, da Wade und James mit Sicherheit reichlich offene Würfe für Spieler wie Chalmers herbeiführen. In der Defensive soll er den Gegner schnell unter Druck setzen und so Ballverluste erzwingen.

Mit weniger Verantwortung auf und abseits des Courts sollte es Chalmers mühelos gelingen, das Talent, das er zweifellos hat, endlich voll auszuschöpfen und in seiner Entwicklung wieder einen Schritt nach vorn zu machen.

Eddie House - Der Heimkehrer

"Catch and Shoot" - ausschließlich für diese drei Wörter wurde Eddie House zurück an den Ort geholt, an dem seine mittlerweile 10-jährige NBA-Karriere begann. Fangen und schießen, nichts anderes soll der Guard für die Heat erledigen. Am besten möglichst effektiv und von möglichst weit außerhalb.

Dass der 32-Jährige die Forderungen, die an ihn gestellt werden, erfüllen kann, hat er bereits mehrfach bewiesen. Tödliche 44 Prozent aller Dreier netzte "E-Money" beispielsweise in den 81 Saisonspielen der Saison 2008/2009 für die Boston Celtics ein. House kann sich vollkommen auf seinen Wurf verlassen. Sein Jumper ist hervorragend und die Freiwurfquoten ausgezeichnet.

Dass der Veteran weder passen noch rebounden kann und über quasi keinen Zug zum Korb verfügt, ist rund um den South Beach nicht weiter wichtig, schließlich soll er lediglich die Früchte der Penetration der Superstars ernten.

Trotz seiner Größennachteile (1,85 m) und der fehlenden Athletik ist House aber auch ein sehr energischer und vielversprechender Verteidiger.

Mike Miller - Der Alleskönner

Der 30-Jährige Miller könnte in diesem Jahr zu einem der wichtigsten und besten sechsten Männer der gesamten NBA avancieren. Zwar bekleidet er prinzipiell ausgerechnet die beiden Positionen, auf denen Wade und James spielen, doch werden die beiden auch häufig auf andere Positionen ausweichen. Das sollte dem gelernten Small Forward viele Minuten einbringen, die er aller Voraussicht nach nutzen wird.

Miller kann von allem ein bisschen. Er ist mit einem ausgezeichneten Auge für den Mitspieler ausgestattet, spielt sehr sicher und holt enorm viele Rebounds für einen 2,03-Meter-Mann (5,3 in 24 Minuten).

Das mit mehreren Alleskönnern bestückte Miami ist dabei aber am dringendsten auf Millers Wurffähigkeiten angewiesen, da dieser einer der effizientesten Schützen der Liga ist. Mit 48 Prozent verwandelten Dreiern gehörte er in der letzten Saison zur absoluten Elite. Weil James und Wade vornehmlich den Korb attackieren, wird Miller viele freie Würfe bekommen.

Miller offen stehen zu lassen, sollte die meisten Gegner teuer zu stehen kommen. Die Nummer 13 der Heat muss dabei aber dringend wieder mehr Selbstvertrauen in den eigenen Wurf finden. In der letzten Saison gab Miller trotz seines tödlichen Wurfes den Ball fast immer weiter.

Udonis Haslem - Der Publikumsliebling

Udonis Haslem zählt zur Kategorie "Kampfschwein". So etwas lieben die Fans und genau deshalb ist er auch deren Liebling in Miami. Mit seinen 2,03 Metern ist Haslem für einen Power Forward zwar zu klein geraten, durch seine sehr physische Spielweise gleicht er die Größennachteile aber wieder aus.

In der Verteidigung spielt Haslem sehr intensiv. Er hat ein gutes Gespür für Rebounds, ist aber als Shotblocker untauglich. Dirk Nowitzki kann rückblickend auf die NBA-Finals 2006 noch ein Lied davon singen, wie nervtötend der Forward in der Verteidigung agieren kann.

In der Offensive verlässt sich der 30-Jährige auf seinen Mitteldistanzwurf, da sein Spiel im Low-Post nahezu gar nicht existent ist. Er ist ein verlässlicher Scorer, der immer in der Lage ist, zweistellig zu punkten. Hinter Chris Bosh wird Haslem zwar weniger Minuten als im letzten Jahr sehen, trotzdem ist er einer der absoluten Edelhelfer im Team und könnte in der Rotation auch an der Seite des Ex-Raptors starten.

Darüber hinaus war er bereits in den letzten Jahren einer der absoluten Anführer im Team - und wird auch nach der Ankunft von James, Bosh und Co. ein Wortführer im Locker Room sein. Pat Riley sagt beispielsweise über ihn: "Er ist unser Sprecher, er ist ein wahrer Kämpfer und ein großartiger Profi."

Dass Haslem heiß auf seinen zweiten Titel ist, zeigte er, indem er im Sommer weitaus höher dotierte Angebote der Mavericks und Nuggets ausschlug, um weiter in Miami spielen zu können. "Hier habe ich die Möglichkeit zu gewinnen, was schließlich der Grund ist, warum wir überhaupt spielen. Und ich kann bei meiner Familie und meiner Mutter bleiben", erklärte Haslem.

Zydrunas Illgauskas - Der James-Mentor

Hört man LeBron James über den Litauer sprechen, dann klingt das nicht wie bei anderen Spielern. Der 2,21-Hühne ist ein ganz besonderer Mensch für den Superstar, spielte er doch seit James' Karrierebeginn gemeinsam mit ihm in Cleveland. So äußerte sich der MVP der letzten beiden Jahre zur Verpflichtung Ilgauskas': "Wenn du einen Wechsel vollziehst, dann hoffst du, ihn immer mit Freunden und Familie zu durchleben."

Dieser Satz zeigt die enorme Wertschätzung für den mittlerweile 35-jährigen Veteranen. Miami wollte Big-Z unbedingt holen und das nicht, weil der Litauer noch immer ein unglaublich guter Spieler ist, sondern weil er mit seiner großen Portion Routine für gute Stimmung sorgt. Auf dem Feld hat der verletzungsanfällige Ilgauskas mittlerweile abgebaut. Unter dem Korb ist der Oldie kaum noch ein Faktor, seine Rebound- und Blockrate wandert stetig nach unten und auch in der Defensive ist er mittlerweile zu langsam.

Dafür verfügt der Litauer noch immer über einen guten Mitteldistanzwurf und entwickelt auf die letzten Jahre ein Faible für Dreipunktewürfe.

In der Big-Men-Rotation wird Ilgauskas seinem Alter angemessene Minuten sehen. Den Rest der Zeit sollte er von außen helfen.

Eines ist Ilgauskas jedenfalls noch immer: titellos. Daher auch die Kampfansage: "Ich will um die Meisterschaft kämpfen! Es wartet zwar viel Arbeit auf uns, aber wir haben eine Chance."

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